Cannabis-Entzug: Der vollständige Guide für einen erfolgreichen Start

Cannabis-Entzug Guide

Du hast dich entschieden, mit dem Kiffen aufzuhören, und suchst jetzt nach einer ehrlichen Anleitung, statt der zwölften Liste mit „10 Motivations-Tipps“. Was du wirklich brauchst, ist ein Cannabis-Entzug Guide, der dich nicht behandelt wie jemanden, der noch zur Vernunft gebracht werden muss. Sondern wie jemand, der schon weiß was Sache ist und nur noch Klarheit braucht, wie er es konkret durchzieht.

Dieser Artikel ist diese Anleitung. Keine Beruhigungspille, keine Schreckens-Geschichten. Sondern in der Reihenfolge, in der du es brauchst: Vorbereitung, erste Tage, mittlere Phase, was zwischendurch schiefgeht, und wann professionelle Hilfe wirklich nötig ist.

Das Ziel ist nicht, dass du nach diesem Artikel jeden Trick kennst. Ziel ist, dass du in der nächsten kritischen Situation weißt, was zu tun ist, ohne zu suchen, ohne zu googlen, ohne zu zögern.

Dein Weg durch den Entzug auf einen Blick

  1. 1Die Vorbereitung
  2. 2Die ersten drei Tage
  3. 3Der Rest der ersten Woche
  4. 4Die Resilienz-Phase
  5. 5Die Fokus-Phase
  6. 6Die Zeit danach
Tipp auf eine Etappe, dann springst du direkt hin.

Warum du einen Plan brauchst und nicht nur Willenskraft

Im Entzug bist du müde, gereizt und hast schlecht geschlafen. Genau dann sollst du abends die wichtigste Entscheidung des Tages treffen. Das geht oft schief.

Dein Kopf weiß außerdem genau, was die Unruhe in ein paar Minuten wegmachen würde. Eine große Übersichtsarbeit sieht in dieser schnellen Erleichterung den Grund, warum Entzugsbeschwerden so leicht zu einem Rückfall führen. Deshalb legst du vorher fest, was du in schweren Momenten machst, solange du noch klar denkst.

Hier findest du den ganzen Weg in sechs Etappen, jeweils kurz zusammengefasst. Zu jeder Etappe gibt es einen eigenen Artikel, der genauer darauf eingeht. Lies am besten immer den, der zu deinem Tag passt.

Dein Weg durch den Entzug in sechs Etappen

Der Entzug beginnt meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Joint. Am stärksten sind die Beschwerden bei vielen zwischen Tag 2 und Tag 6. Danach ändert sich vor allem, womit du zu kämpfen hast.

1. Die Vorbereitung

Der Tag, an dem du aufhörst, ist nicht der Tag, an dem du anfängst. Die Arbeit beginnt ein paar Tage vorher: ein festes Startdatum, kein Gras mehr in der Wohnung, ein Mensch, der Bescheid weiß, und ein Plan für die ersten Abende.

Was du vorher klärst, musst du in der schweren Stunde nicht mehr entscheiden. Wer spontan aufhört, sitzt am zweiten Abend um 21 Uhr da und weiß nicht, was er statt des Joints machen soll. Alle Schritte findest du in Vorbereitung auf den Cannabis-Entzug. Hast du jahrelang jeden Tag gekifft, lies auch Jeden Tag gekifft und jetzt aufhören.

2. Die ersten drei Tage

Jetzt merkt dein Körper, dass kein THC mehr kommt. Du schläfst schlecht, bist unruhig, hast kaum Hunger und schwitzt vielleicht nachts. Ab etwa Tag 3 werden bei vielen auch die Träume heftiger.

Für viele ist Tag 3 der härteste. In diesen Tagen zählt dein Plan mehr als dein Wille. Du musst nichts leisten außer essen, trinken, rausgehen und den Abend so durchziehen, wie du ihn geplant hast. Was Tag für Tag passiert, steht in Die ersten 3 Tage im Cannabis-Entzug.

