Depression nach dem Kiffen aufhören: Das steckt dahinter

Warum nach dem Kiffen Leere kommt

Depression nach dem Kiffen aufhören trifft viele härter als erwartet. Man denkt: Wenn ich aufhöre, müsste doch alles besser werden. Mehr Energie, mehr Klarheit, mehr Leben. Und dann kommt stattdessen Leere.

Vielleicht fühlt sich nichts richtig gut an. Vielleicht hast du keine Lust auf Menschen, keine Freude an Dingen und keinen Antrieb. Dann entsteht schnell der Gedanke: War Cannabis vielleicht doch das Einzige, das mich normal fühlen ließ?

Genau an dieser Stelle musst du vorsichtig sein. Denn ein Stimmungstief im Entzug kann sehr real sein, ohne dass es dein endgültiger Zustand ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Stimmungstief nach dem Aufhören ist häufig. Depressive Stimmung steht im DSM-5, dem Diagnosehandbuch der amerikanischen Psychiatrie, sogar als eines der Zeichen für einen Cannabis-Entzug.
  • Der Entzug beginnt meist ein bis zwei Tage nach dem letzten Joint. Bei vielen sackt die Stimmung erst etwas später ab, oft in der Resilienz-Phase von Tag 5 bis Woche 3 oder 4.
  • Ein Entzugstief kommt in Wellen und wird über die Wochen leichter. Ist deine Stimmung zwei Wochen oder länger durchgehend gedrückt, lass das ärztlich abklären.
  • Hast du Gedanken, dir etwas anzutun, ruf die 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111. Sie ist Tag und Nacht kostenlos erreichbar.

Warum nach dem Aufhören ein Tief kommen kann

Cannabis hat bei vielen jahrelang den Abend leichter gemacht. Langeweile wurde weicher, Stress erträglicher, der Kopf ruhiger. Dein Gehirn hat gelernt, dass Erleichterung schnell von außen kommt.

Wer lange regelmäßig kifft, hat weniger von den Andockstellen, an denen THC im Gehirn wirkt. In einer Studie mit Menschen, die jeden Tag gekifft hatten, waren diese Andockstellen nach etwa 30 Tagen ohne Cannabis wieder auf dem Stand von Nichtkiffern. Bis dahin fehlt etwas: Das THC ist weg, und die Andockstellen sind noch nicht zurück.

Deshalb fühlen sich normale Dinge am Anfang oft flach an. Dein Lieblingsessen schmeckt, aber es freut dich nicht richtig. Der Abend mit Freunden ist okay, mehr nicht. Die Dinge sind nicht wertlos geworden, dein Kopf muss die leiseren Signale erst wieder hören. Warum viele dann zu 5-HTP greifen und was es wirklich kann, steht in 5-HTP beim Cannabis-Entzug.

Dazu kommt der Schlaf. Schlechte Nächte gehören zu den häufigsten Entzugszeichen und können mehrere Wochen anhalten. Wer schlecht schläft, sieht alles grauer, obwohl sich im Hintergrund schon etwas erholt.

Du bildest dir das Tief also nicht ein. Das DSM-5 nennt depressive Stimmung ausdrücklich als Entzugszeichen, neben Gereiztheit, Angst, Schlafproblemen und wenig Appetit. Eine gute Übersicht dazu hat drugcom.

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Wie sich das Tief anfühlt

Mit „depressiv“ meinen viele im Entzug zwei verschiedene Dinge: eine Welle, die kommt und geht, und eine Leere, die eher still ist. So zeigt sich das bei vielen:

  • Leere und Antriebslosigkeit in den ersten Wochen
  • weniger Freude an Dingen, die früher Spaß gemacht haben
  • stärkeres Grübeln am Abend oder nach schlechtem Schlaf
  • Traurigkeit, die in Wellen kommt
  • Gedanken wie: Ohne Cannabis bin ich nicht ich selbst

Die Welle

Sie kommt oft ohne konkreten Anlass. Eigentlich ist alles in Ordnung, und trotzdem liegt diese Schwere auf dir. Ein paar schlechte Stunden oder Tage, dann wird es wieder etwas besser.

