5-HTP beim Cannabis-Entzug: Wirkung und richtige Dosierung

Person im Halbdunkel mit warmem Licht im Hintergrund — Symbol fuer ruhige Stimmung beim Cannabis-Entzug

5-HTP wird in Foren gern als Stimmungshilfe für den Cannabis-Entzug empfohlen, meistens ohne den wichtigsten Hinweis: Zusammen mit Antidepressiva kann es gefährlich werden. Hier liest du, was 5-HTP ist, was die Studien wirklich zeigen und wann du die Finger davon lassen solltest. Weitere Hilfen für die ersten Wochen findest du in 15 Tipps für den Cannabis-Entzug.

Das Wichtigste in Kürze

  • 5-HTP ist eine Vorstufe von Serotonin. Zum Cannabis-Entzug gibt es keine Studien, zu Stimmung und Schlaf nur wenige und schwache.
  • Nimmst du Antidepressiva wie SSRI, SNRI oder MAO-Hemmer, Triptane oder Tramadol, lass 5-HTP weg. Zusammen kann ein Serotonin-Syndrom entstehen, und das kann lebensgefährlich werden.
  • Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Herzklopfen und ausgerechnet Schlafprobleme.
  • Sprich vor der Einnahme mit deiner Ärztin oder der Apotheke, vor allem bei Medikamenten, Schwangerschaft, Stillzeit oder einer psychischen Erkrankung.

Was 5-HTP ist

5-HTP (5-Hydroxytryptophan) ist ein Zwischenschritt in deinem Stoffwechsel. Dein Körper bildet es aus Tryptophan, einem Eiweißbaustein aus dem Essen, und macht daraus Serotonin. Aus Serotonin entsteht später das Schlafhormon Melatonin.

Die Kapseln im Handel werden meist aus den Samen der afrikanischen Schwarzbohne (Griffonia simplicifolia) gewonnen. Sie werden als Nahrungsergänzung verkauft, nicht als Medikament. Das heißt: Niemand hat vor dem Verkauf geprüft, ob sie wirken, und Wechselwirkungen müssen nicht auf der Packung stehen.

Warum im Entzug so viele zu 5-HTP greifen

In der Resilienz-Phase, etwa ab Tag 5 bis Woche 3 oder 4, wird der Körper ruhiger. Dafür kommen die Gefühle hoch, die das Kiffen lange gedämpft hat. Viele fühlen sich leer, gereizt oder niedergeschlagen, und nachts kreisen die Gedanken.

Die Idee hinter 5-HTP klingt logisch: mehr Baustein, mehr Serotonin, bessere Stimmung. Ob das im Cannabis-Entzug so funktioniert, hat aber noch niemand untersucht. Es gibt dazu keine einzige Studie.

So sieht der Entzug bei den meisten aus, und hier liegt das Stimmungstief, gegen das viele etwas suchen.

Wann die Stimmung im Entzug wackelt

  1. Reset: Tag 1 bis 5Schlaf, Unruhe und Reizbarkeit setzen nach 24 bis 48 Stunden ein und sind ab Tag 2 am stärksten.
  2. Resilienz: Tag 5 bis Woche 3 oder 4Der Körper wird ruhiger, dafür kommen Leere, Gereiztheit und Niedergeschlagenheit hoch.
  3. Fokus: bis Woche 7Die Stimmung wird stabiler, der Antrieb kommt langsam zurück.
  4. DanachSchlaf und Stimmung pendeln sich bei den meisten ein.

Das Tief in der Resilienz-Phase ist normal und geht bei den meisten vorbei. Wie lange eine gedrückte Stimmung nach dem Aufhören dauern kann und wann sie Hilfe braucht, liest du in Wie lange ist man depressiv nach dem Cannabis-Entzug.

Was die Studien wirklich zeigen

Die Cochrane-Forscher haben 2002 nach Studien zu 5-HTP und Tryptophan bei Depression gesucht. Von 108 Studien waren nur zwei mit zusammen 64 Patienten gut genug für die Auswertung. Die Beschwerden wurden darin zwar besser als mit einem Scheinmittel, trotzdem lautet ihr Urteil: Die Daten reichen nicht, um Wirkung oder Sicherheit zu belegen.

