
Wann ist der Cannabis-Entzug am stärksten: und wie du es überlebst
ist ein Thema, bei dem viele erst anfangen zu suchen, wenn es schon unangenehm geworden ist. Vielleicht bist du gerade mitten im Konsum, mitten im Entzug...
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Depression nach dem Kiffen aufhören trifft viele härter als erwartet. Man denkt: Wenn ich aufhöre, müsste doch alles besser werden. Mehr Energie, mehr Klarheit, mehr Leben. Und dann kommt stattdessen Leere.
Vielleicht fühlt sich nichts richtig gut an. Vielleicht hast du keine Lust auf Menschen, keine Freude an Dingen und keinen Antrieb. Dann entsteht schnell der Gedanke: War Cannabis vielleicht doch das Einzige, das mich normal fühlen ließ?
Genau an dieser Stelle musst du vorsichtig sein. Denn ein Stimmungstief im Entzug kann sehr real sein, ohne dass es dein endgültiger Zustand ist.
Das Wichtigste in Kürze
Cannabis hat bei vielen jahrelang den Abend leichter gemacht. Langeweile wurde weicher, Stress erträglicher, der Kopf ruhiger. Dein Gehirn hat gelernt, dass Erleichterung schnell von außen kommt.
Wer lange regelmäßig kifft, hat weniger von den Andockstellen, an denen THC im Gehirn wirkt. In einer Studie mit Menschen, die jeden Tag gekifft hatten, waren diese Andockstellen nach etwa 30 Tagen ohne Cannabis wieder auf dem Stand von Nichtkiffern. Bis dahin fehlt etwas: Das THC ist weg, und die Andockstellen sind noch nicht zurück.
Deshalb fühlen sich normale Dinge am Anfang oft flach an. Dein Lieblingsessen schmeckt, aber es freut dich nicht richtig. Der Abend mit Freunden ist okay, mehr nicht. Die Dinge sind nicht wertlos geworden, dein Kopf muss die leiseren Signale erst wieder hören. Warum viele dann zu 5-HTP greifen und was es wirklich kann, steht in 5-HTP beim Cannabis-Entzug.
Dazu kommt der Schlaf. Schlechte Nächte gehören zu den häufigsten Entzugszeichen und können mehrere Wochen anhalten. Wer schlecht schläft, sieht alles grauer, obwohl sich im Hintergrund schon etwas erholt.
Du bildest dir das Tief also nicht ein. Das DSM-5 nennt depressive Stimmung ausdrücklich als Entzugszeichen, neben Gereiztheit, Angst, Schlafproblemen und wenig Appetit. Eine gute Übersicht dazu hat drugcom.
Mit „depressiv“ meinen viele im Entzug zwei verschiedene Dinge: eine Welle, die kommt und geht, und eine Leere, die eher still ist. So zeigt sich das bei vielen:
Sie kommt oft ohne konkreten Anlass. Eigentlich ist alles in Ordnung, und trotzdem liegt diese Schwere auf dir. Ein paar schlechte Stunden oder Tage, dann wird es wieder etwas besser.
Typisch ist der Sonntagnachmittag ohne Plan, an dem früher der Joint gekommen wäre. Genau dann ist der Gedanke ans Kiffen am lautesten. Ein paar Züge würden die Schwere sofort dämpfen. Sie würden aber auch die Umstellung zurückwerfen, die gerade erst begonnen hat.
Bei manchen bleibt danach eine Zeit, in der nichts richtig traurig ist, aber auch nichts richtig Freude macht. Ein Film, ein Treffen, gutes Wetter: Alles kommt an, nur schwächer als erwartet.
Fachleute nennen das Anhedonie. Dein Belohnungssystem stellt sich gerade neu ein. Bei den meisten wird es über die Wochen spürbar besser, nach sehr langem, starkem Konsum kann es auch ein paar Monate dauern.
Der Entzug beginnt meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Joint. Die meisten Beschwerden sind zwischen Tag 2 und Tag 6 am stärksten. Die Stimmung kommt dabei oft später als der schlechte Schlaf.
Laut einer Übersichtsarbeit setzen seelische Beschwerden im Schnitt später ein als körperliche und halten auch länger an. So sieht das im Verlauf unserer drei Phasen aus:
Wann das Stimmungstief am stärksten ist
Diese Zeiten sind Durchschnittswerte. Wer jahrelang jeden Abend mehrere Joints geraucht hat, braucht oft länger als jemand, der nur am Wochenende gekifft hat. Für den größeren Verlauf hilft dir dieser Überblick: So laufen die 3 Phasen des Cannabis-Entzugs ab.
