
Als ich aufgehört hab zu kiffen hab ich Freunde verloren: ich bereue es nicht
klingt nach einem großen Satz. In Wahrheit beginnt so eine Veränderung meistens kleiner: mit einem Morgen, an dem du merkst, dass du nicht mehr dieselbe…
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Ich bin 36, habe zwei Kinder im Grundschulalter und habe fünf Jahre lang jeden Abend gekifft, sobald die Kinder im Bett waren. Nach außen war ich die zuverlässige Mutter, die alles im Griff hat, nur mein Mann wusste davon. Hier erzähle ich, wie ich aufgehört habe und was sich für mich und meine Familie verändert hat, ehrlich und so, wie ich es selbst gern früher gelesen hätte.
Es gab keinen großen Zusammenbruch. Es gab eine Reihe von Beobachtungen, die ich lange weggeschoben hab.
Mein Sohn, sechs Jahre alt, kam um acht Uhr abends noch mal raus, weil er Durst hatte. Ich stand in der Küche und war gerade dabei, mir einen zu drehen. Er hat mich gesehen, nichts gesagt, sein Wasser genommen und ist zurück ins Bett.
In dieser Nacht hab ich nicht geschlafen. Er hatte nichts gesagt, aber mir war klar geworden, was er gesehen hatte.
Dazu kamen die Kindergeburtstage. Ich hab sie nicht ganz nüchtern vor- und nachbereitet. Wenn wir freitags zu einem Geburtstag gingen, hab ich mir schon morgens gewünscht, dass alles schnell vorbei ist, damit ich abends runterkommen kann. Das war kein Entspannen mehr, das war ein Leben, das auf den Joint am Abend wartet.
Und meinem Mann gegenüber hab ich immer behauptet, ich könnte jederzeit aufhören. Probiert hab ich das in fünf Jahren nie. Hätte ich es einmal versucht, hätte ich nach drei Tagen gewusst, dass „jederzeit“ eine Illusion war.
Mein erster Tag ohne war ein Sonntag. Mein Mann hatte sich Montag und Dienstag freigenommen, und ohne diese Hilfe wäre es schwer geworden. Er hat morgens die Kinder zur Schule gebracht, abends gekocht und an Tag 3 mit ihnen einen Ausflug gemacht, während ich im Bett lag.
Die ersten drei Nächte waren körperlich anstrengend. Ich bin schweißnass aufgewacht, hatte schlechte Träume und war früh wach. Magnesium und Lavendelöl hatte ich mir vorher besorgt. Beides hat geholfen, aber ein Wundermittel war keins davon. Was in solchen Nächten sonst noch hilft, steht in Endlich ohne Cannabis schlafen.
Die ersten Tage waren trotzdem nicht der schwerste Teil. Härter waren die zwei bis vier Wochen danach, als abends plötzlich Zeit da war. Stunden, die jahrelang mit einem festen Ritual gefüllt waren, waren auf einmal leer.
Ich saß auf dem Sofa, mein Mann machte seine Sachen, und ich wusste nichts mit mir anzufangen. Da ist mir klar geworden, wie sehr ich das Abschalten am Abend an den Joint geknüpft hatte.
Dass nach den ersten Tagen eine emotional schwerere Zeit kommt, ist ganz normal. Mir hat geholfen zu wissen, dass diese Wellen zur Umstellung im Kopf gehören und nichts damit zu tun haben, dass ich schwach bin. Einen ehrlichen Überblick gibt der Artikel zu den 12 häufigsten Entzugserscheinungen durch Cannabis.
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Direkt gemerkt haben sie nichts, sie wussten ja von nichts. Was sie bemerkt haben, kam auf Umwegen.
Drei Wochen nach dem Aufhören hat meine Tochter abends gesagt: „Mama, du erzählst heute richtig Sachen.“ Sie meinte das Vorlesen. Wir hatten zwar ein festes Vorleseritual, aber ich hatte oft nur ein paar Seiten geschafft und war mit den Gedanken abgeschweift.
In diesen drei Wochen war ich beim Vorlesen wirklich bei ihr. Sie hat das gemerkt, ohne zu wissen, woran es lag.