So verteilen sich die Etappen auf unsere drei Phasen:

Die Phasen des Cannabis-Entzugs

  1. Reset: Tag 1 bis 5Der Entzug beginnt meist nach 24 bis 48 Stunden. Schlechter Schlaf, Unruhe, Schwitzen und wenig Appetit sind jetzt am deutlichsten.
  2. Resilienz: Tag 5 bis Woche 3 oder 4Der Körper wird ruhiger. Dafür kommen Gereiztheit, Angst und Stimmungstiefs, und die Gedanken an einen Rückfall werden lauter.
  3. Fokus: bis Woche 7Der Kopf wird klarer, der Suchtdruck kommt seltener. Der Schlaf braucht bei vielen ungefähr bis hier.
  4. DanachNach langem, starkem Konsum dauert die Umstellung bis etwa 3 Monate, vor allem beim Schlaf.

3. Der Rest der ersten Woche

An Tag 4 ist der Körper noch laut, aber du kennst die Beschwerden inzwischen. Um Tag 5 endet die Reset-Phase. Ab Tag 6 oder 7 kommt bei vielen der Appetit zurück.

Gleichzeitig wird die Stimmung wackliger, und dein Kopf fängt an zu verhandeln: Das Schlimmste ist doch vorbei, einer schadet jetzt nicht. Diese Ausreden kommen genau dann, wenn es körperlich besser wird. Mehr dazu in Die erste Woche ohne Cannabis.

4. Die Resilienz-Phase

Von Tag 5 bis Woche 3 oder 4 wird der Körper ruhiger. Dafür kommen die Gefühle zurück, die das Kiffen lange gedämpft hat: Ärger, Unruhe, Traurigkeit, manchmal Angst. Nach unserer Erfahrung ist die Rückfallgefahr in dieser Phase am höchsten, nicht in den ersten Tagen.

Der Drang kommt jetzt in Wellen, oft abends und an den gewohnten Orten. Nach unserer Erfahrung ebbt so eine Welle meist nach etwa 20 Minuten ab, wenn du ihr nicht nachgibst. Bei Angst hilft dir Angst beim Kiffen aufhören, bei einem Tief Depression nach dem Kiffen aufhören.

5. Die Fokus-Phase

Bis etwa Woche 7 wird dein Kopf klarer. Du kannst wieder länger bei einer Sache bleiben, und der Suchtdruck kommt seltener. Bei vielen braucht der Schlaf ungefähr so lange, bis er wieder verlässlich ist.

Manches fühlt sich trotzdem noch flach an, und die Energie ist nicht jeden Tag gleich. Das gehört noch zur Umstellung und geht vorbei. Warum du dich noch so platt fühlen kannst, steht in Keine Energie nach dem Kiffen aufhören.

6. Die Zeit danach

Nach langem, starkem Konsum dauert die Umstellung bis etwa 3 Monate. Der Schlaf ist oft das Letzte, was sich wieder ganz normal anfühlt.

Der alte Reflex meldet sich später vor allem bei großem Stress und mit Leuten, die noch kiffen. Leg vorher fest, was du dann machst, nicht erst mittendrin. Den ganzen Verlauf mit allen Phasen erklären wir in Wie lange dauert der Cannabis-Entzug?

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Welche Beschwerde wann kommt

Nicht jeder bekommt alle Beschwerden, und nicht jeder gleich stark. Die Tabelle zeigt, wann sie meistens auftauchen und wo wir sie genauer erklären.

Beschwerden im Entzug und wann sie kommen

BeschwerdeWann meistensMehr dazu
Schlechter SchlafAb Tag 1 oder 2, bei vielen bis etwa Woche 7Schlafstörungen
Unruhe und NervositätAb Tag 1 oder 2, am stärksten bis etwa Tag 6Nervosität
SchwitzenAb Tag 1 oder 2, nach 3 bis 4 Wochen meist vorbeiSchwitzen
Wenig AppetitReset-Phase, der Hunger kommt ab Tag 6 oder 7Appetitlosigkeit
Heftige TräumeAb Tag 3 bis 5Albträume
Gereiztheit und WutReset und ResilienzAggressionen
AngstReset und ResilienzAngst
Stimmungstief und LeereResilienz und FokusDepression

Auch Kopfschmerzen und Bauchschmerzen kommen vor. Alle Beschwerden und ihre Dauer findest du in Die 12 häufigsten Entzugserscheinungen durch Cannabis.

Was zwischendurch schiefgeht

Schlechter Schlaf. Wenn du müde bist, entscheidest du schlechter, und genau dann wirkt ein Joint wie die einfachste Lösung. Fachleute vermuten, dass Schlafprobleme von allen Beschwerden am stärksten mit einem Rückfall zusammenhängen. Was nachts hilft, steht in Schlafstörungen im Dauerkiffer-Entzug.

