
Jugendlicher kifft: So sprichst du es an ohne ihn zu verlieren
Du willst ihn schützen, aber nicht spießig wirken. So sprichst du das Kiffen an, ohne dass er dichtmacht oder sofort auf Abwehr geht.
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Ein Anruf aus der Schule, ein Gerücht unter Eltern oder ein Fund in der Schultasche: Wenn dein Kind in der Schule kifft, kommen erst Wut und Angst. Bevor du handelst, hilft es zu wissen, was das Gesetz sagt, was die Schule darf und wie du mit Lehrern und deinem Kind redest, ohne dass es eskaliert.
Das Wichtigste in Kürze
Wenn du hörst, dass dein Kind in der Schule kifft, kommen meistens zuerst Wut oder Angst. Das ist normal. Trotzdem lohnt es sich, nicht in der ersten Stunde zu entscheiden.
Bevor du etwas unternimmst, brauchst du ein klares Bild. Wie du davon erfahren hast, verändert, was als Nächstes sinnvoll ist.
Dann ist die Sache offiziell, und die Schule erwartet eine Reaktion von dir. Frag ruhig nach, was genau passiert ist: Wurde dein Kind beim Kiffen gesehen, hatte es etwas dabei oder gab es nur einen Hinweis?
Frag auch, ob eine Maßnahme geplant ist und ob es einen Termin gibt. Versprich noch nichts, bevor du mit deinem Kind gesprochen hast.
Vielleicht hat dein Kind etwas erzählt, oder du hast etwas in der Schultasche gefunden. Dann weiß die Schule unter Umständen gar nichts davon.
In diesem Fall musst du nicht sofort die Schule einschalten. Kläre zuerst zu Hause, was los ist. Anders ist es, wenn andere Kinder betroffen sind, etwa weil dein Kind auf dem Schulhof Cannabis weitergibt.
Gerüchte sind schwer einzuschätzen. Manchmal stimmt alles, manchmal ist es eine Verwechslung oder Gerede aus dem Klassenchat.
Sprich dein Kind offen darauf an und sag, woher du es hast. Wer ein Gerücht als Tatsache hinstellt, verliert schnell an Glaubwürdigkeit, wenn es nicht stimmt.
Seit April 2024 gilt in Deutschland das Konsumcannabisgesetz. Für Erwachsene ist seitdem einiges erlaubt, für Jugendliche hat sich wenig geändert. Unter 18 bleiben Kauf, Besitz und Anbau verboten.
Für die Schule gibt es eine eigene Regel: In Schulen und in deren Sichtweite darf niemand kiffen, auch kein Erwachsener. Das Gesetz sagt im Überblick:
Was das Gesetz für dein Kind regelt
| Situation | Was gilt |
|---|---|
| Kauf oder Besitz unter 18 | verboten, auch bei kleinen Mengen |
| Kiffen in der Schule oder in Sichtweite | für alle verboten, die Sichtweite endet 100 Meter vom Eingang |
| Dein Kind wird mit einer kleinen Menge erwischt | das Cannabis wird sichergestellt, die Polizei informiert die Eltern |
| Es gibt ernste Sorgen um das Wohl des Kindes | die Polizei informiert zusätzlich das Jugendamt |
| Weitergeben oder Verkaufen an Mitschüler | strafbar, auch für Jugendliche |
Für dein Kind heißt das: Mit einer kleinen Menge erwischt zu werden, ist keine Straftat. Eine Meldung an dich gibt es trotzdem, und das Cannabis ist weg.
Schaltet die Polizei das Jugendamt ein, soll es gemeinsam mit dir darauf hinwirken, dass dein Kind ein Frühinterventionsprogramm besucht. Das ist eine Hilfe und keine Strafe. Solche Kurse sollen Jugendlichen helfen, ihr Kiffen ehrlich anzuschauen und aufzuhören.
