
Wann ist der Cannabis-Entzug am stärksten: und wie du es überlebst
ist ein Thema, bei dem viele erst anfangen zu suchen, wenn es schon unangenehm geworden ist. Vielleicht bist du gerade mitten im Konsum, mitten im Entzug...
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Viele hören irgendwann einfach auf. Das Datum bleibt vage, der Abend bleibt ungeplant, Gras liegt noch in der Wohnung, Freunde ahnen nichts und im Kopf läuft nur dieser Satz: Diesmal ziehe ich es durch.
Genau so scheitern viele Anläufe. Du gehst dann in eine Phase, in der Schlaf, Stimmung, Suchtdruck, Langeweile und alte Gewohnheiten gleichzeitig ziehen können. Eine gute Vorbereitung macht die ersten Tage deutlich weniger chaotisch.
Deine 7 Schritte auf einen Blick
Im Entzug triffst du deine Entscheidungen selten mit klarem Kopf. Du bist müde, gereizt und hast Suchtdruck. Und genau dann kennt dein Kopf eine Lösung, die sofort wirkt: einen Joint.
Das ist der Haken am Entzug. Die Beschwerden verschwinden mit ein paar Zügen, und genau deshalb werden sie deinem Entschluss gefährlich. Fachleute sehen darin den Grund, warum Entzugsbeschwerden so leicht in einen Rückfall führen.
Vorbereitung nimmt dir diese Entscheidungen ab. Was du vorher klärst, musst du in der schweren Stunde nicht mehr entscheiden: ob noch Gras da ist, wen du anrufst, was du heute Abend machst. Je weniger offen ist, desto weniger hat dein Kopf zu verhandeln.
Die Schritte bauen aufeinander auf. Für die meisten reichen ein paar Tage, um alle sieben zu erledigen.
Wähle einen konkreten Tag und eine konkrete Uhrzeit. Ein echter Termin gibt deinem Kopf weniger Spielraum zum Verschieben.
„Irgendwann nächste Woche“ ist kein Termin. Daraus wird schnell „nach dem Geburtstag“ und dann „wenn die Prüfungen vorbei sind“. Ein Datum mit Uhrzeit lässt sich schwerer wegschieben als ein guter Vorsatz.
Ein paar Tage Vorlauf reichen oft. Du brauchst genug Zeit für Wohnung, Umfeld und die ersten Abende. Liegt der Termin zu weit weg, bleibt es beim Vorbereiten und der Start rückt nie näher.
Schreib dir auf: letzter Joint, erster Tag ohne, warum du aufhörst und wem du Bescheid gibst. Das klingt simpel, aber so wird aus einem vagen Wunsch eine Entscheidung, die schwarz auf weiß vor dir liegt.
Alles, was dich direkt in den alten Film zieht, muss weg: Gras, Hasch, Grinder, Papers, Bong, Pfeife, Aschenbecher, alte Verstecke und die Nummer deines Dealers auf Schnellwahl.
Viele behalten etwas „zur Sicherheit“. In Wahrheit ist das selten Sicherheit. Es ist eine offene Tür. Wenn du in Nacht drei wach liegst, findet dein Kopf diese Tür.
Denk auch an die Ecken, die du selbst fast vergessen hast: die Dose hinten im Schrank, der Rest in der Jackentasche, das Päckchen im Auto. Wirf alles weg, bevor der Starttag kommt, und nicht erst, wenn der Druck schon da ist.
Mach dir die ersten Tage außerdem leichter. Stell Wasser bereit, bezieh das Bett frisch, leg ein Handtuch griffbereit, falls du nachts schwitzt, und Klamotten für Spaziergänge raus. Je weniger du unter Druck entscheiden musst, desto besser.
Mindestens eine Person sollte wissen, dass du gerade aufhörst. Das kann ein Freund sein, deine Partnerin, jemand aus der Familie oder jemand, der selbst aufgehört hat.
