
Wann ist der Cannabis-Entzug am stärksten: und wie du es überlebst
ist ein Thema, bei dem viele erst anfangen zu suchen, wenn es schon unangenehm geworden ist. Vielleicht bist du gerade mitten im Konsum, mitten im Entzug...
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Wenn du mit dem Kiffen aufhörst, fehlt oft nicht nur der Rausch. Es fehlt der Abendknopf. Dieses Gefühl, dass der Kopf leiser wird, der Körper sinkt, Essen besser schmeckt, Musik tiefer wirkt und der Tag endlich Abstand bekommt.
Deshalb greifen viele nach Ersatz. CBD, Alkohol, Nikotin, Kräutermischungen, Atemübungen, Sport, Schlafmittel, Supplements. Manche Dinge können helfen. Andere verschieben das Problem nur oder machen es gefährlicher.
Die wichtigste Frage ist: Welchen Effekt von Cannabis suchst du eigentlich? Entspannung, Schlaf, weniger Angst, Belohnung, Abstand, ein kleines High-Gefühl oder einfach eine Routine für den Abend?
Die Alternativen auf einen Blick
Bevor du nach Ersatz suchst, brauchst du eine ehrliche Antwort. Eine Alternative hilft dir nur, wenn sie genau das abdeckt, wofür du gekifft hast. Deshalb reicht es selten, einfach irgendein Hobby zu suchen.
Wenn du wegen Schlaf gekifft hast, brauchst du einen Weg in den Schlaf. Wenn du wegen Angst gekifft hast, brauchst du etwas, das dich beruhigt. Wenn du wegen Langeweile gekifft hast, brauchst du Aufgaben und Menschen. Und wenn du wegen Leere gekifft hast, brauchst du Geduld, Bewegung und neue Momente, die sich gut anfühlen.
Bei vielen ist es eine Mischung. Der Joint am Abend war Schlafhilfe, Belohnung und Feierabend in einem. Dann brauchst du keine perfekte Alternative, sondern zwei oder drei kleine, die zusammen den Abend tragen.
Zuerst das Ehrliche: Für den Cannabis-Entzug gibt es bis heute kein zugelassenes Medikament. Alles in diesem Abschnitt kann dir den Übergang leichter machen. Keins davon macht high, und keins nimmt dir den Entzug ab.
Wenn du Medikamente nimmst, schwanger bist oder eine Erkrankung hast, sprich vor jedem dieser Mittel mit deinem Arzt oder in der Apotheke.
CBD ist für viele die naheliegendste Alternative, weil es aus der Hanfpflanze kommt und trotzdem keinen klassischen THC-Rausch macht. Manche merken damit, dass die innere Unruhe am Abend etwas leiser wird. Den Joint im Kopf ersetzt es aber nicht, und genau das ist eigentlich gut.
Die Forschung dazu ist noch dünn. In einer Studie aus dem Jahr 2020 mit 82 Menschen mit Cannabisabhängigkeit kifften die Teilnehmer mit CBD weniger als mit einem Scheinmittel. Sie bekamen aber deutlich mehr CBD, als in einem frei verkäuflichen Öl steckt, und die Studie war klein.
Sieh CBD deshalb als Brücke für die Abende, die du ohne THC gerade schwer aushältst. Nebenher baust du neue Abläufe auf. CBD kann mit Medikamenten zusammenwirken, zum Beispiel mit Blutverdünnern oder Mitteln gegen Epilepsie und Depressionen. Frag dann vorher in der Apotheke.
Wenn du mehr dazu wissen willst, lies hier weiter: Kiffen aufhören mit CBD.
Manche spüren den Entzug vor allem im Körper. Die Beine sind unruhig, die Schultern hart, und auf dem Sofa findest du keine Position. Magnesium nehmen viele genau dafür, weil es bei körperlicher Anspannung helfen kann.