Typisch ist der Sonntagnachmittag ohne Plan, an dem früher der Joint gekommen wäre. Genau dann ist der Gedanke ans Kiffen am lautesten. Ein paar Züge würden die Schwere sofort dämpfen. Sie würden aber auch die Umstellung zurückwerfen, die gerade erst begonnen hat.

Die Leere

Bei manchen bleibt danach eine Zeit, in der nichts richtig traurig ist, aber auch nichts richtig Freude macht. Ein Film, ein Treffen, gutes Wetter: Alles kommt an, nur schwächer als erwartet.

Fachleute nennen das Anhedonie. Dein Belohnungssystem stellt sich gerade neu ein. Bei den meisten wird es über die Wochen spürbar besser, nach sehr langem, starkem Konsum kann es auch ein paar Monate dauern.

Wann das Tief am stärksten ist

Der Entzug beginnt meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Joint. Die meisten Beschwerden sind zwischen Tag 2 und Tag 6 am stärksten. Die Stimmung kommt dabei oft später als der schlechte Schlaf.

Laut einer Übersichtsarbeit setzen seelische Beschwerden im Schnitt später ein als körperliche und halten auch länger an. So sieht das im Verlauf unserer drei Phasen aus:

Wann das Stimmungstief am stärksten ist

  1. Reset: Tag 1 bis 5Der Entzug beginnt meist nach 24 bis 48 Stunden. Schlaf, Appetit und Unruhe melden sich zuerst, bei vielen sackt die Stimmung erst gegen Ende dieser Tage ab.
  2. Resilienz: Tag 5 bis Woche 3 oder 4Für viele ist das die schwerste Zeit für die Stimmung. Der Körper wird ruhiger, dafür kommen Traurigkeit, Leere und Grübeln direkter durch.
  3. Fokus: bis Woche 7Die Wellen werden flacher und seltener. Freude kommt langsam zurück, vieles fühlt sich aber noch gedämpft an. Der Schlaf braucht bei vielen bis etwa hier.
  4. DanachNach langem, starkem Konsum zieht sich die Umstellung bis etwa 3 Monate, auch beim Schlaf.

Diese Zeiten sind Durchschnittswerte. Wer jahrelang jeden Abend mehrere Joints geraucht hat, braucht oft länger als jemand, der nur am Wochenende gekifft hat. Für den größeren Verlauf hilft dir dieser Überblick: So laufen die 3 Phasen des Cannabis-Entzugs ab.

Warum Rückzug das Tief oft stärker macht

Wenn du dich schlecht fühlst, willst du dich verstecken. Das ist menschlich. Kompletter Rückzug macht das Tief aber oft tiefer. Du sitzt allein mit deinem Kopf, schläfst schlechter und erlebst kaum etwas, das dir guttut.

Wie Rückzug und Tief sich hochschaukeln

Du fühlst dich leer und hast keinen Antrieb
→
Du sagst ab und bleibst allein zu Hause
↑
↓
Am nächsten Morgen fehlt dir noch mehr Kraft
←
Abends grübelst du und schläfst schlecht

Depressive Gedanken bauen gern absolute Sätze: Es wird nie besser. Ich habe alles kaputtgemacht. Ich bin zu spät dran. Diese Sätze fühlen sich wahr an, sie kommen aber aus einem erschöpften Kopf.

Du musst nicht jeden Tag unter Leute. Ein kurzer Spaziergang, ein ehrliches Gespräch oder eine erledigte Kleinigkeit reichen oft schon, um den Kreis zu unterbrechen. Dein Kopf merkt dann: Ich kann noch etwas bewegen.

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Was dir im Tief hilft

Am Anfang geht es nicht darum, glücklich zu sein. Es geht um Stabilität. In den ersten Wochen zählt Wiederholung mehr als Perfektion.

Jeden Tag zur gleichen Zeit aufstehen

Ein fester Morgen gibt deinem Tag ein Gerüst, auch nach einer schlechten Nacht. Leg dich tagsüber nicht lange hin, sonst wird die nächste Nacht wieder kurz.