Mein Sohn hat irgendwann gesagt, ich sei nicht mehr so müde. Für ihn war ich vorher die Mama, die abends immer müde ist. Diese Müdigkeit war in Wahrheit das Kiffen. Ohne Joint war ich abends wach, konnte zuhören und wollte nicht mehr nur ins Bett.
Das war für mich der härteste Punkt im ganzen Prozess, härter als der Entzug: zu verstehen, was meine Kinder in den letzten Jahren von mir bekommen hatten und was nicht.
Heute ist mein letzter Joint ein Jahr und ein paar Monate her. Im Rückblick sieht mein Weg so aus:
Mein Weg weg vom Joint am Abend
Ab und zu kommt noch ein Auslöser: ein bestimmter Geruch, ein altes Lied im Auto, eine besonders müde Woche. Diese Momente sind kurz und schwach, ich erkenne sie, atme einmal durch und mache weiter.
Mein Schlaf ist tief, und ich erinnere mich wieder an Träume. Ich wache erholt auf und funktioniere nicht mehr nur irgendwie.
Meine Ehe ist enger geworden. In den Jahren mit Joint haben wir die Abende nebeneinanderher verbracht, er mit seinen Sachen, ich in meiner eigenen Welt. Jetzt verbringen wir die Abende zusammen. Manchmal reden wir, manchmal nicht, aber wir sind beide da.
Meine Kinder kennen jetzt eine wachere Mutter. Das ist nicht spektakulär, aber es ist das, was ich gegen nichts tauschen würde.
Und dann ist da noch das Geld. Ich hab in den fünf Jahren nie ausgerechnet, was ich ausgebe. Im ersten Jahr nach dem Aufhören hatten wir Geld für einen Urlaub, den wir uns vorher nie geleistet hätten. Das kam nicht nur vom Aufhören, aber ein Teil davon schon.
Wenn mich heute eine andere Mutter fragt, ob sie aufhören sollte, sage ich nicht „du musst“. Ich sage: Prüf, ob dein Konsum das Bild verschiebt, das deine Kinder von dir haben. Wenn ja, ist die Frage schon halb beantwortet. Kommen deine Kinder später selbst mit Cannabis in Berührung, lies vorher, wie du einen kiffenden Jugendlichen ansprichst.
Weitere Erfahrungen von Menschen in einer ähnlichen Lage findest du in den Erfahrungsberichten zum Cannabis-Entzug. Und wenn du den Schritt gehen willst, ohne alles allein zu organisieren, begleitet dich unser Online-Programm von den ersten Abenden ohne Joint bis in den neuen Alltag.
Er beginnt meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Joint und ist zwischen Tag 2 und Tag 6 am stärksten. Der Großteil ist nach etwa vier Wochen vorbei, und nach dieser Zeit haben sich auch die Andockstellen für THC im Gehirn wieder erholt. Schlaf und Stimmung brauchen manchmal etwas länger.
Schlafprobleme gehören zu den häufigsten Entzugszeichen, und viele schwitzen nachts auch stark. Im Schlaflabor schliefen Menschen, die viel gekifft hatten, in den ersten Nächten ohne Cannabis kürzer, brauchten länger zum Einschlafen und hatten weniger Tiefschlaf. Das wird mit der Zeit besser, beim Schlaf dauert es aber oft länger als bei den körperlichen Beschwerden.
Ohne Cannabis kommt der Traumschlaf zurück, am Anfang oft besonders stark. Viele erleben in den ersten Tagen sehr lebhafte oder seltsame Träume, in einer Studie waren sie um Tag 4 am stärksten. Auch das legt sich, und später erinnern sich viele einfach wieder an ihre Träume.
Plane die ersten Tage so, dass dir jemand den Rücken freihält. Der Entzug ist zwischen Tag 2 und Tag 6 am stärksten, genau dafür lohnen sich ein paar freie Tage oder ein Partner, der Schulweg und Abendessen übernimmt. Wenn du Hilfe brauchst, ist auch eine Suchtberatungsstelle eine gute Anlaufstelle.

Über den Autor
Melli I. · Texterin im AZK-Team
Melli I. hat mit dreizehn angefangen zu kiffen und ist heute achtundzwanzig. Seit drei Jahren ist sie clean. Sie kennt den frühen Einstieg und den Abstand nach dem Ausstieg aus eigener Erfahrung.
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