
Viele Menschen verbinden Cannabis vor allem mit Entspannung, Euphorie oder Stressabbau. Doch die Auswirkungen von Cannabis auf den Körper sind deutlich komplexer. Je nachdem wie häufig, wie viel und in welcher Form konsumiert wird, können sowohl positive als auch negative Effekte auftreten.
In diesem Beitrag schauen wir uns genauer an, was beim Kiffen im Körper passiert. Dabei geht es nicht nur um kurzfristige Effekte wie rote Augen oder Heißhunger, sondern auch um mögliche langfristige Auswirkungen auf Organe, Gehirn und Psyche.
Der Hauptwirkstoff von Cannabis ist THC (Tetrahydrocannabinol). Dieser Stoff wirkt auf das sogenannte Endocannabinoid-System im Körper. Dieses System spielt eine wichtige Rolle bei verschiedenen Funktionen wie:
Stimmung
Schlaf
Appetit
Schmerzempfinden
Gedächtnis
Immunsystem
Wenn THC in den Körper gelangt, bindet es an spezielle Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn und im Nervensystem. Dadurch werden verschiedene Prozesse beeinflusst und die bekannten Effekte wie Entspannung, Euphorie oder veränderte Wahrnehmung entstehen.
Wie schnell diese Wirkung einsetzt, hängt stark von der Konsumform ab.
Beim Rauchen oder Verdampfen gelangt THC innerhalb weniger Sekunden über die Lunge ins Blut und anschließend ins Gehirn.
Beim Essen von Cannabis (zum Beispiel in Keksen oder Brownies) dauert es deutlich länger, bis die Wirkung eintritt. Der Wirkstoff muss zuerst durch den Verdauungstrakt und die Leber verarbeitet werden. Dafür kann die Wirkung dann oft stärker und länger anhalten.
Wenn jemand Cannabis konsumiert, treten häufig schnell spürbare körperliche Veränderungen auf. Dazu gehören zum Beispiel:
trockener Mund
rote Augen
erhöhter Puls
Schwindelgefühl
verlangsamte Reaktionszeit
gesteigerter Appetit
Diese Effekte sind meistens vorübergehend und verschwinden wieder, sobald die Wirkung nachlässt.
Problematischer wird es vor allem dann, wenn Cannabis regelmäßig oder täglich konsumiert wird. Dann können sich mit der Zeit deutlich mehr Auswirkungen auf Körper und Psyche entwickeln.
Wer Cannabis raucht, inhaliert Rauch, der ähnliche Schadstoffe enthält wie Tabakrauch. Dazu gehören verschiedene reizende Chemikalien und Verbrennungsprodukte, die die Atemwege belasten können.
Regelmäßiges Rauchen von Cannabis kann deshalb unter anderem zu folgenden Beschwerden führen:
chronischer Husten
Reizung der Bronchien
Atemwegsentzündungen
erhöhtes Risiko für Bronchitis
Ein zusätzlicher Risikofaktor ist, dass Cannabis auf dem Schwarzmarkt oft mit Streckmitteln belastet sein kann. Diese Stoffe können die Atemwege zusätzlich reizen und gesundheitliche Probleme verstärken.
Wenn dich dieses Thema interessiert, lies auch den Beitrag Streckmittel in Cannabis – diese gefährlichen Zusätze solltest du kennen.
Kurz nach dem Konsum von Cannabis steigt häufig die Herzfrequenz deutlich an. Viele Konsumenten bemerken auch einen erhöhten Puls oder ein stärkeres Herzklopfen.
Bei einem gesunden Menschen liegt die Herzfrequenz normalerweise bei etwa 70 bis 80 Schlägen pro Minute. Nach dem Kiffen kann sie um 20 bis 50 Schläge pro Minute ansteigen.
Diese Veränderungen entstehen, weil THC unter anderem:
die Blutgefäße erweitert
den Blutdruck beeinflusst
das Herz-Kreislauf-System aktiviert
Bei gesunden Menschen ist dieser Effekt meistens ungefährlich. Für Personen mit bestehenden Herzproblemen kann der Konsum jedoch problematischer sein.
Die stärksten Effekte von Cannabis betreffen das Gehirn und das zentrale Nervensystem.
THC sorgt unter anderem dafür, dass mehr Dopamin ausgeschüttet wird. Dieses Hormon ist stark mit unserem Belohnungssystem verbunden und erzeugt Gefühle von Euphorie oder Entspannung.