Sag es konkret: „Ich höre am Montag auf. In den ersten Wochen bin ich vielleicht gereizt, müde oder durcheinander. Ich brauche dich als Rückhalt.“
Rückhalt heißt im Alltag ganz praktisch: Du darfst um elf Uhr abends schreiben, wenn es eng wird. Niemand bietet dir einen Joint an. Und wenn du schlecht drauf bist, nimmt es dir keiner übel. Wer Bescheid weiß, kann dir helfen. Wer nichts weiß, hält dir im schlimmsten Fall den nächsten Joint hin.
Wenn in deinem Freundeskreis viel gekifft wird, halt dich in den ersten Wochen von diesen Runden fern. Das ist keine Absage an deine Freunde. Du schützt damit deinen Anfang.
Der Abend ist für viele der schwerste Teil. Nach Arbeit, Essen, Duschen oder Serie kam früher wie von selbst der Joint. Wenn dieser Platz leer bleibt, fängt dein Kopf an zu verhandeln.
Was an einem leeren Abend passiert
Plane deshalb die ersten sieben Abende vorher. Zum Beispiel so:
Leere Zeit ist in der ersten Woche die größte Einladung für alte Gewohnheiten. Der Plan muss nicht spannend sein. Er muss nur die Stunde füllen, in der du früher gebaut hast. Mehr Ideen für genau diese Uhrzeiten findest du in den 15 Tipps für den Cannabis-Entzug.
Gute Vorbereitung heißt auch: Du weißt, was passieren kann. Typisch sind schlechter Schlaf, Schwitzen, Unruhe, Gereiztheit, wenig Appetit, heftige Träume, Stimmungsschwankungen und Suchtdruck.
Das trifft nicht nur ein paar Pechvögel. In einer großen Auswertung mit über 23.000 regelmäßigen Konsumenten hatte knapp jeder Zweite Entzugsbeschwerden. Wer jeden Tag kifft oder zusätzlich von Tabak abhängig ist, war häufiger betroffen.
Wenn du weißt, dass diese Beschwerden zum Entzug gehören, siehst du sie gelassener. Du denkst dann eher: Mein Körper stellt sich gerade um. Ein schlechter Tag heißt nicht, dass du es nicht schaffst.
Viele bereiten sich nur auf die ersten Tage vor. Dann werden die körperlichen Beschwerden leichter, und plötzlich kommen Leere, Gereiztheit oder Gedanken an einen Rückfall. Das fühlt sich wie ein Rückschritt an, ist aber meist die nächste Phase. Bei uns heißen die drei Phasen Reset, Resilienz und Fokus.
Was nach deinem Starttag kommt
Die körperlich härtesten Tage liegen am Anfang. Die höchste Rückfallgefahr kommt erst danach. Plane deshalb auch die Wochen nach der ersten Woche mit ein. Mehr zu jeder Phase steht unter die 3 Phasen des Cannabis-Entzugs, alle Beschwerden im Überblick unter Die 12 häufigsten Entzugserscheinungen durch Cannabis.

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Suchtdruck kommt oft in Wellen. Mitten in der Welle wirkt Kiffen plötzlich logisch. Deshalb brauchst du den Plan vorher, solange du klar denken kannst.
Sei dabei ehrlich zu dir: Es ist Tag vier, 22 Uhr, du bist allein und gereizt. Dein Kopf sagt, ein Joint würde jetzt alles leichter machen. In diesem Moment denkst du dir keinen guten Plan mehr aus. Du kannst nur noch einen ablesen.
Schreib dir deshalb drei Sofortschritte auf, am besten als Notiz im Handy:
Das Ziel in diesem Moment ist klein: die Welle vorbeiziehen lassen, bis du wieder klarer denkst. Mehr musst du in dieser Viertelstunde nicht schaffen.
Wenn Rückfallgedanken bei dir schnell stark werden, lies vorher Rückfall beim Kiffen aufhören.
