
Als ich aufgehört hab zu kiffen hab ich Freunde verloren: ich bereue es nicht
klingt nach einem großen Satz. In Wahrheit beginnt so eine Veränderung meistens kleiner: mit einem Morgen, an dem du merkst, dass du nicht mehr dieselbe…
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Auf meine erste Woche ohne Cannabis hatte ich mich gut vorbereitet: gelesen, gefragt, einen Plan gemacht. Trotzdem waren die schwierigsten Momente andere als die, von denen alle reden. Hier erzähle ich die sieben Tage in der Reihenfolge, in der sie passiert sind, und die vier Dinge, die mich dabei überrascht haben.
Ich bin 27, arbeite als IT-Consultant und wohne eigenständig in einer Großstadt. Vier Jahre hab ich fast jeden Tag gekifft, davor schon länger ab und zu. Wie viel genau, wusste in meinem Umfeld niemand.
Die Idee zur Pause kam, als ich gemerkt hab, dass ich abends nichts mehr ohne Cannabis machen konnte. Lesen, einen Film schauen, Sport: Bei allem hab ich eigentlich nur auf mein Ritual am Abend gewartet.
Ich hatte gedacht, Tag 1 wird der härteste. Also hab ich mir den Tag in der Wohnung geplant, mit Filmen, gutem Essen, Magnesium für den Notfall und allem, was dazugehört.
Dann war Tag 1 fast euphorisch. Ich hatte eine merkwürdige Energie und hab Sachen aufgeräumt, die seit Wochen rumlagen. Um halb elf hab ich gut geschlafen, was bei mir selten passiert. Ich dachte: Ist das wirklich so einfach?
Das war es nicht. Tag 1 war noch nicht der Entzug, sondern der Schwung nach einer Entscheidung. Der Entzug setzt meist erst nach 24 bis 48 Stunden ein. Wer das nicht weiß, wird von Tag 3 überrascht.
Tag 2 war neutral. Ich war etwas müde, etwas gereizt und hab schlecht geschlafen. Aber das war alles im Rahmen.
Tag 3 war körperlich der Tiefpunkt. Er war nicht unerträglich, aber wirklich unangenehm. Mein Magen hat rebelliert, morgens war mir leicht übel und ich hatte Druck im Kopf.
Nachts hab ich so geschwitzt, dass ich um halb drei das T-Shirt wechseln musste. Danach lag ich bis fünf wach.
Tag 4 war ähnlich, vielleicht ein bisschen besser, das ist schwer zu sagen. Diesmal hatte ich das Bett vorbereitet: kühles Zimmer, dünne Bettwäsche, ein Ersatz-T-Shirt griffbereit. Das hat Tag 4 erträglicher gemacht als Tag 3.
Worauf mich keiner vorbereitet hatte: An Tag 4 kam mein Geruchssinn zurück. Mein Bett roch nach mir, der Kühlschrank nach Essen, und frische Luft hatte plötzlich einen Geruch. Das war komisch und auch ein bisschen schön, weil ich es jahrelang nicht gemerkt hatte.
Warum das nächtliche Schwitzen dazugehört, erklären wir hier: Deswegen schwitzt du während des Cannabis-Entzugs. Eine Übersicht über die körperlichen Beschwerden dieser Tage findest du in den 12 häufigsten Entzugserscheinungen durch Cannabis.
Tag 5 war körperlich okay, endlich besser. Und genau da kam die nächste Sache.
Ab Tag 5 kam eine Art Leere, mit der ich nicht gerechnet hatte. Ich war nicht traurig und nicht ängstlich, da war eher einfach nichts. Ich saß abends im Wohnzimmer, hatte freie Zeit und wusste nichts damit anzufangen.
Ein Buch konnte ich nicht zu Ende lesen, aber auf etwas anderes hatte ich auch keine Lust. Drei Stunden lang hab ich auf nichts gewartet, weil nichts mehr angekündigt war.
Diese Leere hat mich in der ganzen Woche am meisten überrascht. Ich hatte mit Symptomen gerechnet und damit, gegen die Lust auf einen Joint anzukämpfen. Ich hatte nicht damit gerechnet, gegen die Stille anzukämpfen, die plötzlich da war, wo vorher mein Ritual war.
Tag 6 war ähnlich, Tag 7 etwas besser. Aber zu merken, dass ich abends jetzt Zeit habe und damit umgehen muss, war der schwerste Teil der ganzen Woche.
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Erstens: Tag 1 sagt wenig über den Rest. Wer an Tag 1 entspannt ist, denkt schnell, der Rest wird genauso leicht. In diese Falle tappt man in der ersten Woche leicht.
