Magnesium im Cannabis-Entzug: Der unterschätzte Helfer

Magnesium-Kapseln neben einem Glas Wasser auf der Küchentheke

Wenn du nachts wach liegst und dein Körper einfach nicht zur Ruhe kommt, landest du schnell bei Magnesium. Es ist günstig, gut verträglich und kann dir das Einschlafen und die Anspannung im Entzug etwas leichter machen. Ein Wundermittel ist es nicht, und wie viel es bringt, hängt auch davon ab, welche Form und welche Menge du nimmst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Magnesium hilft Nerven und Muskeln beim Runterfahren. Zum Cannabis-Entzug selbst gibt es keine Studien, zu Schlaf und Anspannung nur wenige und eher schwache.
  • Am ehesten kann es dir das Einschlafen etwas leichter machen und die Anspannung senken. Gegen den Drang zu kiffen hilft es nicht.
  • Das BfR rät, über Präparate höchstens 250 mg am Tag zu nehmen, verteilt auf mindestens zwei Portionen. Den Rest holst du dir übers Essen.
  • Bei Nierenproblemen, Antibiotika, Schilddrüsentabletten oder anderen Medikamenten frag vorher deine Ärztin oder die Apotheke.

Warum Magnesium im Entzug überhaupt ein Thema ist

Die ersten Nächte ohne Joint kennst du vielleicht: Du liegst wach, die Beine sind unruhig, der Kiefer ist fest, und um drei Uhr schläfst du immer noch nicht. Dein Körper hat jahrelang mit THC runtergefahren. Jetzt muss er das wieder allein lernen.

Schlechter Schlaf, Reizbarkeit und innere Unruhe gehören zu den häufigsten Beschwerden im Cannabis-Entzug. Sie beginnen meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Joint, sind zwischen Tag 2 und 6 am stärksten und lassen bei vielen nach etwa vier Wochen nach. Alle Beschwerden im Überblick findest du in die 12 häufigsten Entzugserscheinungen durch Cannabis.

Magnesium ist im Körper genau daran beteiligt, dass Nerven und Muskeln wieder zur Ruhe kommen. Deshalb greifen im Entzug so viele dazu. Eins solltest du aber gleich wissen: Mit Menschen im Cannabis-Entzug wurde Magnesium bisher nie getestet.

Was Magnesium in deinem Körper macht

Magnesium steckt in fast jeder Zelle. Im Gehirn wirkt es wie eine Bremse: Es dämpft bestimmte Andockstellen (NMDA-Rezeptoren), über die sich Nervenzellen gegenseitig hochschaukeln. In den Muskeln sorgt es mit dafür, dass sie sich nach dem Anspannen wieder entspannen.

Fehlt Magnesium, reagieren Nerven und Muskeln schneller. Ein echter Mangel ist bei gesunden Menschen mit normalem Essen laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) aber eher selten. Eher betroffen sind Menschen, die regelmäßig viel Alkohol trinken, oft Durchfall haben oder Entwässerungstabletten nehmen.

Magnesium füllt also eher eine Lücke, als dass es zusätzlich beruhigt. Wer gut versorgt ist, merkt von einer Extraportion oft wenig. Wer knapp dran ist, spürt eher einen Unterschied.

Was die Studien zu Schlaf und Anspannung sagen

Zum Schlaf gibt es eine Auswertung von drei kleinen Studien mit zusammen 151 älteren Menschen, die schlecht schliefen. Mit Magnesium schliefen sie im Schnitt etwa 17 Minuten schneller ein als mit einem Scheinmittel. Die gesamte Schlafdauer änderte sich nicht deutlich, und die Forscher stufen die Qualität der Studien als niedrig ein.

Bei Angst und Stress sieht es ähnlich aus. Eine Übersicht über 18 Studien fand Hinweise, dass Magnesium Menschen hilft, die ohnehin zu Angst neigen. Die Studien sind aber schwach, und keine davon hat Menschen im Cannabis-Entzug untersucht.

Ehrlich zusammengefasst: Magnesium kann das Einschlafen etwas leichter machen und die Anspannung etwas senken. Es ist günstig und für die meisten gut verträglich, deshalb lohnt sich ein Versuch. Wunder solltest du nicht erwarten.

