Kiffen in der Jugend: 8 Gründe, warum es besonders schädlich ist

Jugendlicher als Symbol für die Risiken von Kiffen in der Jugend

Kiffen in der Jugend ist ein anderes Thema als Kiffen mit 30. Nicht, weil jeder Joint dein Leben zerstört, sondern weil dein Gehirn und dein Umgang mit Stress noch mitten im Aufbau sind. Wenn Cannabis in dieser Phase regelmäßig dazukommt, wird es schnell zur Antwort auf Langeweile, Druck, Unsicherheit oder schlaflose Nächte. Hier sind acht Gründe, warum das in jungen Jahren besonders riskant ist und warum frühes Aufhören so viel verändert.

Die 8 Gründe auf einen Blick

  1. 1Dein Gehirn ist noch im Umbau
  2. 2Lernen fällt schwerer
  3. 3Du wirst leichter abhängig
  4. 4Gefühle werden weggedrückt
  5. 5Der Antrieb lässt nach
  6. 6Deine Psyche ist verletzlicher
  7. 7Freunde und Alltag drehen sich ums Kiffen
  8. 8Aufhören wird später schwerer
Tipp auf einen Grund, dann springst du direkt hin.

Warum das Alter so viel ausmacht

Ein Joint auf einer Party macht aus dir keinen anderen Menschen. Darum geht es hier auch nicht. Es geht darum, was passiert, wenn Kiffen in jungen Jahren zur Gewohnheit wird.

Laut Bundesgesundheitsministerium reift das Gehirn bis etwa Mitte 20. Bis dahin reagiert es empfindlicher auf THC als bei Erwachsenen. Gleichzeitig lernst du in diesen Jahren, wie du mit Stress, Frust und Unsicherheit umgehst.

Kommt Cannabis genau in dieser Zeit regelmäßig dazu, prägt es sich tiefer ein. Die acht Gründe unten zeigen, wo das am meisten auffällt.

Die Folge zum Anhören Auf Spotify folgen

8 Gründe, warum Kiffen in jungen Jahren besonders riskant ist

1. Dein Gehirn ist noch im Umbau

Vor allem der Teil hinter der Stirn reift spät. Er ist für Planen, Entscheiden und Impulskontrolle zuständig. Genau das brauchst du für Schule, Ausbildung, Streit und deine Ziele.

THC wirkt auf ein körpereigenes System, das beim Lernen, bei der Stimmung und beim Umgang mit Stress mitmischt. Wenn du regelmäßig kiffst, greifst du in eine Phase ein, in der dein Kopf gerade lernt, wie er mit dem Leben klarkommt.

Man kann sich dieses System wie ein feines Thermostat vorstellen, das Anspannung und Gefühle sanft nach oben oder unten regelt. Starkes Gras greift da eher wie ein Vorschlaghammer ein und meldet deinem Kopf Entspannung, ganz egal, was draußen gerade los ist. Wenn das ständig passiert, muss dein Gehirn das Runterregeln nicht mehr selbst üben, und genau die eigene Fähigkeit, mit Druck klarzukommen, bleibt dann eher schwach.

2. Lernen und Konzentration fallen schwerer

Viele merken es zuerst beim Lernen. Du liest etwas, und es bleibt weniger hängen. Du sitzt da, aber dein Kopf ist woanders. Aufgaben schiebst du länger vor dir her.

Eine Langzeitstudie aus Neuseeland hat über 1.000 Menschen von der Geburt bis 38 begleitet. Wer als Jugendlicher anfing und über Jahre regelmäßig kiffte, schnitt mit 38 bei Gedächtnis, Denken und Aufmerksamkeit deutlich schlechter ab als mit 13. Auch wer später aufhörte, holte das nicht ganz auf (Meier 2012).

Ehrlich gesagt ist die Forschung hier nicht eindeutig. Zwillingsstudien finden kleinere Effekte und erklären einen Teil über Familie und Umfeld. Klar ist aber: Wer vor 17 täglich kiffte, schloss in großen Langzeitstudien deutlich seltener die Schule ab (Silins 2014).

3. Du wirst leichter abhängig

Je früher Cannabis zum Alltag gehört, desto schneller wird daraus ein festes Muster. Dein Kopf lernt: Stress, Langeweile, Einschlafen, Freunde treffen, für alles gibt es den Joint.

Wie oft aus Kiffen eine Abhängigkeit wird

Wer kifftWie viele davon abhängig werden
Alle, die Cannabis ausprobierenetwa 9 von 100
Wer als Jugendlicher anfängtetwa 17 von 100, also rund 1 von 6
Wer täglich kifft25 bis 50 von 100

Die Zahlen stammen aus einer Übersicht im New England Journal of Medicine (Volkow 2014). Wer als Teenager anfängt, wird also fast doppelt so oft abhängig wie der Durchschnitt. Irgendwann fühlt sich ein nüchterner Abend komisch an, und du merkst, dass du weniger frei bist, als du dachtest.