Alkohol als Ersatz. Niemand plant das, es schleicht sich ein. Wenn aus dem Feierabend-Joint das Feierabend-Bier wird, hast du das Problem nur verlagert. Nach ein paar Gläsern hält dein Entschluss außerdem viel weniger aus.

Der Ausrutscher, der zur ganzen Woche wird. Ein Joint macht die bisherigen Tage nicht wertlos. Gefährlich wird erst der Gedanke, dass jetzt eh alles egal ist. Wichtig ist, dass du am selben Tag wieder einsteigst. Mehr dazu in Rückfall beim Kiffen aufhören.

Die alte Runde. Wenn deine Freunde kiffen, ist jeder Abend mit ihnen in den ersten Wochen ein Test. Manche Treffen pausierst du besser eine Weile. Das ist keine Absage an deine Freunde, du schützt damit deinen Anfang.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Die meisten schaffen den Entzug zu Hause, eine Klinik ist selten nötig. Wie das gut klappt, steht in Cannabis-Entzug zu Hause.

Hol dir Begleitung, wenn du zusätzlich Alkohol oder andere Drogen nimmst, eine psychische Erkrankung hast oder es schon mehrmals allein nicht geklappt hat. Der erste Schritt ist ein Termin bei deiner Hausarztpraxis oder einer der Beratungsstellen für Cannabiskonsumenten. Wann eine Klinik passt, liest du in Cannabis-Entzug in der Klinik.

Hast du Gedanken, dir etwas anzutun, ruf die 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.

Was am Ende zählt

Ein Entzug klappt nicht, weil du besonders motiviert bist. Er klappt, weil du vorher festgelegt hast, was du in den schweren Momenten tust: am ersten Abend, bei den ersten Wellen und dann, wenn die Gefühle zurückkommen. Und wenn du stolperst, steigst du am selben Tag wieder ein.

Wenn du diesen Weg nicht allein gehen willst, begleitet dich unser Online-Programm durch Reset, Resilienz und Fokus.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der gesamte Entzug?

Am stärksten sind die Beschwerden zwischen Tag 2 und Tag 6. Nach 3 bis 4 Wochen ist der Entzug bei den meisten weitgehend überstanden. Schlaf und Stimmung brauchen bei vielen bis etwa Woche 7, nach langem, starkem Konsum bis etwa 3 Monate.

Wann beginnt der Entzug nach dem letzten Joint?

Meist nach 24 bis 48 Stunden. Die ersten Zeichen sind oft Unruhe, schlechter Schlaf und wenig Appetit.

Soll ich reduzieren oder sofort aufhören?

Beides kann klappen. Ob langsames Reduzieren die Beschwerden mildert, ist kaum untersucht. Viele kommen mit einem klaren Schnitt besser zurecht, weil das tägliche Verhandeln aufhört. Wenn du reduzierst, leg vorher ein festes Enddatum fest.

Was, wenn ich nach drei Tagen zurückfalle?

Die Tage davor sind nicht verloren. Wichtig ist, ob du am selben Tag wieder einsteigst oder erst nach einer Woche, weil es eh egal scheint. Schau dir an, in welcher Situation es passiert ist, und plan genau diese Situation neu.

Gibt es Medikamente, die den Entzug erleichtern?

Ein Medikament, das speziell für den Cannabis-Entzug zugelassen ist, gibt es nicht. Ärzte können einzelne Beschwerden wie schwere Schlafprobleme für kurze Zeit behandeln. Den Plan für die schweren Momente ersetzt das nicht.

Brauche ich für den Entzug eine Klinik?

Meistens nicht, die meisten hören zu Hause auf. Ärztliche Begleitung oder eine Klinik ist sinnvoll, wenn Alkohol oder andere Drogen im Spiel sind, die Psyche gerade nicht stabil ist oder es allein schon mehrmals nicht geklappt hat.

Melli I., Texterin im AZK-Team

Über den Autor

Melli I. · Texterin im AZK-Team

Melli I. hat mit dreizehn angefangen zu kiffen und ist heute achtundzwanzig. Seit drei Jahren ist sie clean. Sie kennt den frühen Einstieg und den Abstand nach dem Ausstieg aus eigener Erfahrung.

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