Warum schon ein bisschen besserer Schlaf zählt, zeigt der Kreis, in dem viele in den ersten Wochen festhängen.

Wie schlechter Schlaf zum Joint führt

Du schläfst schlecht ein und wachst nachts auf
→
Am Tag bist du gereizt und angespannt
↑
↓
Du greifst zum Joint, und der Entzug fängt von vorn an
←
Abends ist der Kopf voll und der Drang groß

Jede Nacht, in der du ein bisschen besser schläfst, nimmt diesem Kreis Kraft. Was beim Einschlafen sonst noch hilft, steht in Ohne Cannabis schlafen.

Welche Form du nehmen solltest

Im Regal stehen Oxid, Citrat, Bisglycinat, Threonat und Brausetabletten. Auf der Packung steht immer, wie viel reines Magnesium eine Portion enthält, und genau diese Zahl zählt. Die Form entscheidet vor allem darüber, wie gut dein Körper es aufnimmt und wie dein Bauch darauf reagiert.

In einer Vergleichsstudie hat der Körper Magnesiumcitrat besser aufgenommen als Magnesiumoxid. Bisglycinat wird oft als magenfreundlich beschrieben, gute Vergleichsstudien dazu fehlen aber noch.

Magnesium-Formen im Vergleich

FormWas dabei auffälltWas die Studien sagen
Oxidsteckt in vielen günstigen Präparatenwurde schlechter aufgenommen als Citrat
Citratkann den Stuhl weicher machenwurde in derselben Studie besser aufgenommen
Bisglycinatgilt als gut verträglich für den Magenkaum direkte Vergleichsstudien
Threonatdeutlich teurerbisher wenige Studien am Menschen

Brausetabletten sind praktisch, enthalten aber oft Zucker oder Süßstoff. Am einfachsten ist ein Präparat mit Citrat oder Bisglycinat, bei dem die Tagesportion unter 250 mg bleibt.

Unser Tipp: Wenn du dich nicht durch Etiketten lesen willst, nimm einen vernünftigen Magnesium-Komplex. Schau trotzdem kurz auf die Packung, wie viel reines Magnesium eine Portion enthält.

Wie viel und wann

Die DGE schätzt den Bedarf für Erwachsene auf 300 mg am Tag bei Frauen und 350 mg bei Männern. Den größten Teil davon holst du dir übers Essen: Nüsse, Kürbiskerne, Haferflocken, Vollkornbrot, Hülsenfrüchte und grünes Gemüse.

Über Präparate rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu höchstens 250 mg am Tag, verteilt auf mindestens zwei Portionen. Mehr bringt nicht mehr Ruhe, sondern eher Durchfall. Laut DGE kann der schon ab 300 mg aus Präparaten auftreten.

Praktisch heißt das: eine kleine Portion am Tag und eine am Abend. Viele nehmen die Abendportion etwa eine Stunde vor dem Schlafen, dann gehört sie fest zum Runterkommen. Belege für eine bestimmte Uhrzeit gibt es nicht, halte dich an die Packungsangabe.

Merkst du nach zwei bis drei Wochen gar nichts, bringt mehr Magnesium meistens auch nichts. Dann setzt du beim Schlaf besser an anderer Stelle an, zum Beispiel mit Bewegung am Tag. Wie das im Entzug geht, steht in Sport im Cannabis-Entzug.

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Wann du vorsichtig sein musst

In normaler Menge ist Magnesium für gesunde Menschen unproblematisch. Bei kranken Nieren ist das anders: Dann scheidet der Körper das Zuviel nicht richtig aus, und es kann zu Übelkeit und Herzrhythmusstörungen kommen. Wenn deine Nieren nicht gesund sind, nimm Magnesium nur nach Rücksprache mit deiner Ärztin.

Magnesium bremst außerdem die Aufnahme mancher Medikamente. Dazu gehören bestimmte Antibiotika (Tetrazykline, Ciprofloxacin, Norfloxacin) sowie Eisen- und Fluoridtabletten. Die Verbraucherzentrale nennt dafür drei bis vier Stunden Abstand. Auch bei Schilddrüsentabletten sollte Zeit dazwischen liegen.

Nimmst du regelmäßig Medikamente, bist du schwanger oder stillst du, frag vorher in der Apotheke oder bei deiner Ärztin. Das dauert zwei Minuten und erspart dir Ärger.