Wenn du dich schlecht fühlst, willst du dich verstecken. Das ist menschlich. Kompletter Rückzug macht das Tief aber oft tiefer. Du sitzt allein mit deinem Kopf, schläfst schlechter und erlebst kaum etwas, das dir guttut.
Wie Rückzug und Tief sich hochschaukeln
Depressive Gedanken bauen gern absolute Sätze: Es wird nie besser. Ich habe alles kaputtgemacht. Ich bin zu spät dran. Diese Sätze fühlen sich wahr an, sie kommen aber aus einem erschöpften Kopf.
Du musst nicht jeden Tag unter Leute. Ein kurzer Spaziergang, ein ehrliches Gespräch oder eine erledigte Kleinigkeit reichen oft schon, um den Kreis zu unterbrechen. Dein Kopf merkt dann: Ich kann noch etwas bewegen.

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Am Anfang geht es nicht darum, glücklich zu sein. Es geht um Stabilität. In den ersten Wochen zählt Wiederholung mehr als Perfektion.
Ein fester Morgen gibt deinem Tag ein Gerüst, auch nach einer schlechten Nacht. Leg dich tagsüber nicht lange hin, sonst wird die nächste Nacht wieder kurz.
Das fühlt sich anfangs streng an. Nach ein paar Tagen merken viele, dass ihr Körper sich an diesem festen Punkt festhalten kann.
Geh morgens raus, auch wenn du keine Lust hast. Zehn Minuten um den Block zählen schon.
Plane etwa 20 Minuten leichte Bewegung fest ein, statt auf Lust zu warten. Die ersten Minuten sind zäh, danach geht es vielen etwas besser. In Studien hing Bewegung im Entzug auch mit weniger Suchtdruck zusammen.
Der Appetit ist in den ersten Tagen oft schwach. Kleine Mahlzeiten reichen: ein Brot, ein Joghurt, eine Banane.
Viele merken, dass sie abends dünnhäutiger sind, wenn sie den ganzen Tag kaum etwas gegessen haben. Ein voller Kühlschrank nimmt dir eine Sorge ab.
Sag einer Person, wie es dir gerade wirklich geht. Ein Satz reicht: Ich höre gerade auf und hänge ziemlich durch.
Du brauchst keinen Rat von ihr. Es hilft schon, dass das Tief nicht mehr nur in deinem Kopf stattfindet.
Schreib vor dem Schlafen drei Dinge auf, die du trotz Tief geschafft hast. Duschen, einkaufen, eine Nachricht beantworten: Das zählt alles.
Nach einer Woche hast du schwarz auf weiß, dass sich etwas bewegt, auch wenn es sich nicht so anfühlt.
Alkohol und lange Abende vor dem Bildschirm fühlen sich nach Erholung an. Deinem Kopf bringen sie aber kaum neue Erfahrungen, die ihm zeigen, dass es wieder aufwärtsgeht. Viele merken außerdem, dass Alkohol als Ersatz die Nächte schlechter macht.
Ein Joint zwischendurch würde die Schwere kurz dämpfen. Er verlängert aber genau die Zeit, aus der du rauswillst.
Wenn dir gleichzeitig Energie fehlt, lies auch Keine Energie nach dem Kiffen aufhören. Einen Plan für die ersten Wochen findest du im Cannabis-Entzug Guide und in Kiffen aufhören Schritt für Schritt.
Nicht jedes Tief ist nur Entzug. Manche hatten schon vor dem Aufhören depressive Phasen, und Cannabis hat sie zugedeckt. Andere rutschen durch Schlafmangel, Stress und Rückzug in ein Tief, das nicht mehr von allein weggeht. Der Unterschied zeigt sich weniger an einem einzelnen Tag als im Verlauf.
Stimmungstief im Entzug oder Hinweis auf Depression
| Frage | Stimmungstief im Entzug | Hinweise auf Depression |
|---|---|---|
| Wie lange | Kommt in Wellen, mit besseren Stunden dazwischen | Gedrückte Stimmung durchgehend, zwei Wochen oder länger |
| Freude | Schwächer als sonst, kleine Dinge kommen noch an | Interesse an fast allem verloren, auch an Menschen, die dir wichtig sind |
| Über die Wochen | Wird mit besserem Schlaf langsam leichter | Bleibt gleich oder wird schlimmer |
| Blick auf dich | Zweifel, ob du es ohne Gras schaffst | Schuld, Wertlosigkeit und das Gefühl, dass es nie besser wird |
Die rechte Spalte folgt den Kriterien, die die Deutsche Depressionshilfe beschreibt. Eine Depression wird festgestellt, wenn über zwei Wochen oder länger mindestens fünf Anzeichen da sind, eins davon gedrückte Stimmung oder verlorenes Interesse.