Zweitens: Der körperliche Teil kommt erst nach ein paar Tagen. Am stärksten ist er meist zwischen Tag 2 und Tag 6, bei mir waren es Tag 3 und 4. Wer dann keinen Plan fürs Bett und fürs Essen hat, macht sich diese Tage schwerer als nötig.
Drittens: Es gab schon früh etwas Schönes. Bei mir kam der Geruchssinn schon an Tag 4 zurück, davon hatte mir niemand erzählt. Es war eines der wenigen guten Dinge, die in der ersten Woche schon da waren.
Viertens: Die Leere ab Tag 5 war bei mir keine Depression. Es war die Stille, die übrig bleibt, wenn ein Ritual am Abend wegfällt. Wer sie als „mit mir stimmt etwas nicht“ deutet, macht sie größer, als sie ist. Wer sie als Zeit sieht, die jetzt ihm selbst gehört, kommt damit weiter.
Ab etwa Tag 5 wird bei vielen der Körper ruhiger, dafür kommen Gefühle direkter durch, die das Kiffen lange gedämpft hat. Hält die Leere über Wochen an oder wirst du richtig niedergeschlagen, sprich mit deiner Hausarztpraxis oder einer Suchtberatung.
Sieben Tage sind keine Verwandlung, aber sie haben mir etwas bewiesen. Es geht. Was ich für unverhandelbar gehalten hatte, ist verhandelbar. Und mein Körper hasst mich nicht, wenn ich ihm das Cannabis wegnehme: Er reagiert, aber er kommt zurück.
An Tag 7 hab ich gedacht: Eine weitere Woche schaffe ich. Ob es endgültig wird, wusste ich da noch nicht. Aber ich wusste, dass die ersten sieben Tage kein Beweis für „ich kann das nicht“ waren, was ich vorher heimlich geglaubt hatte.
Was dich wirklich erwartet, ist nicht der Mythos. Bei mir waren es ein körperlicher Tiefpunkt an Tag 3 und 4, eine Stille am Abend ab Tag 5 und die Erkenntnis, dass Cannabis weniger gehalten hat, als es versprochen hat.
So passt meine erste Woche in die drei Phasen, die die meisten beim Aufhören durchlaufen:
Meine erste Woche in den drei Phasen
Diese Zeiten sind Durchschnittswerte, nach langem und starkem Konsum dauert es oft länger. Den ganzen Ablauf findest du hier: Die 3 Phasen des Cannabis-Entzugs.
Weitere Erfahrungen anderer findest du in den Erfahrungsberichten zum Cannabis-Entzug. Mein Rat aus heutiger Sicht: Bereite dich vor, halte die Erwartungen niedrig, überschätze Tag 1 nicht und unterschätze Tag 5 nicht.
Die erste Woche ist nur der Anfang. Wenn du auch die Wochen danach nicht allein durchstehen willst, begleitet dich unser Online-Programm Schritt für Schritt durch alle drei Phasen.
Der Entzug beginnt meist nach 24 bis 48 Stunden. Deshalb fühlt sich der erste Tag bei vielen noch gut an, manche haben sogar einen Energieschub. Die ersten Beschwerden kommen dann meist ab Tag 2 oder 3.
Die Beschwerden sind meist zwischen Tag 2 und Tag 6 am stärksten. Typisch sind schlechter Schlaf, Schwitzen, Unruhe, Gereiztheit, wenig Appetit und Magenschmerzen. Danach lassen sie bei den meisten langsam nach.
Ja. Schwitzen gehört zu den typischen Zeichen des Cannabis-Entzugs, auch nachts. Ein kühles Zimmer, dünne Bettwäsche und ein Ersatz-T-Shirt neben dem Bett machen die Nächte leichter.
Wenn ein festes Ritual am Abend wegfällt, bleibt erst einmal Stille. Dazu kommen ab etwa Tag 5 bei vielen Gefühle zurück, die das Kiffen lange gedämpft hat. Hält die Leere über Wochen an oder wirst du richtig niedergeschlagen, sprich mit deiner Hausarztpraxis oder einer Suchtberatung.
Der größte Teil ist bei den meisten nach etwa vier Wochen vorbei. In Studien hatten sich die Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn nach rund vier Wochen ohne Cannabis wieder erholt, und Gedächtnis und Konzentration waren nach etwa 25 Tagen nicht mehr messbar beeinträchtigt. Schlafprobleme und Stimmungstiefs können länger dauern als die körperlichen Beschwerden.

Über den Autor
Melli I. · Texterin im AZK-Team
Melli I. hat mit dreizehn angefangen zu kiffen und ist heute achtundzwanzig. Seit drei Jahren ist sie clean. Sie kennt den frühen Einstieg und den Abstand nach dem Ausstieg aus eigener Erfahrung.
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