Welche Folgen das Kiffen an der Schule hat, regelt jedes Bundesland in seinem Schulgesetz. Die Schule kann erzieherische Maßnahmen und Ordnungsmaßnahmen verhängen.
In Bayern zum Beispiel reicht das vom schriftlichen Verweis über den Wechsel in eine Parallelklasse bis zum Ausschluss vom Unterricht. Vor dem Klassenwechsel und allem, was darüber hinausgeht, müssen dort die Eltern angehört werden.
Frag deshalb nach, was genau geplant ist, und nutze dein Recht auf ein Gespräch. Wie es in deinem Bundesland geregelt ist, kann dir die Schulleitung sagen.
Lehrer, Schulleitung und Schulsozialarbeit sind nicht deine Gegner. Viele haben solche Fälle schon erlebt und wollen, dass dein Kind seinen Abschluss schafft. Drei Dinge helfen im Gespräch.
Lass dir schildern, was die Schule beobachtet hat, auch schon vor dem Vorfall. Lehrern fallen Müdigkeit, Fehlzeiten oder schlechtere Noten oft früher auf als Eltern.
Schreib mit, was gesagt wird. Dann kannst du es später in Ruhe mit deinem Kind besprechen und musst dich nicht auf dein Gedächtnis verlassen.
Frag, ob es an der Schule eine Schulsozialarbeit, eine Vertrauenslehrerin oder eine Beratungslehrkraft gibt. Ein Erwachsener an der Schule, dem dein Kind vertraut, kann viel bewirken.
Manche Schulen arbeiten mit einer Suchtberatungsstelle in der Nähe zusammen. Frag, ob es so einen Kontakt gibt und wie man ihn erreicht.
Vereinbart, wie es weitergeht: Wer meldet sich bei wem, wenn wieder etwas auffällt? Gibt es einen Termin, an dem ihr gemeinsam schaut, wie es läuft?
Sag deinem Kind danach offen, was ihr besprochen habt. Sonst hat es schnell das Gefühl, dass hinter seinem Rücken über es entschieden wird.
Für das Gespräch zu Hause gilt: allein, ohne Zeitdruck und ohne Vorwurf zum Einstieg. Ein Satz wie „Die Schule hat angerufen. Ich will verstehen, wie es dir damit geht“ öffnet mehr als jede Anklage.
Verlange nicht alles auf einmal. „Nicht mehr in der Schule“ ist eine Absprache, die dein Kind einhalten kann. „Du hörst ab sofort auf“ wird dagegen oft einfach umgangen.
Wie du das Gespräch aufbaust und was du tust, wenn dein Kind alles abstreitet, steht ausführlich in Jugendlicher kifft: So sprichst du es an.
Manche Reaktionen sind verständlich, machen es aber meistens schlimmer:
Dein Kind braucht jetzt klare Regeln und gleichzeitig das Gefühl, dass du hinter ihm stehst. Beides schließt sich nicht aus.

Ratgeber für Eltern
Dein Kind kifft, und du kommst nicht mehr an es heran?
Unser kostenloser Ratgeber für Eltern zeigt dir, was im Kopf deines Kindes passiert, welche Sätze die Lage verschärfen und wie du ein Gespräch führst, das nicht im Streit endet. Trag deine E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihn dir kostenlos zu.
Will dein Kind aufhören, merkt man das auch in der Schule. Der Entzug beginnt meist ein bis zwei Tage nach dem letzten Joint und ist zwischen dem zweiten und sechsten Tag am stärksten. In dieser Zeit schlafen viele schlecht und sind gereizt.
Die Konzentration kann deshalb in den ersten Tagen erst schlechter werden, bevor sie besser wird. Steht eine wichtige Prüfung an, sprich das ruhig mit den Lehrern ab.