Speziell im Cannabis-Entzug ist Magnesium kaum untersucht. Erwarte also keine Wirkung wie vom Joint. Mehr als etwas Ruhe im Körper ist nicht drin. Wenn du es ausprobieren willst, findest du hier ein Beispiel: Magnesium. Mehr dazu steht im Artikel über Magnesium im Cannabis-Entzug.
Wer jahrelang mit Joint eingeschlafen ist, liegt in den ersten Nächten oft lange wach. Am nächsten Tag schläfst du mittags, und abends geht es von vorn los. Melatonin kann helfen, diesen Rhythmus wieder geradezurücken.
Die Wirkung ist kleiner, als viele denken. In einer Auswertung von 19 Studien bei Menschen mit Schlafstörungen schliefen die Teilnehmer mit Melatonin im Schnitt etwa 7 Minuten schneller ein und etwa 8 Minuten länger. Es ist ein kleiner Schubs in den Schlaf, kein Ersatz für die Wirkung von THC.
Wenn du es testen willst, gibt es Melatonin frei zu kaufen. Nimm es nicht zusammen mit Alkohol, und sprich bei Medikamenten oder längerer Einnahme mit deinem Arzt. Mehr dazu liest du unter Melatonin beim Cannabis-Entzug.
Baldrian, Hopfen, Passionsblume und Lavendel können manchen beim Runterkommen helfen. Das ist kein Cannabis-Ersatz im Rausch-Sinn, aber es kann einen Abend weicher machen. Am meisten bringt so etwas, wenn es Teil eines festen Ablaufs wird. Der warme Tee um neun sagt deinem Körper irgendwann von allein, dass der Tag vorbei ist.
Bei Baldrian zeigen Studien, dass er den Schlaf vielleicht etwas verbessert, viele davon sind aber schlecht gemacht. Zu Lavendel gibt es Studien zu Stress und Angst, speziell im Cannabis-Entzug aber nur wenige. Mehr zu Baldrian findest du unter Mit Baldrian durch die Nacht.
Wenn du Lavendel als Hilfsmittel prüfen willst, findest du hier mehr: Lavendel im Cannabis-Entzug.
Die folgende Übersicht zeigt, was die Forschung zu den einzelnen Mitteln bisher sagt. Bewegung steht zum Vergleich mit drin.
Was die Alternativen können und was belegt ist
| Alternative | Wofür sie gedacht ist | Was belegt ist |
|---|---|---|
| CBD | Unruhe, weniger Lust aufs Kiffen | Eine kleine Studie: weniger Konsum, aber mit viel höheren Mengen als im Öl aus dem Laden |
| Magnesium | Anspannung im Körper | Im Cannabis-Entzug kaum untersucht |
| Melatonin | Einschlafen | Bei Schlafstörungen im Schnitt etwa 7 Minuten schneller eingeschlafen |
| Baldrian | Schlaf | Vielleicht etwas besserer Schlaf, viele Studien schwach |
| Lavendel | Unruhe, Stress | Studien zu Stress und Angst, im Cannabis-Entzug kaum untersucht |
| Bewegung | Druck abbauen, gutes Gefühl | Kleine Studie mit 12 Kiffern: weniger Lust und weniger Konsum |
Ein Mittel aus der Dose allein trägt dich selten durch die ersten Wochen. Am besten funktionieren diese Mittel zusammen mit Dingen, die ganz ohne Stoff auskommen.
Die folgenden drei Punkte kosten nichts und kommen ganz ohne Kapsel aus. Am Anfang fühlen sie sich nur weniger nach Lösung an als eine Kapsel.
Sport klingt wie der nervigste Tipp der Welt, wenn du gerade Suchtdruck hast. Trotzdem ist Bewegung eine der stärksten Alternativen, die du hast. Sie nimmt Druck aus dem Körper, und danach fühlst du dich besser, ohne dass du etwas genommen hast.
Eine kleine Studie aus den USA hat das bei 12 Dauerkiffern getestet, die gar nicht aufhören wollten. Sie liefen zwei Wochen lang zehnmal je 30 Minuten auf dem Laufband. Danach war die Lust aufs Kiffen geringer, und statt knapp 6 Joints am Tag rauchten sie in dieser Zeit knapp 3.
