
Medizinisches Cannabis in Deutschland: Was du wissen musst
Seit 2017 verschreibbar, seit 2024 vieles anders. Was medizinisches Cannabis von Freizeitkonsum unterscheidet und für wen es infrage kommt.
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Wie lange dauert es, bis Cannabis wirkt, und wann ist es wieder vorbei? In Foren liest du dazu alles von 15 Minuten bis zum ganzen Tag, und meistens stimmt beides irgendwie.
Der Grund ist die Konsumform. Ein Joint und ein Keks wirken komplett unterschiedlich, und die Wirkung ist noch einmal etwas anderes als die Zeit, in der THC im Drogentest auftaucht.
Das Wichtigste in Kürze
Wenn du wissen willst, wie lange Cannabis wirkt, stecken eigentlich zwei Fragen darin. Wann geht es los? Und wann ist es wieder vorbei? Das Erste nennen Fachleute Onset, also den Wirkungseintritt.
Beides hängt vor allem davon ab, auf welchem Weg das THC in dein Blut kommt. Über die Lunge geht es schnell. Über den Magen dauert es, weil das THC erst durch die Leber muss.
Dazu kommen die Menge, der THC-Gehalt und wie sehr dein Körper an Cannabis gewöhnt ist. Wo THC im Körper überhaupt andockt, steht im Artikel Das Endocannabinoid-System einfach erklärt.
Eine große Übersichtsarbeit zur Wirkung von Cannabis hat die typischen Zeiten für Rauchen und Essen zusammengetragen. So sehen sie aus:
Wie lange Cannabis wirkt, je nach Konsumform
| Konsumform | Wirkungseintritt | Höhepunkt | Dauer |
|---|---|---|---|
| Geraucht oder verdampft | nach Sekunden bis wenigen Minuten | nach 15 bis 30 Minuten | lässt nach 2 bis 3 Stunden nach |
| Gegessen oder getrunken | nach 30 bis 90 Minuten | nach 2 bis 3 Stunden | etwa 4 bis 12 Stunden |
Das sind Durchschnittswerte. Bei dir können sie je nach Menge und Gewöhnung früher oder später liegen.
Beim Rauchen oder Verdampfen geht das THC über die Lunge direkt ins Blut. Messbar ist es dort schon nach dem ersten Zug, die höchsten Werte kommen nach wenigen Minuten. Deshalb merkst du einen Joint oder eine Bong fast sofort.
Am stärksten ist das High nach etwa 15 bis 30 Minuten. Danach lässt es langsam nach, und nach 2 bis 3 Stunden ist der größte Teil vorbei. Bei einer hohen Menge dauert es entsprechend länger.
Ob Joint, Bong oder Vaporizer, entscheidet vor allem darüber, wie viel THC du in kurzer Zeit aufnimmst. Das Grundmuster bleibt gleich: schnell rein und nach ein paar Stunden wieder runter.
Bei Keksen, Brownies, Fruchtgummis oder Öl zum Schlucken läuft es ganz anders. Das THC wird im Darm aufgenommen und geht zuerst durch die Leber. Dort wird ein Teil zu 11-Hydroxy-THC umgebaut, einem Abbauprodukt, das selbst berauscht.
Insgesamt kommt beim Essen nur ein kleiner Teil des THC im Blut an, geschätzt 6 bis 20 Prozent. Die Wirkung setzt erst nach 30 bis 90 Minuten ein und ist nach 2 bis 3 Stunden am stärksten. Dafür hält sie lange, je nach Menge 4 bis 12 Stunden.
Genau hier passiert der klassische Fehler. Nach einer halben Stunde merkst du nichts, also isst du noch ein Stück. Eine Stunde später wirkt beides gleichzeitig, und zurückdrehen kannst du dann nichts mehr.
Zu viel THC zeigt sich oft als Herzrasen, Angst oder Panik. Fettiges Essen kann außerdem dafür sorgen, dass mehr THC aufgenommen wird, weil es sich in Fett löst. Edibles sind also nicht milder als ein Joint, sie sind nur schwerer zu steuern.
Manche Öle und das Medikament Sativex werden über die Mundschleimhaut aufgenommen. So umgeht ein Teil des THC die Leber. Feste Zeiten wie beim Joint oder beim Keks gibt es dafür kaum, weil dieser Weg wenig untersucht ist. Cannabisblüten zahlt die gesetzliche Krankenkasse inzwischen nicht mehr, und was es bedeutet, dass Blüten keine Kassenleistung mehr sind, erklären wir ausführlich.
Wie schnell es wirkt, hängt davon ab, wie viel du wirklich unter der Zunge behältst und wie viel du am Ende doch schluckst. Diese Form spielt vor allem bei Cannabis auf Rezept eine Rolle, mehr dazu im Artikel Medizinisches Cannabis in Deutschland.
Zwei Leute rauchen denselben Joint, und der eine ist nach einer Stunde wieder klar, während der andere den ganzen Abend drauf ist. Das hat vor allem drei Gründe.
Wer regelmäßig kifft, merkt weniger. In einer großen Auswertung von Fahr- und Konzentrationstests waren regelmäßige Kiffer deutlich weniger eingeschränkt als Leute, die nur ab und zu kiffen.
Das heißt nicht, dass bei dir nichts mehr passiert. Dein Körper hat sich nur an mehr THC gewöhnt und braucht mehr für dasselbe Gefühl. Wie das entsteht, steht im Artikel Cannabis-Toleranz.