Typische Auswirkungen auf das Nervensystem sind:
veränderte Wahrnehmung
intensivere Sinneseindrücke
gesteigerte Zeitwahrnehmung
verlangsamte Reaktionsfähigkeit
Diese Veränderungen erklären auch, warum Autofahren unter Cannabis-Einfluss gefährlich sein kann.
Cannabis beeinflusst besonders den Hippocampus, einen wichtigen Bereich des Gehirns, der für das Gedächtnis verantwortlich ist.
Während des Rausches kann es deshalb schwerer sein:
neue Informationen zu speichern
Gesprächen zu folgen
komplexe Aufgaben zu lösen
Bei langfristigem Konsum berichten viele Menschen von Gedächtnisproblemen und Konzentrationsschwierigkeiten.
Wenn du wissen willst, warum sich das auch auf Motivation auswirken kann, lies auch – Warum Kiffen müde und antriebslos macht.
Neben den körperlichen Effekten kann Cannabis auch deutliche psychische Auswirkungen haben.
Dazu gehören zum Beispiel:
Stimmungsschwankungen
Angstgefühle
Antriebslosigkeit
depressive Verstimmungen
Bei sehr hohen THC-Mengen können in seltenen Fällen auch Halluzinationen oder paranoide Gedanken auftreten.
Besonders vorsichtig sollten Menschen sein, die eine familiäre Veranlagung für psychische Erkrankungen haben. Bei ihnen kann Cannabis das Risiko erhöhen, dass bestimmte Erkrankungen ausgelöst werden.
Eine der bekanntesten Wirkungen von Cannabis ist der sogenannte Heißhunger.
THC beeinflusst unter anderem das Hormon Ghrelin, das unserem Gehirn signalisiert, dass wir Hunger haben. Gleichzeitig wird die Wahrnehmung von Gerüchen intensiver, was ebenfalls den Appetit steigern kann.
Für manche Menschen kann dieser Effekt sogar medizinisch hilfreich sein, zum Beispiel bei:
Appetitverlust
Chemotherapie
starken Gewichtsproblemen
Allerdings kann regelmäßiger Konsum auch negative Auswirkungen auf den Magen-Darm-Trakt haben.
Ein seltenes, aber bekanntes Beispiel ist das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom. Betroffene leiden unter starken Übelkeitsanfällen, Erbrechen und Bauchschmerzen.
Auch das Immunsystem kann durch Cannabinoide beeinflusst werden. Einige Studien deuten darauf hin, dass THC bestimmte Immunreaktionen im Körper verändern kann.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Cannabis immer das Immunsystem schwächt. Die Forschung zeigt teilweise widersprüchliche Ergebnisse.
Einige Hinweise sprechen dafür, dass:
das Immunsystem unterdrückt werden kann
Entzündungsprozesse beeinflusst werden
bestimmte Immunreaktionen reduziert werden
Diese Effekte sind auch ein Grund, warum Cannabis in der Medizin teilweise therapeutisch eingesetzt wird.
Cannabis wird mittlerweile auch in der Medizin eingesetzt. Dabei geht es meist nicht nur um THC, sondern auch um andere Cannabinoide wie CBD (Cannabidiol).
CBD wirkt nicht psychoaktiv und wird unter anderem bei folgenden Beschwerden eingesetzt:
Schmerzen
Schlafprobleme
Angststörungen
Epilepsie
Appetitverlust
Medizinisches Cannabis wird in der Regel unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt und unterscheidet sich deutlich vom Freizeitkonsum.
Cannabis wirkt auf zahlreiche Systeme im Körper – vom Gehirn über das Herz-Kreislauf-System bis hin zu Verdauung und Immunsystem.
Während gelegentlicher Konsum bei vielen Menschen nur kurzfristige Effekte auslöst, kann regelmäßiger oder langfristiger Konsum deutlich stärkere Auswirkungen haben.
Deshalb ist es wichtig, sich über die möglichen Folgen zu informieren und bewusst mit dem Thema umzugehen.
Wenn du merkst, dass Cannabis dein Leben stärker beeinflusst, als dir lieb ist, kann ein Ausstieg eine gute Entscheidung sein. In unserem Online-Programm zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du mit dem Kiffen aufhören kannst und wieder zu der Person wirst, die du eigentlich sein willst – damit du das Leben führen kannst, das du dir schon lange wünschst.