Du musst dafür kein Trainingsmensch werden. Ein schneller Spaziergang, eine Runde Fahrrad, Liegestütze im Wohnzimmer oder Schwimmen reichen für den Anfang. Wichtig ist, dass du es wiederholst. Nach ein paar Wochen merkt dein Körper: Ein gutes Gefühl geht auch ohne Joint. Mehr dazu steht unter Sport im Cannabis-Entzug.
Wenn abends der Druck im Brustkorb sitzt, hilft langsames Atmen oft schneller als jedes Mittel. Atme ruhig ein und deutlich länger wieder aus, ein paar Minuten lang. Box Breathing oder eine geführte Übung aus einer App gehen genauso.
Eine Übersichtsarbeit hat Studien zu sehr langsamem Atmen ausgewertet, also weniger als zehn Atemzügen pro Minute. Die Menschen fühlten sich danach entspannter und weniger ängstlich. Untersucht wurden gesunde Menschen, nicht Kiffer im Entzug. Für einen unruhigen Abend reicht das trotzdem als guter Grund, es auszuprobieren.
Bei intensiven Methoden wie Wim-Hof solltest du vorsichtig sein. Mach solche Übungen im Sitzen oder Liegen, nie im Wasser, nie beim Autofahren und nicht, wenn dir dabei schwindlig wird. Das Ziel ist nicht, dich wegzuknallen. Das Ziel ist, wieder Kontrolle über deinen Zustand zu bekommen.
Viele vermissen am Anfang das Ritual stärker als den Wirkstoff. Drehen, rausgehen, anzünden, Musik an, Sofa, Essen. Dein Gehirn kennt diese Abfolge. Wenn du sie einfach nur wegnimmst, entsteht abends ein Loch.
Bau dir deshalb einen neuen Abend. Dusche, Tee, Spaziergang, Essen vorbereiten, Licht runter, Handy weg und die Serie erst nach einer kleinen Aufgabe. Es klingt simpel, aber genau solche Wiederholungen geben deinem Kopf Halt.
Und wenn ein Abend trotzdem leer bleibt, ist das noch kein Notfall. Du musst nicht jede freie Minute sofort mit irgendwelchen Reizen füllen, nur damit die Lücke nicht spürbar wird. Stille am Abend darf auch einfach mal Stille bleiben.
Ideen für den Alltag, also Hobbys, Sport und Dinge, die die Zeit füllen, findest du gesammelt unter 10 Möglichkeiten, das Kiffen zu ersetzen.

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Wenn der Joint wegfällt, greifen viele unbemerkt zu etwas anderem. In einer australischen Studie mit 45 Kiffern, die zwei Wochen pausierten, tranken die Teilnehmer in dieser Zeit im Schnitt etwa 8 Standardgläser Alkohol mehr pro Woche und rauchten 14 Zigaretten mehr.
Alkohol ist ein schlechter Tausch. Er dämpft zwar, bringt aber ein hohes eigenes Risiko mit und macht Schlaf, Stimmung und Kontrolle schlechter. Besonders vorsichtig solltest du sein, wenn du schon einmal Probleme mit Alkohol hattest. In einer anderen Studie tranken genau diese Kiffer in einer Kiffpause von knapp zwei Wochen rund die Hälfte mehr als vorher.
Dazu kommt, dass Alkohol den Traumschlaf unterdrückt, also die Phase, in der das Gehirn vermutlich auch Gefühle und Anspannung vom Tag verarbeitet. Du schläfst damit vielleicht schneller ein, wachst aber eher gerädert auf, und die Anspannung ist schon beim Aufstehen wieder da. An so einem Tag fällt es schwerer, Impulsen zu widerstehen, und das spürst du spätestens am nächsten Abend.
Mehr Nikotin ist ebenfalls keine gute Lösung. Viele hängen an der Bewegung, am Drehen und am Ritual. Wenn du dann einfach mehr rauchst, bleibt ein Teil des alten Musters bestehen.