Dein Körper braucht in den ersten Tagen einfache Hilfe: Essen, Wasser, Schlaf, Bewegung und so wenig zusätzlichen Stress wie möglich.
Kauf vorher ein, damit der Kühlschrank am Starttag voll ist: Haferflocken, Bananen, Reis, Eier, Joghurt, Suppe, Nüsse, Obst, Gemüse und Mineralwasser. Wenn der Appetit weg ist, sind kleine Portionen besser als gar nichts.
Trink weniger Kaffee, wenn du schnell unruhig wirst. Lass Alkohol in den ersten Wochen weg. Sonst wird schnell das Bier zur neuen Lösung für den Abend, und nach ein paar Gläsern hält dein Entschluss gegen den Joint viel weniger aus.
Plane auch Bewegung fest ein, etwa einen Spaziergang am Abend oder eine Runde Sport nach der Arbeit. Bewegung baut Anspannung ab und macht dich abends müde. Fachleute zählen sie zusammen mit Schlaf, Essen und Trinken zu den Grundlagen im Entzug.
Hilfsmittel können sinnvoll sein, wenn sie zu deinem Problem passen. Manchen hilft Magnesium bei Anspannung oder niedrig dosiertes Melatonin, wenn der Schlafrhythmus verschoben ist. Andere mögen Baldrian oder Tee als Ritual am Abend. Wichtiger bleibt ein fester Tagesablauf. Mehr dazu steht unter Schlafstörungen im Dauerkiffer-Entzug.
Du musst heute nicht alles auf einmal erledigen. Fang mit dem Datum an und räum danach die Wohnung leer. Jeder Schritt, den du vorher erledigst, ist eine Entscheidung weniger in der schweren Stunde.
Wenn du dir für die Wochen nach dem Start eine Begleitung wünschst, führt dich unser Online-Programm Schritt für Schritt durch Reset, Resilienz und Fokus.
Ein paar Tage reichen oft. Wichtig sind Datum, Wohnung, Umfeld, Abendplan und Notfallplan. Zu langer Vorlauf kann wieder zum Verschieben führen.
Beides kann funktionieren. Fachleute halten es für möglich, dass langsames Reduzieren über mehrere Wochen die Beschwerden mildert, gut untersucht ist das aber noch nicht. Viele kommen mit einem klaren Schnitt besser zurecht, weil das tägliche Verhandeln endet. Wenn du reduzierst, leg vorher fest, wie viel du wann nimmst und an welchem Tag Schluss ist.
Ja, viele kiffen bis zum letzten Abend. Wichtig ist nur, dass du nichts mehr nachkaufst. Plane den letzten Joint so, dass danach nichts übrig bleibt, und räum gleich am nächsten Morgen alles weg.
Ja, mindestens einer Person, der du vertraust. Ein kleiner Kreis mit Rückhalt reicht oft. Wichtig ist, dass diese Person weiß, dass du dich auch spät abends melden darfst.
Räum alles weg, was einen Rückfall leicht macht, und plane die ersten Abende. Genau dort entscheidet sich oft, ob der erste Druck in die alte Gewohnheit führt oder ob du anders reagierst.
Die meisten schaffen den Cannabis-Entzug ohne Klinik. Hol dir aber ärztliche Begleitung, wenn du zusätzlich Alkohol oder andere Drogen nimmst, eine psychische Erkrankung hast oder es schon mehrmals allein nicht geklappt hat. Erster Schritt ist dann ein Termin beim Hausarzt oder bei einer Suchtberatung.

Über den Autor
Mike R. · Texter im AZK-Team
Mike R. schreibt als Texter im AZK-Team. Er hat zwölf Jahre lang jeden Tag konsumiert, wurde über eine Suchtberatung clean und hat später selbst dort gearbeitet. Heute lebt er im Ausland.
Mehr über das AZK-Team →
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