Eine neuere Übersicht von 2020 kommt bei Depressionen teils auf deutliche Effekte. Die Studien darin waren aber methodisch schwach, und nur wenige hatten überhaupt eine Vergleichsgruppe mit Scheinmittel. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat Werbeaussagen zur Stimmung deshalb abgelehnt.

Beim Schlaf ist die Lage noch dünner. Laut Verbraucherzentrale gibt es keine ausreichenden Belege, dass 5-HTP beim Schlafen hilft.

5-HTP: Was die Studien sagen

Wofür 5-HTP genommen wirdWas die Studien sagen
Niedergeschlagenheit und Depressionwenige kleine Studien, teils positiv, methodisch schwach
Besser schlafenkeine ausreichenden Belege
Cannabis-Entzugnie untersucht
Zusammen mit AntidepressivaSerotonin-Syndrom möglich

Ehrlich gesagt ist 5-HTP damit ein Versuch mit unsicherem Ausgang. Für manche lohnt er sich vielleicht, aber nur, wenn die Sicherheitsfragen geklärt sind.

Antidepressiva und 5-HTP: das Serotonin-Syndrom

Das ist der wichtigste Teil dieses Beitrags. 5-HTP erhöht Serotonin. Viele Antidepressiva tun das auch, vor allem SSRI wie Citalopram, Escitalopram, Sertralin oder Fluoxetin, dazu SNRI wie Venlafaxin und MAO-Hemmer. Nimmst du beides zusammen, kann sich zu viel Serotonin im Körper ansammeln.

Dieses Zuviel heißt Serotonin-Syndrom. Typische Zeichen sind Unruhe, Verwirrtheit, Zittern, Muskelzucken, starkes Schwitzen, Herzrasen, Durchfall und Fieber. Sie beginnen meist innerhalb von 24 Stunden, nachdem ein weiteres Mittel dazugekommen ist, das auf Serotonin wirkt. In schweren Fällen ist das lebensbedrohlich. Bei solchen Zeichen ruf sofort den Notruf 112.

Auf Serotonin wirken auch Triptane gegen Migräne, das Schmerzmittel Tramadol, Johanniskraut, L-Tryptophan und Amphetamine wie Speed. Auch mit diesen Mitteln gehört 5-HTP nicht zusammen.

Wenn du ein Antidepressivum gerade absetzt: Manche wirken noch lange nach, bei Fluoxetin bis zu sechs Wochen. Ob und wann 5-HTP danach in Frage kommt, entscheidet deine Ärztin, nicht ein Forum.

Mit 5-HTP allein wurde ein Serotonin-Syndrom beim Menschen bisher nicht beschrieben. Das Risiko liegt in der Kombination. Nimm 5-HTP deshalb nie auf eigene Faust zusammen mit diesen Mitteln.

Wann du 5-HTP sonst weglassen solltest

In der Schwangerschaft und Stillzeit fehlen Daten zur Sicherheit, deshalb gehört 5-HTP dann nicht dazu. Dasselbe gilt, wenn du eine psychische Erkrankung hast, etwa eine Depression oder eine Angststörung. Die gehört in ärztliche Hände und nicht in eine Kapsel aus dem Internet.

Auch die Nebenwirkungen solltest du kennen. Die Verbraucherzentrale nennt Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Herzklopfen und Schlafprobleme. Gerade wenn du 5-HTP für bessere Nächte nimmst, achte darauf, ob es nicht genau das Gegenteil bewirkt.

Steht eine Operation an, sag vorher Bescheid, welche Nahrungsergänzung du nimmst. Das gilt für 5-HTP genauso wie für jedes andere Mittel.

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Wenn du es trotzdem ausprobieren willst

Sprich vorher mit deiner Ärztin oder in der Apotheke, besonders wenn du irgendein Medikament nimmst. Eine von Behörden geprüfte Höchstmenge gibt es für 5-HTP nicht. Halte dich deshalb an die Packungsangabe und lass die Menge von Ärztin oder Apotheke bestätigen.

Bestell nicht bei irgendeinem Anbieter außerhalb der EU. In der EU sind nur Bohnen-Extrakte mit höchstens 30 Prozent 5-HTP erlaubt, und 2024 gab es mehrere EU-Warnungen zu 5-HTP-Extrakten.