4. Gefühle werden weggedrückt

Jugend heißt auch Unsicherheit, Liebeskummer, Streit zu Hause, Zukunftsangst und manchmal das Gefühl, nicht zu wissen, wohin mit sich. Cannabis macht diese Gefühle kurz leiser.

Genau darin liegt die Falle. Wenn du jedes Mal kiffst, sobald es innen unangenehm wird, lernst du nicht, nüchtern damit klarzukommen. Das nächste Problem fühlt sich dann noch größer an:

Wie aus einem schlechten Tag eine Gewohnheit wird

Stress, Streit oder Langeweile
→
Du kiffst, und es wird kurz leiser
↑
↓
Das nächste Problem fühlt sich größer an
←
Du lernst nicht, nüchtern damit klarzukommen

Jede Runde macht den Joint als Ausweg selbstverständlicher. Gerade in den Jahren, in denen du eigene Wege finden würdest, mit Druck umzugehen.

5. Der Antrieb lässt nach

Kaum jemand fängt an, weil er sein Leben wegwerfen will. Es beginnt mit Neugier, Freunden und einem guten Gefühl. Bei manchen wird es mit der Zeit flacher: weniger Bock auf Schule, weniger Sport, weniger Hobbys, mehr Couch und mehr „später“.

Im Moment fühlt sich das entspannt an. Rückblickend sagen viele, die jahrelang gekifft haben, dass ihr Leben in dieser Zeit irgendwie auf Pause stand. Sie waren dabei, aber nicht richtig drin.

Was in diesen Jahren verloren geht, ist oft gar nicht so sehr die Note im Zeugnis, denn die lässt sich später noch ausgleichen. Schwerer wiegt die fehlende Übung, also an einer Sache dranbleiben, etwas wiederholen, Frust aushalten und am Ende merken, dass du besser wirst. Wer das in der Jugend kaum trainiert, kann später an Stellen hängen bleiben, die mit dem Kiffen gar nichts mehr zu tun haben.

6. Deine Psyche ist verletzlicher

Starkes THC kann Angst, Panik und Verfolgungsgefühle auslösen. Du denkst dann, alle merken etwas oder mit deinem Herzen stimmt irgendwas nicht. Wenn dir das öfter passiert, nimm es ernst.

Dass ausgerechnet der Joint, der eigentlich beruhigen soll, Panik auslösen kann, hat mit dem Warnzentrum tief im Gehirn zu tun, der Amygdala. Bei viel THC kann sie bei manchen überreagieren, ähnlich wie ein empfindlicher Rauchmelder, der wegen etwas Staub meldet, dass das ganze Haus brennt. Der Kopf sucht dann nach der Gefahr, findet keine echte und erfindet sich eine.

Eine Auswertung von elf Langzeitstudien zeigt: Wer als Jugendlicher kiffte, bekam als junger Erwachsener häufiger eine Depression, etwa 1,4-mal so oft wie andere. Auch Suizidgedanken kamen häufiger vor (Gobbi 2019). Für den Einzelnen bleibt das Risiko gering bis mäßig, über viele Jugendliche gerechnet ist es aber spürbar.

Besonders riskant sind ein früher Beginn, starkes Gras, tägliches Kiffen und Psychosen in der Familie. Mehr dazu steht in Cannabis und Psychose. Wenn du gerade Gedanken hast, dir etwas anzutun, ruf die Telefonseelsorge an: 0800 111 0 111, kostenlos und rund um die Uhr.

7. Freunde und Alltag drehen sich ums Kiffen

Wenn du jung anfängst, entstehen viele deiner Gewohnheiten direkt mit Cannabis. Die Leute, die Orte, die Musik, die Abende, die Insider. Irgendwann ist Kiffen nicht mehr nur etwas, das du machst. Es gehört zu deiner Gruppe und zu deinem Bild von dir.

Deshalb fühlt sich Aufhören später so schwer an. Du hörst nicht nur mit Gras auf. Du musst auch herausfinden, wer du ohne diese Rolle bist und mit wem du deine Zeit verbringen willst.

Cover des kostenlosen Ratgebers für Eltern: Kiffen in der Jugend

Ratgeber für Eltern

Dein Kind kifft, und du kommst nicht mehr an es heran?

Unser kostenloser Ratgeber für Eltern zeigt dir, was im Kopf deines Kindes passiert, welche Sätze die Lage verschärfen und wie du ein Gespräch führst, das nicht im Streit endet. Trag deine E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihn dir kostenlos zu.

8. Aufhören wird später schwerer

Wer mit 14, 15 oder 16 anfängt und jahrelang kifft, verbindet sehr viele Situationen mit Cannabis: Freunde, Essen, Schlafen, Musik, Zocken, Streit, Langeweile, Belohnung. Je mehr solche Verbindungen es gibt, desto mehr Auslöser tauchen beim Aufhören auf.

Das heißt aber auch: Je früher du den Kreislauf unterbrichst, desto besser. Dein Kopf ist lernfähig. Die Andockstellen für THC im Gehirn erholen sich nach etwa vier Wochen ohne Cannabis wieder (Hirvonen 2012). Was nach dem letzten Joint sonst noch passiert, liest du in Das passiert, wenn du nicht mehr kiffst.

