Zigaretten und Kiffen gleichzeitig aufhören

Aschenbecher und zerknuellte Zigarettenschachtel als Symbol fuer Zigaretten und Kiffen gleichzeitig aufhoeren

Du rauchst Zigaretten und Joints. Vielleicht sogar beides zusammen, weil der Joint bei dir fast immer mit Tabak gebaut wird. Jetzt willst du aufhören und merkst sofort: Cannabis ist nur ein Teil davon. Dazu kommen Nikotin, der Griff zur Zigarette, der Kaffee am Morgen, Pausen, Stress, Langeweile und dieser kurze Moment, in dem der Kopf einfach Ruhe will.

Zigaretten und Kiffen gleichzeitig aufhören kann funktionieren. Es kann aber auch genau der Grund sein, warum du nach ein paar Tagen wieder einknickst. Die bessere Frage lautet deshalb: Welche Reihenfolge passt zu deinem Konsummuster, deinem Alltag und deiner Belastbarkeit in den ersten Wochen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer Joints mit Tabak raucht, hängt meist an THC und Nikotin. Hörst du mit beidem auf, laufen zwei Entzüge gleichzeitig.
  • Der Nikotinentzug ist nach etwa 2 bis 5 Tagen am stärksten, der Cannabis-Entzug meist zwischen Tag 2 und Tag 6. Die erste Woche ist deshalb die härteste.
  • In einer kleinen Studie war der Entzug von beidem zusammen stärker als von einem allein, aber nur kurz. Einige fanden den doppelten Stopp sogar leichter.
  • Nikotinpflaster, Kaugummi oder Lutschtablette können den Nikotinentzug abfedern, ohne dass das Rauchritual bleibt.

Warum Cannabis und Zigaretten so eng zusammenhängen

Bei uns wird der Joint oft mit Tabak gebaut. Dann hängen zwei Süchte aneinander: THC und Nikotin. Dazu kommt das Ritual aus Drehen, Anzünden, Ziehen, Ausatmen und dem kurzen Moment, in dem der Kopf Ruhe hat.

Laut rauchfrei-info kann daraus eine Abhängigkeit entstehen, die den Ausstieg aus beidem schwerer macht. Wer mit Tabak kifft, hört nie nur mit einer Sache auf.

Wie der Joint mit Tabak beide Süchte verbindet

Du rauchst einen Joint mit Tabak
→
Du bekommst THC und Nikotin auf einmal
↑
↓
Die Zigarette erinnert dich an den Joint
←
Lässt das Nikotin nach, willst du wieder rauchen

Wenn du aufhörst, fehlen Rausch, Nikotin und Ritual auf einmal. Rauchst du weiter Zigaretten, bleibt ein Teil des alten Ablaufs bestehen. Du bist vielleicht clean vom Gras, aber Handbewegung, Rauch und Pause fühlen sich noch verdammt ähnlich an.

Deshalb brauchst du einen Plan für Cannabis, einen für Nikotin und einen für die Momente, in denen bisher beides zusammenkam: Feierabend, Balkon, der Abend mit dem Kumpel.

Drei Wege: gleichzeitig oder nacheinander

Erst mit dem Kiffen aufhören

Für viele ist das der ruhigere Weg: erst das Gras weg, dann die Zigaretten. Wenn Kiffen deine größte Flucht ist, sollte dieser Kreis zuerst brechen.

In den ersten Tagen rauchst du dann noch Zigaretten. Gesund ist das nicht, aber dein Kopf hat eine Baustelle weniger, während Schlaf, Gereiztheit, Appetit und Suchtdruck im Cannabis-Entzug schon genug Kraft kosten. Das passt, wenn du jeden Abend gekifft hast oder beim letzten Versuch vor allem am Drang zum Joint gescheitert bist.

Leg gleich am Anfang fest, wann die Zigaretten dran sind, zum Beispiel nach der Reset-Phase oder nach drei bis vier Wochen. Sonst wird die Zigarette dein neuer Begleiter bei Stress, in Pausen und zur Belohnung. Was dich in den ersten Wochen erwartet, steht in den 3 Phasen des Cannabis-Entzugs.

Beides gleichzeitig aufhören

Das ist der harte Schnitt. Joint, Zigarette und „nur kurz rausgehen“ fallen auf einmal weg. Für manche ist genau das klarer, vor allem wenn jeder Zug an der Zigarette sofort den Film vom Joint startet.

Dieser Weg passt, wenn du fast nur zum Joint rauchst, wenn du das Rauchen ganz loswerden willst oder wenn dich jede Zigarette zurück zum Gras zieht. Die ersten Tage werden dann unruhiger, weil zwei Entzüge aufeinandertreffen.

Räum deshalb vorher Tabak, Papers, Grinder, Aschenbecher und Feuerzeuge aus der Wohnung. Plan die ersten Abende und sag mindestens einer Person Bescheid. Mehr dazu findest du in den 15 Tipps für den Cannabis-Entzug.

Erst mit den Zigaretten aufhören

Das klingt logisch, wenn dir deine Lunge Sorgen macht. Rauchst du deine Joints aber mit Tabak, läuft das Nikotin über den Joint weiter. Du verschiebst die Sucht nur in eine andere Form.

Oft rauchst du dann weniger Zigaretten, baust aber öfter einen Joint. Das Gras bleibt deine Flucht, und das Nikotin hängt weiter dran. Dieser Weg passt eher, wenn du selten kiffst und die Zigaretten dein eigentliches Problem sind.