Beruhigend wirkt das Nikotin dabei allerdings nur auf den ersten Blick. Es treibt den Puls nach oben und macht den Körper eher wacher als ruhiger. Das Ritual sagt deinem Kopf also Feierabend, während der Stoff gleichzeitig Unruhe in einen Körper bringt, der in dieser Zeit ohnehin schon gereizt ist.
Der Tausch, bei dem das Loch bleibt
Die gute Nachricht steckt in derselben australischen Studie. Bei den wenigen, die auch einen Monat später noch nicht wieder kifften, waren Alkohol und Zigaretten nicht deutlich gestiegen. Der Griff zum Ersatz ist also oft ein Zeichen der ersten Wochen und kein Dauerzustand.
Synthetische Cannabinoide, Kräutermischungen, Spice, K2 oder sogenannte Legal Highs sind keine sinnvolle Alternative. Ihre Wirkung kann um ein Vielfaches stärker sein als die von THC, schwere Nebenwirkungen sind häufiger, und Psychosen kommen öfter vor als bei Gras. Du weißt nie, was und wie viel davon wirklich drin ist.
Auch Lebermoos, psychoaktive Pilze oder andere Experimente sind keine saubere Lösung für den Cannabis-Entzug. Du brauchst jetzt Stabilität, keinen neuen Umweg.
Eine Alternative, die genau wie Kiffen wirkt, gibt es nicht. Es gibt aber kleine Hilfen für einzelne Dinge. CBD oder Lavendel helfen manchen bei Unruhe, Melatonin beim Rhythmus und Bewegung beim guten Gefühl. Gegen das Loch am Abend hilft ein neuer Ablauf.
Je genauer du weißt, wofür du gekifft hast, desto besser findest du den passenden Ersatz. Die ersten Abende fühlen sich damit noch nicht gut an, aber sie werden mit jeder Woche normaler.
Wenn du dabei nicht allein sortieren willst, begleitet dich unser Online-Programm durch die ersten Wochen, vom letzten Joint bis zu dem Punkt, an dem der neue Abend sich wie dein eigener anfühlt.
Eine sichere legale Alternative mit demselben Rausch gibt es nicht. Du kannst aber einzelne Wirkungen ersetzen: Entspannung, Schlaf, weniger Unruhe, ein gutes Gefühl nach dem Tag und einen festen Ablauf für den Abend.
CBD kann eine milde Unterstützung sein, vor allem bei Unruhe. Es macht nicht high. Die Studienlage ist dünn, und CBD kann mit Medikamenten zusammenwirken. Nutze es als Brücke, während du neue Abläufe aufbaust, und frag bei Medikamenten vorher in der Apotheke.
Das ist bei vielen üblich, aber niemand kann dir aus der Ferne sagen, ob es für dich passt. Wenn du Medikamente nimmst, schwanger bist oder eine Erkrankung hast, sprich vorher mit deinem Arzt oder in der Apotheke. Fang mit einem Mittel an, dann merkst du auch, was davon wirklich hilft.
Bewegung, kaltes Wasser im Gesicht, rausgehen, jemanden anrufen, etwas essen oder trinken und Abstand zu deinen Auslösern. Suchtdruck wird stärker, wenn du im Kopf mit ihm diskutierst.
Synthetische Cannabinoide und Legal Highs sind besonders riskant, weil sie viel stärker wirken können als Gras und öfter Psychosen auslösen. Auch Alkohol als Ersatz ist gefährlich, weil daraus schnell ein neues Problem entstehen kann.

Über den Autor
Ben C. · Texter im AZK-Team
Ben C. hat sechs Jahre konsumiert. Er hat in einer Entzugsklinik gearbeitet und dort auch seinen eigenen Entzug gemacht. Dadurch kennt er Cannabis-Entzug aus eigener Erfahrung und aus dem Klinikalltag.
Mehr über das AZK-Team →
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