Je mehr THC du aufnimmst, desto stärker und länger wirkt es. Das gilt beim Rauchen genauso wie beim Essen. Die Spanne von 4 bis 12 Stunden bei Edibles kommt genau daher.
Dieselbe Menge Gras kann je nach Sorte sehr unterschiedlich viel THC enthalten. Wer die Sorte wechselt, weiß deshalb vorher nicht genau, wie lange er drauf sein wird.
In einer Studie mit verdampftem Cannabis hatten die Teilnehmer mehr THC im Blut, wenn sie vorher ein wenig Alkohol getrunken hatten. Alkohol und Kiffen zusammen verstärken sich also.
THC wird in der Leber von denselben Enzymen abgebaut, die auch viele Medikamente verarbeiten. Manche Medikamente können diesen Abbau deshalb verlangsamen oder beschleunigen. Wenn du regelmäßig Tabletten nimmst, frag in der Apotheke nach.
Was nach einem Joint passiert
Viele haben am Morgen nach einem Abend mit Joint das Gefühl, dass der Kopf langsamer arbeitet. Die Studien dazu sind weniger eindeutig, als oft behauptet wird. Eine Übersicht über 20 Studien fand bei den meisten Tests am nächsten Tag keine messbare Einschränkung mehr.
Das akute High ist also meistens nach Stunden vorbei, nicht erst nach Tagen. Beim Schlaf sieht es anders aus. THC kann das Einschlafen beschleunigen, auf Dauer aber den Schlaf verschlechtern.
Wenn du abends kiffst und morgens trotzdem gerädert aufwachst, kann genau das dahinterstecken. Mehr dazu liest du im Artikel Cannabis und Tiefschlaf.
Wer jeden Tag kifft, kommt aus diesem Kreis kaum noch raus. Dann lautet die ehrliche Frage nicht mehr, wie lange ein Joint wirkt, sondern wann du zuletzt einen ganzen Tag ohne warst.
Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum. Wer darüber fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Wer zusätzlich Alkohol trinkt, riskiert ein noch höheres Bußgeld.
Die Auswertung der Fahrstudien empfiehlt nach dem Rauchen mindestens 5 Stunden Pause, nach dem Essen eher länger. Bei regelmäßigem Konsum kann THC im Blut auch dann noch messbar sein, wenn du dich längst nüchtern fühlst.
Dass die Wirkung nach ein paar Stunden weg ist, heißt nicht, dass THC aus dem Körper raus ist. Ein Teil wird im Fettgewebe gespeichert und nur langsam wieder abgegeben. Die Abbauprodukte tauchen deshalb im Urin noch auf, wenn du längst nichts mehr spürst.
Bei Gelegenheitskiffern geht es eher um Tage, bei Dauerkiffern um deutlich längere Zeiträume. Wie lange genau, steht im Artikel Nachweisbarkeit von THC einfach erklärt.
Das geht leider nicht. Dein Körper baut THC in seinem eigenen Tempo ab. Für Wasser, Kaffee, kalte Duschen oder Sport gibt es keinen Beleg, dass sie das High schneller beenden.
Wenn es zu viel ist, hilft ein ruhiger Ort, etwas zu trinken und jemand, der bei dir bleibt. Bei Brustschmerzen, Atemnot oder wenn jemand nicht mehr ansprechbar ist, ruf den Notruf 112.
Wenn du merkst, dass du deinen Tag inzwischen danach planst, wann die Wirkung einsetzt und wann sie nachlässt, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf deinen Konsum. Unser Online-Programm begleitet dich Schritt für Schritt durch die ersten Wochen ohne Cannabis.
Das High ist nach 15 bis 30 Minuten am stärksten und lässt nach 2 bis 3 Stunden deutlich nach. Bei einer hohen Menge oder wenig Gewöhnung dauert es länger, bei Dauerkiffern ist es oft kürzer und schwächer.
Am stärksten wirken Edibles erst nach 2 bis 3 Stunden. Wer nach einer halben Stunde nachlegt, weil er noch nichts merkt, nimmt meistens zu viel. Die volle Wirkung zeigt sich erst nach Stunden, und dann lässt sie sich nicht mehr zurückdrehen.
Bei Edibles kann fettiges Essen dafür sorgen, dass mehr THC aufgenommen wird. Dann wirkt es stärker. Beim Rauchen spielt eine Mahlzeit nach heutigem Wissen kaum eine Rolle.
Dein Körper hat sich an THC gewöhnt. Bei regelmäßigem Konsum wirkt dieselbe Menge schwächer und kürzer. Das THC ist trotzdem im Blut, und auch die Gewöhnung selbst zeigt, dass dein Körper sich auf Cannabis eingestellt hat.
Die Fahrstudien sprechen nach dem Rauchen für mindestens 5 Stunden Pause, nach Edibles für mehr. Entscheidend für das Gesetz ist aber der Grenzwert im Blut. Bei regelmäßigem Konsum kann er auch Stunden später noch überschritten sein.
Nach einem normalen Joint am Abend meistens nicht. Die meisten Studien finden am nächsten Tag keine messbare Einschränkung mehr. Nach einer großen Menge Edibles kann die Wirkung aber bis in die Nacht oder den Morgen reichen, und womöglich hast du trotzdem schlecht geschlafen.

Über den Autor
Jan G. · High-Performance- und Motivationscoach
Jan G. ist High-Performance- und Motivationscoach. Er arbeitet für viele bekannte Leute und weiß, wie sich Leistungsfähigkeit und Motivation verbessern lassen. Sein Schwerpunkt liegt auf allem Mentalen.
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