Warum Jugendliche überhaupt kiffen

Viele Erwachsene machen es sich einfach: falsche Freunde, Dummheit, Rebellion. Meistens ist es eine Mischung aus Neugier, Langeweile, Gruppendruck, Stress, Ärger zu Hause und dem Wunsch, den Kopf mal leise zu kriegen.

Wenn du dich darin wiedererkennst, ist mit dir nichts falsch. Es zeigt nur, wofür der Joint gerade bei dir herhält. Die ehrliche Frage ist: Was gibt er dir heute, und was nimmt er dir auf Dauer?

Was du tun kannst, wenn du schon regelmäßig kiffst

Schau genau hin. Wie oft kiffst du? Mit wem? Zu welcher Uhrzeit? Wann fällt es dir schwer, es zu lassen? Schreib das ehrlich auf. Dann siehst du, ob es noch Ausprobieren ist oder schon ein Muster.

Wenn du aufhören willst, fang nicht mit großen Versprechen an. Fang mit den nächsten 24 Stunden an. Sag einer Person Bescheid, die dich ernst nimmt. Wirf Gras und Zubehör weg. Plane den Abend, geh raus und leg das Handy weg, wenn du anfängst, Leute zum Kiffen anzuschreiben.

Für die ersten Tage helfen dir die 15 Tipps für den Cannabis-Entzug.

Wenn du Mutter oder Vater bist

Panik bringt meistens wenig. Kontrolle, Drohungen und Durchsuchungen setzen kurzfristig unter Druck, lösen aber selten das eigentliche Problem. Bleib klar in der Sache und ruhig im Ton. Wenn Schule, Stimmung, Schlaf oder Verhalten deutlich abrutschen, hol dir Unterstützung und warte nicht monatelang ab.

Wie du die ersten Tage angehst, liest du in Mein Kind kifft: Was Eltern jetzt tun können. Wie das Gespräch gelingt, ohne dass dein Kind dichtmacht, steht in Jugendlicher kifft: So sprichst du es an. Ist es in der Schule aufgefallen, hilft dir Mein Kind kifft in der Schule.

Und wenn du selbst merkst, dass du allein nicht vom Joint wegkommst: Unser Online-Programm begleitet dich Schritt für Schritt durch die ersten Wochen ohne Cannabis.

Häufige Fragen

Ist Kiffen in der Jugend schlimmer als bei Erwachsenen?

Ja, das Risiko ist höher. Das Gehirn reift bis etwa Mitte 20, und in dieser Zeit lernst du auch, mit Stress und Gefühlen umzugehen. Regelmäßiges Kiffen prägt sich deshalb stärker ein und führt öfter in eine Abhängigkeit.

Ist gelegentliches Kiffen am Wochenende auch schädlich?

Die meisten Risiken in diesem Artikel betreffen regelmäßiges oder tägliches Kiffen. Harmlos ist gelegentlicher Konsum trotzdem nicht: Starkes THC kann schon beim ersten Mal Angst oder Panik auslösen, und aus dem Wochenende wird schnell mehr.

Macht Cannabis Jugendliche schneller abhängig?

Ja. Von allen, die Cannabis ausprobieren, werden etwa 9 von 100 abhängig. Bei denen, die als Teenager anfangen, sind es etwa 17 von 100. Je öfter der Joint die Antwort auf Stress, Langeweile oder Schlafprobleme ist, desto fester wird die Gewohnheit.

Erholt sich mein Gehirn, wenn ich aufhöre?

Vieles erholt sich, ja. Die Andockstellen für THC im Gehirn erholen sich nach etwa vier Wochen ohne Cannabis. Schlaf, Konzentration und Stimmung werden bei den meisten nach einigen Wochen besser. Bei jahrelangem Kiffen ab der Jugend erholt sich laut einer Langzeitstudie aber nicht alles vollständig.

Ich habe als Teenager angefangen. Ist jetzt alles zu spät?

Nein. Aufhören lohnt sich in jedem Alter. Konzentration, Schlaf, Stimmung und Antrieb können sich deutlich verbessern, und du kannst neue Gewohnheiten aufbauen. Je früher du aufhörst, desto weniger verfestigt sich das Muster.

Was sage ich meinem Kind, wenn es kifft?

Sprich ruhig und konkret. Sag, was du beobachtest, warum du dir Sorgen machst und welche Regeln bei euch gelten. Frag auch, wofür das Kiffen gerade gut ist. Nur so kommst du an den eigentlichen Grund heran.

Jan B., Emotionscoach

Über den Autor

Jan B. · Emotionscoach

Jan B. arbeitet seit vielen Jahren als Emotionscoach. Er war selbst abhängig, nicht nur von Cannabis, sondern auch von Pornografie. Deshalb kennt er Abhängigkeit aus der eigenen Geschichte und aus seiner Arbeit mit Emotionen.

Mehr über das AZK-Team →

Beitrag mit Freunden teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte dich auch interessieren