Unser Tipp: Wenn deine Ärztin nichts dagegen hat, nimm ein Präparat mit klarer Mengenangabe pro Kapsel, etwa dieses 5-HTP-Standardpräparat. Setz dir dafür ein festes Zeitfenster von zwei bis drei Wochen. Merkst du nichts oder geht es dir schlechter, setz es wieder ab.

Was oft mehr bringt als eine Kapsel

Gegen das Stimmungstief im Entzug helfen oft einfache Dinge zuverlässiger: Licht am Morgen, Bewegung und ein Tag mit fester Struktur. Wie du Bewegung im Entzug angehst, steht in Sport im Cannabis-Entzug. Für ruhigere Nächte ist Magnesium im Cannabis-Entzug die harmlosere Wahl.

Wird die Stimmung nicht besser, gibt es auch Medikamente, deren Wirkung geprüft ist. Was im Entzug in Frage kommt, liest du in die besten Medikamente für den Cannabis-Entzug.

Bist du über zwei Wochen fast jeden Tag niedergeschlagen oder denkst du daran, dir etwas anzutun, hol dir sofort Hilfe. Die Telefonseelsorge erreichst du rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, im Notfall wählst du 112. Eine Anlaufstelle in deiner Nähe findest du bei den Beratungsstellen für Cannabiskonsumenten.

Was 5-HTP im Entzug leisten kann

5-HTP ist kein Mittel gegen den Entzug. Es kann vielleicht die Stimmung etwas stützen, belegt ist das aber nur schwach und für den Cannabis-Entzug gar nicht. Mit Antidepressiva und anderen Serotonin-Mitteln ist es ein echtes Risiko.

Hilfsmittel wie 5-HTP ersetzen keinen Plan für die schweren Wochen. Den bekommst du in unserem Online-Programm, das dich Schritt für Schritt durch den Entzug begleitet.

Häufige Fragen

Hilft 5-HTP gegen die Stimmungstiefs im Cannabis-Entzug?

Das weiß niemand genau, weil es dazu keine Studien gibt. Zu Depressionen gibt es einige kleine Studien mit teils positiven Ergebnissen, sie sind aber methodisch schwach. Wenn du es ausprobierst, dann nur nach Rücksprache mit deiner Ärztin und zeitlich begrenzt.

Darf ich 5-HTP zusammen mit Antidepressiva nehmen?

Nein, nicht auf eigene Faust. SSRI, SNRI, MAO-Hemmer und 5-HTP erhöhen alle Serotonin. Zusammen kann ein Serotonin-Syndrom entstehen, das in schweren Fällen lebensbedrohlich ist. Das gilt auch für Triptane, Tramadol, Johanniskraut und L-Tryptophan.

Woran erkenne ich ein Serotonin-Syndrom?

Typisch sind Unruhe, Verwirrtheit, Zittern, Muskelzucken, starkes Schwitzen, Herzrasen, Durchfall und Fieber. Die Zeichen kommen meist innerhalb von 24 Stunden nach einem neuen Mittel. Bei solchen Beschwerden ruf den Notruf 112.

Hilft 5-HTP beim Einschlafen?

Dafür gibt es laut Verbraucherzentrale keine ausreichenden Belege. Schlafprobleme stehen sogar unter den möglichen Nebenwirkungen. Für die Nächte im Entzug sind Magnesium oder ein fester Abendablauf die sicherere Wahl.

Welche Nebenwirkungen hat 5-HTP?

Genannt werden Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Schlafprobleme und Herzklopfen. Treten solche Beschwerden auf, setz 5-HTP ab und sprich mit deiner Ärztin oder der Apotheke.

Ist 5-HTP in Deutschland erlaubt?

Ja, als Nahrungsergänzung aus Bohnen-Extrakt mit höchstens 30 Prozent 5-HTP. Stärkere Extrakte sind in der EU nicht zugelassen. Wirkung und Sicherheit hat vor dem Verkauf keine Behörde geprüft, wie bei jeder Nahrungsergänzung.

Sabrina S., Gesundheitscoach

Über den Autor

Sabrina S. · Gesundheitscoach

Sabrina S. ist Gesundheitscoach und wurde vom AZK-Team engagiert. Sie kennt sich mit Gesundheit aus und mit allem, was aktive Bewegung betrifft. Deshalb schreibt sie über Themen, bei denen Gesundheit und Bewegung zusammenkommen.

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