Was im Entzug deines Kindes passiert
Das Gehirn erholt sich schneller, als viele denken. In Hirnscans waren die Andockstellen für THC nach etwa vier Wochen ohne Cannabis weitgehend wieder auf normalem Stand. Eine Auswertung vieler Studien fand nach rund 25 Tagen Pause im Schnitt keine messbaren Nachteile beim Denken und Lernen mehr.
Wie die einzelnen Phasen genau verlaufen, steht in Cannabis-Entzug: Dauer, Phasen und Verlauf.
Manchmal reicht ein Gespräch zu Hause nicht mehr. Hol dir Unterstützung, wenn dein Kind täglich kifft, die Noten deutlich abrutschen, es andere Drogen nimmt oder sich zurückzieht und aggressiv wird.
Hört dein Kind Stimmen, fühlt es sich verfolgt oder hält es stur an Dingen fest, die nicht stimmen können, geh sofort mit ihm zum Arzt oder in die Notaufnahme. Das können Anzeichen einer Psychose sein, und die gehören in ärztliche Hände. Mehr dazu in Cannabis-Psychose: Anzeichen.
Der erste Schritt ist meist eine Suchtberatungsstelle. Sie berät auch dich allein, ohne dass dein Kind mitkommen muss. Eine Stelle in deiner Nähe findest du über die Beratungsstellen für Cannabiskonsumenten, anonym und kostenlos hilft auch das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550.
Ein einzelnes Gespräch löst selten etwas, das sich über Monate aufgebaut hat. Was hilft, ist Verlässlichkeit: Du bist da, du fragst nach und du hörst zu, ohne bei jeder Gelegenheit zu explodieren.
Rede mit deinem Kind nicht nur über Cannabis. Schule, Freunde, Pläne und Hobbys brauchen genauso Platz, sonst wird das Kiffen zum einzigen Thema zwischen euch.
Was du tun kannst, wenn dein Kind auch außerhalb der Schule kifft, liest du in Mein Kind kifft: Was Eltern jetzt tun können.
Und wenn dein Kind bereit ist aufzuhören und dabei Begleitung braucht, führt unser Online-Programm es Schritt für Schritt durch die ersten Wochen ohne Cannabis.
Nicht aus dem ersten Reflex heraus. Kläre zuerst zu Hause, was los ist. Anders sieht es aus, wenn dein Kind Cannabis an Mitschüler weitergibt oder verkauft, denn dann sind andere Kinder betroffen, und das ist auch für Jugendliche strafbar.
Die Entlassung von der Schule gehört zu den schwersten Maßnahmen. In Bayern steht davor zum Beispiel noch die Androhung der Entlassung. Wie es bei euch geregelt ist, steht im Schulgesetz deines Bundeslands.
Ein- oder zweimal auf einer Party ist bei Jugendlichen nicht ungewöhnlich. Kifft dein Kind mehrmals pro Woche oder schon vor und in der Schule, geht es nicht mehr ums Ausprobieren. Spätestens dann lohnt sich ein Termin bei einer Beratungsstelle.
Das ist bei Jugendlichen häufig, viele sehen das Kiffen als ihre Sache. Dräng dann nicht auf sofortiges Aufhören, sondern trefft Absprachen, die dein Kind einhalten kann, zum Beispiel nicht in der Schule und nicht unter der Woche. Bleib dran, auch wenn es Monate dauert.
Laut Bundesgesundheitsministerium brechen Jugendliche, die kiffen, öfter die Schule ab und machen seltener einen Studienabschluss. Das gilt besonders, wenn sie früh und viel kiffen. Mehr dazu in Kiffen in der Jugend: 8 Risiken.

Über den Autor
Jan B. · Emotionscoach
Jan B. arbeitet seit vielen Jahren als Emotionscoach. Er war selbst abhängig, nicht nur von Cannabis, sondern auch von Pornografie. Deshalb kennt er Abhängigkeit aus der eigenen Geschichte und aus seiner Arbeit mit Emotionen.
Mehr über das AZK-Team →
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