
Mutter hat mit dem Kiffen aufgehört: meine ehrliche Erfahrung
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Auf die erste Woche ohne Cannabis hatte ich mich vorbereitet. Gelesen, gefragt, einen Plan gemacht. Was mich keiner darauf vorbereitet hat: dass die schwierigsten Momente nicht die waren, von denen alle reden.
Das hier ist meine Erfahrung mit der ersten Woche, sieben Tage in der Reihenfolge, in der sie passiert sind. Nicht stilisiert, nicht heroisiert. Vier Sachen waren anders, als ich erwartet hatte — und genau diese vier mache ich klar, weil sie der Grund sind, warum die Woche nicht so lief wie geplant.
Ich bin 27, arbeite als IT-Consultant, lebe in einer Großstadt, eigenständig. Hab vier Jahre fast täglich konsumiert, davor schon länger sporadisch. Niemand in meinem Umfeld wusste die genaue Menge. Die Idee zur Pause kam, weil ich gemerkt hab, dass ich abends nichts mehr ohne Cannabis machen konnte. Lesen, einen Film schauen, Sport — alles war kompromittiert, weil ich vor allem auf das Ritual gewartet hatte.
Ich hab gedacht, Tag 1 wäre der härteste. Hab mir den Tag in der Wohnung geplant, mit Filmen, gutem Essen, Notfall-Magnesium, allem.
Tag 1 war fast euphorisch. Eine merkwürdige Energie. Ich hab Sachen aufgeräumt, die seit Wochen lagen. Hab um halb elf gut geschlafen, was selten passiert. Hab gedacht: ist das wirklich so einfach?
War es nicht. Tag 1 ist nicht die echte erste Woche. Tag 1 ist Adrenalin nach einer Entscheidung. Wer den nicht erkennt, ist überrascht, was am Tag 3 kommt.
Tag 2 war neutral. Etwas müde, etwas reizbar, schlecht geschlafen. Aber im Rahmen.
Tag 3 war körperlich der Tiefpunkt. Nicht „nicht aushalten“, aber wirklich unangenehm. Magen rebelliert, leichte Übelkeit morgens, Kopf druck. Nachts habe ich geschwitzt, dass ich um halb drei das T-Shirt wechseln musste. Lag bis fünf wach.
Tag 4 ähnlich. Vielleicht ein bisschen besser, schwer zu sagen. Was anders war: ich hatte das Bett-Setup vorbereitet (kühles Zimmer, dünne Bettwäsche, Ersatz-T-Shirt griffbereit). Das hat den Tag 4 erträglicher gemacht als den Tag 3.
Was mich keiner darauf vorbereitet hat: dass mein Geruchssinn am Tag 4 zurückkam. Mein Bett roch nach mir, mein Kühlschrank roch nach Essen, frische Luft hatte einen Geruch. Es war komisch und auch ein wenig schön. Ich hatte das jahrelang nicht gemerkt.
Eine vollständige Übersicht der körperlichen Beschwerden in diesen Tagen findest du in den 12 häufigsten Entzugserscheinungen durch Cannabis.
Tag 5 war körperlich okay. Endlich besser. Da kommt die nächste Sache.
Ab Tag 5 kam etwas, das ich nicht erwartet hatte — eine Art Leere. Nicht traurig, nicht ängstlich. Eher: nichts. Ich saß abends im Wohnzimmer, hatte freie Zeit, und wusste nichts damit anzufangen. Ich konnte ein Buch nicht zu Ende lesen, hatte aber auch kein Bedürfnis nach was anderem. Drei Stunden, in denen ich auf nichts gewartet habe, weil nichts angekündigt war.
Diese Leere ist die Sache, die mich am meisten überrascht hat. Ich hatte erwartet, mit Symptomen zu kämpfen. Ich hatte erwartet, gegen Lust auf einen Joint anzukämpfen. Was ich nicht erwartet hatte: gegen die Stille zu kämpfen, die plötzlich da ist, wo vorher ein Ritual war.
Tag 6 war ähnlich. Tag 7 etwas besser. Aber dieser Punkt — das Realisieren, dass abends jetzt Zeit ist, mit der ich umgehen muss — war der schwerste Teil der ganzen Woche.
Erstens. Tag 1 ist nicht repräsentativ. Wer am Tag 1 entspannt ist, denkt, der Rest wird leicht. Das ist eine der häufigsten Fallen der ersten Woche.
Zweitens. Die körperliche Phase ist Tag 3 bis 5. Wer dort schlecht vorbereitet ist (kein Magnesium, kein Plan fürs Bett, kein Plan für Essen), zieht den körperlichen Teil länger als nötig.
Drittens. Geruch und Geschmack kommen früh zurück. Das hat mir keiner erzählt. Es ist eines der wenigen positiven Dinge, die in der ersten Woche schon da sind.
Viertens. Die Leere ab Tag 5 ist nicht Depression. Sie ist die Stille, die übrig bleibt, wenn ein abendliches Ritual wegfällt. Wer sie als „mit mir stimmt etwas nicht“ deutet, dramatisiert sie. Wer sie als „das ist Zeit, die jetzt mir gehört“ deutet, kommt damit weiter.
Sieben Tage sind keine Verwandlung. Sie sind ein Beweis. Beweis dafür, dass es geht. Beweis dafür, dass das, was ich für unverhandelbar gehalten hatte, verhandelbar ist. Beweis dafür, dass mein Körper mich nicht hasst, wenn ich ihm das Cannabis wegnehme — er reagiert, aber er kommt zurück.
Was ich an Tag 7 gedacht hab: ich kann eine weitere Woche. Ich hatte noch keine Idee, ob das endgültig werden würde. Aber ich wusste, dass die ersten sieben Tage kein Beweis für „ich kann das nicht“ waren, was ich vorher heimlich gedacht hatte.
Wenn jemand vor der ersten Woche steht und sich fragt, was wirklich erwartet wird: nicht der Mythos. Was wirklich kommt, ist ein körperlicher Tiefpunkt um Tag 3 bis 5, eine emotionale Stille ab Tag 5, und die Erkenntnis, dass Cannabis weniger gehalten hat, als es versprochen hat.
Weitere Erfahrungen anderer findest du in den Erfahrungsberichten zum Cannabis-Entzug. Mein Tipp aus heutiger Sicht: Plan vorbereiten, Erwartungen tief halten, Tag 1 nicht überschätzen, Tag 5 nicht unterschätzen.

Über den Autor
Melli I. · Texterin im AZK-Team
Melli I. hat mit dreizehn angefangen zu kiffen und ist heute achtundzwanzig. Seit drei Jahren ist sie clean. Sie kennt den frühen Einstieg und den Abstand nach dem Ausstieg aus eigener Erfahrung.
Mehr über das AZK-Team →
Melli I. · 25. August 2026
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