Womit du Magnesium gut kombinierst

Magnesium ist ein Baustein, kein Plan. Am meisten bringt es zusammen mit dem, was dein Körper ohnehin braucht: Bewegung am Tag, Licht am Morgen, wenig Kaffee nach dem Mittag und ein Abend, an dem das Handy nicht mit ins Bett kommt.

Kommt der Schlaf trotzdem nicht, kannst du weitere Mittel einzeln ausprobieren. Baldrian ist pflanzlich und braucht ein paar Tage, mehr dazu in mit Baldrian durch die Nacht. Zu Fischöl gibt es einen eigenen Beitrag: Omega-3 im Cannabis-Entzug.

Probier nicht alles gleichzeitig, sonst weißt du am Ende nicht, was geholfen hat. Und Alkohol am Abend ist kein Ersatz: Wer regelmäßig trinkt, hat laut DGE eher zu wenig Magnesium, und du tauschst nur das eine Mittel gegen das andere.

Was Magnesium im Entzug wirklich leisten kann

Magnesium nimmt dir den Entzug nicht ab. Es kann die Nächte etwas ruhiger und die Anspannung etwas kleiner machen, und das ist in den ersten Wochen schon viel wert. Den Drang am Abend und die Gefühle, die in der Resilienz-Phase hochkommen, löst keine Tablette.

Dass Magnesium THC schneller aus dem Körper holt, ist übrigens nicht belegt. Es macht die Wochen ohne Joint vielleicht etwas leichter, aber nicht kürzer.

Hilfsmittel wie Magnesium ersetzen keinen Plan für die schweren Abende. Den bekommst du in unserem Online-Programm, das dich Schritt für Schritt durch den Entzug begleitet.

Häufige Fragen

Wie schnell wirkt Magnesium im Cannabis-Entzug?

Manche merken beim Einschlafen nach ein paar Tagen einen Unterschied, andere gar keinen. Die Studien zum Schlaf liefen über mehrere Wochen. Gib Magnesium zwei bis drei Wochen, bevor du entscheidest, ob es dir hilft.

Kann ich Magnesium überdosieren?

Mit Präparaten über 300 mg am Tag bekommen viele Durchfall, deshalb rät das BfR zu höchstens 250 mg verteilt auf zwei Portionen. Mit gesunden Nieren ist eine echte Vergiftung über Tabletten sehr selten. Bei Nierenproblemen nimm Magnesium nur nach Rücksprache mit deiner Ärztin.

Welche Magnesium-Form ist im Entzug die beste?

Citrat wird in einer Vergleichsstudie besser aufgenommen als Oxid, kann aber den Stuhl weicher machen. Bisglycinat gilt als magenfreundlich. Wichtiger als die Form ist, dass du die Tagesmenge einhältst und es regelmäßig nimmst.

Wie lange soll ich Magnesium nehmen?

Eine feste Regel gibt es nicht. Viele nehmen es durch die ersten Wochen, in denen der Schlaf am meisten leidet. Danach reicht bei gesundem Essen meist die Nahrung, und auch eine längere Einnahme ist in der Menge, die das BfR empfiehlt, nach heutigem Wissen unbedenklich.

Kann Magnesium eine Schlaftablette ersetzen?

Nein, dafür ist die Wirkung zu klein. In den Studien schliefen ältere Menschen mit Schlafproblemen mit Magnesium im Schnitt etwa 17 Minuten schneller ein. Dafür macht es nicht abhängig und hinterlässt am Morgen keinen Kater.

Hilft Magnesium gegen den Drang zu kiffen?

Dafür gibt es keinen Beleg. Magnesium kann dir helfen, etwas ruhiger zu schlafen, und damit indirekt die Abende leichter machen. Den Drang selbst musst du mit anderen Mitteln abfangen, zum Beispiel mit einem festen Plan für die kritischen Stunden.

Sabrina S., Gesundheitscoach

Über den Autor

Sabrina S. · Gesundheitscoach

Sabrina S. ist Gesundheitscoach und wurde vom AZK-Team engagiert. Sie kennt sich mit Gesundheit aus und mit allem, was aktive Bewegung betrifft. Deshalb schreibt sie über Themen, bei denen Gesundheit und Bewegung zusammenkommen.

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