Schlafprobleme, wenig Appetit und innere Unruhe zählen auch zu diesen Anzeichen, gehören aber genauso zum Entzug. Deshalb zählt der Verlauf mehr als ein schlechter Tag.
Passt die rechte Spalte auf dich, warte nicht ab. Sprich mit deiner Hausarztpraxis, einer Psychotherapeutin oder einer Suchtberatungsstelle. Beim kostenlosen Info-Telefon Depression unter 0800 33 44 533 erfährst du zu festen Sprechzeiten, wo du Hilfe findest.
Hattest du schon vor dem Aufhören depressive Phasen, organisiere dir die Begleitung gleich zu Beginn. Das gilt auch bei starker Angst, wenn du Stimmen hörst oder wenn Alkohol, Beruhigungsmittel oder andere Drogen im Spiel sind. Das ist kein Scheitern. Es ist Unterstützung an der richtigen Stelle.
Hast du Gedanken, dir etwas anzutun, ruf sofort die 112 oder geh in die nächste Notaufnahme. Hol eine vertraute Person dazu: Ruf sie an oder geh zu jemandem in die Nähe.
Reden kannst du Tag und Nacht, anonym und kostenlos, mit der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Du musst dafür nicht erst am Ende sein.
Ein Tief nach dem Aufhören heißt nicht, dass dein Leben ohne Cannabis schlechter ist. Meist sortieren sich gerade dein Belohnungssystem, dein Schlaf und deine Gefühle neu. Nimm das Tief ernst, aber glaub ihm nicht jeden Satz.
Halt deinen Alltag stabil, bleib nicht allein damit und hol dir Hilfe, wenn die Stimmung über Wochen unten bleibt. Wenn du die ersten Wochen nicht allein durchstehen willst, begleitet dich unser Online-Programm Schritt für Schritt vom letzten Joint bis in den neuen Alltag.
Ja, das ist häufig. Depressive Stimmung zählt im DSM-5 zu den Zeichen eines Cannabis-Entzugs. Sie hängt oft mit schlechtem Schlaf und der Umstellung im Belohnungssystem zusammen.
Bei vielen ist es in der Resilienz-Phase am stärksten, also von Tag 5 bis Woche 3 oder 4. Danach werden die Wellen flacher. Nach langem, starkem Konsum kann die Leere bis etwa 3 Monate dauern. Ist die Stimmung zwei Wochen oder länger durchgehend gedrückt, lass das abklären.
Das zeigt sich am Verlauf. Ein Entzugstief kommt in Wellen und wird mit besserem Schlaf leichter. Hinweise auf eine Depression sind gedrückte Stimmung oder verlorenes Interesse, die zwei Wochen oder länger durchgehend bleiben, dazu Hoffnungslosigkeit oder Schuldgefühle.
Das lässt sich pauschal schwer sagen. Cannabis kann Stimmung beeinflussen, depressive Symptome verstärken oder eine vorhandene Depression überdecken. Eine fachliche Abklärung hilft, diese Dinge auseinanderzuhalten.
Das ist eine ärztliche Entscheidung. Wenn eine Depression vorliegt, kann Behandlung sinnvoll sein. Nimm Medikamente in dieser Phase nur nach ärztlicher Abklärung, besonders wenn weitere Substanzen oder Schlafmittel im Spiel sind.
Kurzfristig würde es die Schwere dämpfen. Langfristig verlängert es genau die Phase, aus der du rauswillst, und macht den nächsten Anlauf schwerer. Wenn es nicht auszuhalten ist, ist professionelle Hilfe der bessere Weg.
Sofort Hilfe brauchst du, wenn du daran denkst, dir etwas anzutun, oder dich völlig hoffnungslos fühlst. Ruf dann die 112. Reden kannst du Tag und Nacht mit der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.

Über den Autor
Jan G. · High-Performance- und Motivationscoach
Jan G. ist High-Performance- und Motivationscoach. Er arbeitet für viele bekannte Leute und weiß, wie sich Leistungsfähigkeit und Motivation verbessern lassen. Sein Schwerpunkt liegt auf allem Mentalen.
Mehr über das AZK-Team →
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