Das fühlt sich anfangs streng an. Nach ein paar Tagen merken viele, dass ihr Körper sich an diesem festen Punkt festhalten kann.

Raus ins Tageslicht und bewegen

Geh morgens raus, auch wenn du keine Lust hast. Zehn Minuten um den Block zählen schon.

Plane etwa 20 Minuten leichte Bewegung fest ein, statt auf Lust zu warten. Die ersten Minuten sind zäh, danach geht es vielen etwas besser. In Studien hing Bewegung im Entzug auch mit weniger Suchtdruck zusammen.

Regelmäßig essen

Der Appetit ist in den ersten Tagen oft schwach. Kleine Mahlzeiten reichen: ein Brot, ein Joghurt, eine Banane.

Viele merken, dass sie abends dünnhäutiger sind, wenn sie den ganzen Tag kaum etwas gegessen haben. Ein voller Kühlschrank nimmt dir eine Sorge ab.

Mit einem Menschen ehrlich reden

Sag einer Person, wie es dir gerade wirklich geht. Ein Satz reicht: Ich höre gerade auf und hänge ziemlich durch.

Du brauchst keinen Rat von ihr. Es hilft schon, dass das Tief nicht mehr nur in deinem Kopf stattfindet.

Abends drei Dinge aufschreiben

Schreib vor dem Schlafen drei Dinge auf, die du trotz Tief geschafft hast. Duschen, einkaufen, eine Nachricht beantworten: Das zählt alles.

Nach einer Woche hast du schwarz auf weiß, dass sich etwas bewegt, auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Keinen neuen Ersatz suchen

Alkohol und lange Abende vor dem Bildschirm fühlen sich nach Erholung an. Deinem Kopf bringen sie aber kaum neue Erfahrungen, die ihm zeigen, dass es wieder aufwärtsgeht. Viele merken außerdem, dass Alkohol als Ersatz die Nächte schlechter macht.

Ein Joint zwischendurch würde die Schwere kurz dämpfen. Er verlängert aber genau die Zeit, aus der du rauswillst.

Wenn dir gleichzeitig Energie fehlt, lies auch Keine Energie nach dem Kiffen aufhören. Einen Plan für die ersten Wochen findest du im Cannabis-Entzug Guide und in Kiffen aufhören Schritt für Schritt.

Wann das Tief mehr ist als Entzug

Nicht jedes Tief ist nur Entzug. Manche hatten schon vor dem Aufhören depressive Phasen, und Cannabis hat sie zugedeckt. Andere rutschen durch Schlafmangel, Stress und Rückzug in ein Tief, das nicht mehr von allein weggeht. Der Unterschied zeigt sich weniger an einem einzelnen Tag als im Verlauf.

Stimmungstief im Entzug oder Hinweis auf Depression

FrageStimmungstief im EntzugHinweise auf Depression
Wie langeKommt in Wellen, mit besseren Stunden dazwischenGedrückte Stimmung durchgehend, zwei Wochen oder länger
FreudeSchwächer als sonst, kleine Dinge kommen noch anInteresse an fast allem verloren, auch an Menschen, die dir wichtig sind
Über die WochenWird mit besserem Schlaf langsam leichterBleibt gleich oder wird schlimmer
Blick auf dichZweifel, ob du es ohne Gras schaffstSchuld, Wertlosigkeit und das Gefühl, dass es nie besser wird

Die rechte Spalte folgt den Kriterien, die die Deutsche Depressionshilfe beschreibt. Eine Depression wird festgestellt, wenn über zwei Wochen oder länger mindestens fünf Anzeichen da sind, eins davon gedrückte Stimmung oder verlorenes Interesse.

Schlafprobleme, wenig Appetit und innere Unruhe zählen auch zu diesen Anzeichen, gehören aber genauso zum Entzug. Deshalb zählt der Verlauf mehr als ein schlechter Tag.

Passt die rechte Spalte auf dich, warte nicht ab. Sprich mit deiner Hausarztpraxis, einer Psychotherapeutin oder einer Suchtberatungsstelle. Beim kostenlosen Info-Telefon Depression unter 0800 33 44 533 erfährst du zu festen Sprechzeiten, wo du Hilfe findest.

Hattest du schon vor dem Aufhören depressive Phasen, organisiere dir die Begleitung gleich zu Beginn. Das gilt auch bei starker Angst, wenn du Stimmen hörst oder wenn Alkohol, Beruhigungsmittel oder andere Drogen im Spiel sind. Das ist kein Scheitern. Es ist Unterstützung an der richtigen Stelle.

Wann du sofort Hilfe brauchst

Hast du Gedanken, dir etwas anzutun, ruf sofort die 112 oder geh in die nächste Notaufnahme. Hol eine vertraute Person dazu: Ruf sie an oder geh zu jemandem in die Nähe.

Reden kannst du Tag und Nacht, anonym und kostenlos, mit der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Du musst dafür nicht erst am Ende sein.

Fazit

Ein Tief nach dem Aufhören heißt nicht, dass dein Leben ohne Cannabis schlechter ist. Meist sortieren sich gerade dein Belohnungssystem, dein Schlaf und deine Gefühle neu. Nimm das Tief ernst, aber glaub ihm nicht jeden Satz.

Halt deinen Alltag stabil, bleib nicht allein damit und hol dir Hilfe, wenn die Stimmung über Wochen unten bleibt. Wenn du die ersten Wochen nicht allein durchstehen willst, begleitet dich unser Online-Programm Schritt für Schritt vom letzten Joint bis in den neuen Alltag.

Häufige Fragen

Ist ein Tief nach dem Kiffen aufhören normal?

Ja, das ist häufig. Depressive Stimmung zählt im DSM-5 zu den Zeichen eines Cannabis-Entzugs. Sie hängt oft mit schlechtem Schlaf und der Umstellung im Belohnungssystem zusammen.

Wie lange dauert das Stimmungstief?

Bei vielen ist es in der Resilienz-Phase am stärksten, also von Tag 5 bis Woche 3 oder 4. Danach werden die Wellen flacher. Nach langem, starkem Konsum kann die Leere bis etwa 3 Monate dauern. Ist die Stimmung zwei Wochen oder länger durchgehend gedrückt, lass das abklären.

Wie unterscheide ich ein Entzugstief von einer Depression?

Das zeigt sich am Verlauf. Ein Entzugstief kommt in Wellen und wird mit besserem Schlaf leichter. Hinweise auf eine Depression sind gedrückte Stimmung oder verlorenes Interesse, die zwei Wochen oder länger durchgehend bleiben, dazu Hoffnungslosigkeit oder Schuldgefühle.

Hat Cannabis meine Depression verursacht?

Das lässt sich pauschal schwer sagen. Cannabis kann Stimmung beeinflussen, depressive Symptome verstärken oder eine vorhandene Depression überdecken. Eine fachliche Abklärung hilft, diese Dinge auseinanderzuhalten.

Sollte ich Antidepressiva nehmen?

Das ist eine ärztliche Entscheidung. Wenn eine Depression vorliegt, kann Behandlung sinnvoll sein. Nimm Medikamente in dieser Phase nur nach ärztlicher Abklärung, besonders wenn weitere Substanzen oder Schlafmittel im Spiel sind.

Kann ich zwischendurch kiffen, um die Stimmung zu stabilisieren?

Kurzfristig würde es die Schwere dämpfen. Langfristig verlängert es genau die Phase, aus der du rauswillst, und macht den nächsten Anlauf schwerer. Wenn es nicht auszuhalten ist, ist professionelle Hilfe der bessere Weg.

Wann brauche ich sofort Hilfe?

Sofort Hilfe brauchst du, wenn du daran denkst, dir etwas anzutun, oder dich völlig hoffnungslos fühlst. Ruf dann die 112. Reden kannst du Tag und Nacht mit der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.

Jan G., High-Performance- und Motivationscoach

Über den Autor

Jan G. · High-Performance- und Motivationscoach

Jan G. ist High-Performance- und Motivationscoach. Er arbeitet für viele bekannte Leute und weiß, wie sich Leistungsfähigkeit und Motivation verbessern lassen. Sein Schwerpunkt liegt auf allem Mentalen.

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