So sehen die drei Wege nebeneinander aus:

Gleichzeitig oder nacheinander

WegPasst eher, wennSchwierig, weil
Erst Cannabis, dann Zigarettendu viel kiffst und Zigaretten auch ohne Joint rauchstdie Zigarette leicht zum neuen Ersatz für den Joint wird
Beides gleichzeitigdu fast nur zum Joint rauchstsich in der ersten Woche zwei Entzüge überlagern
Erst Zigaretten, dann Cannabisdu selten kiffst und die Zigaretten dein Hauptproblem sinddas Nikotin über den Joint weiterläuft und du oft mehr kiffst

Was Studien zum gleichzeitigen Aufhören sagen

In einer Studie der Johns Hopkins University haben 12 Leute, die fast jeden Tag kifften und Zigaretten rauchten, jeweils fünf Tage lang aufgehört: einmal nur mit Gras, einmal nur mit Zigaretten, einmal mit beidem. Der Entzug von Cannabis allein war ungefähr so stark wie der von Tabak allein.

Ohne beides war der Entzug stärker, aber nur für kurze Zeit. Die Unterschiede zwischen den Teilnehmern waren groß. Einige fanden den doppelten Stopp sogar leichter, vermutlich weil nichts mehr ans Rauchen erinnert hat.

Eine Übersichtsarbeit aus Yale zeigt: Wer zum Gras auch Tabak raucht, hängt stärker am Cannabis und schafft den Ausstieg seltener als jemand, der ohne Tabak kifft. In einer Laborstudie wurden Kiffer, die auch Zigaretten rauchten, deutlich häufiger rückfällig. Ein paar Tage ohne Zigaretten haben daran dort allerdings nichts geändert.

Eine Schweizer Studie beschreibt, dass viele nach dem Stopp von nur einer Sache mehr von der anderen rauchen. Laut einer weiteren Übersichtsarbeit gibt es erste Hinweise, dass der Ausstieg aus beidem besser gelingt. Eindeutig belegt ist das noch nicht.

Wie du die richtige Reihenfolge für dich findest

Schau dir an, wann du was rauchst. Daraus ergibt sich die Reihenfolge, die zu dir passt.

Brauchst du morgens schon die Zigarette, kiffst aber erst abends, sind es zwei getrennte Baustellen. Dann kannst du erst das Kiffen stoppen und den Rauchstopp fest einplanen. Oder du bereitest mit Nikotinersatz direkt beides vor.

Wenn du fast nur rauchst, wenn du kiffst, ist der gemeinsame Stopp oft klarer. Dann gehört die Zigarette direkt zum Joint-Ritual.

Willst du bei Stress sofort beides, brauchst du vor allem einen Plan für diesen Druck. Entscheidend wird der Abend um 21 Uhr, wenn du unruhig bist, nichts mit dir anzufangen weißt und dein Kopf dir erzählt, dass heute ein schlechter Tag zum Aufhören ist.

Genau dort beginnt der Rückfall oft, beim Verhandeln im Kopf, lange bevor du wirklich rauchst. Wenn du das kennst, lies auch Kiffen aufhören und Rückfall.

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Nikotinersatz kann den gleichzeitigen Stopp leichter machen

Nikotinpflaster, Nikotinkaugummi oder Lutschtablette geben dir Nikotin ohne Rauch und ohne das alte Ritual. Laut rauchfrei-info wirkt das besser, wenn du dir zusätzlich Begleitung beim Aufhören holst.

Beim doppelten Stopp hat das einen klaren Vorteil. Dein Körper bekommt sein Nikotin, und du hast mehr Kraft für den Cannabis-Entzug. Die brauchst du für Schlaf, Essen und die Abende, an denen du sonst zum Joint gegriffen hättest.

Bei starker Abhängigkeit nennt das Deutsche Krebsforschungszentrum das Pflaster zusammen mit einem schnellen Mittel wie Kaugummi oder Lutschtablette für 8 bis 12 Wochen. Danach wird langsam reduziert. Halte dich an die Packungsbeilage und frag in der Apotheke nach.

Schwangere, Kinder und Jugendliche sollen laut rauchfrei-info keine Mittel zum Rauchstopp nehmen. Hast du Herzprobleme oder nimmst du Medikamente, sprich vorher mit deiner Hausarztpraxis.

Die E-Zigarette wirkt für viele wie ein leichter Ausweg. Ziehen, Inhalieren und der schnelle Nikotinkick bleiben aber sehr nah an der alten Gewohnheit. Wenn du sie nutzt, plan auch für sie ein Ende ein.

CBD, Schlaf und Hilfsmittel

Manche nehmen im Cannabis-Entzug CBD-Öl, wenn Unruhe oder schlechter Schlaf stark sind. Für das Nikotin und das Rauchritual brauchst du trotzdem einen eigenen Plan.

Wenn du CBD nutzt, dann als Öl oder Tropfen. CBD-Joints halten genau das Ritual am Leben, das du gerade loswerden willst. Mehr dazu steht im Artikel CBD im Cannabis-Entzug.

Wie lange der doppelte Entzug dauert

Der Nikotinentzug beginnt laut rauchfrei-info bald nach der letzten Zigarette. Nach etwa 2 bis 5 Tagen ist er am stärksten, nach 7 bis 10 Tagen meist deutlich milder. Typisch sind Unruhe, Gereiztheit, schlechter Schlaf, gedrückte Stimmung, Konzentrationsprobleme und mehr Hunger.

Eine große Übersichtsarbeit kommt auf 2 bis 4 Wochen, bis Wut, Unruhe und Schlafprobleme abklingen. Der Cannabis-Entzug beginnt meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Joint, am stärksten ist er zwischen Tag 2 und Tag 6. Beide Wellen treffen also in derselben ersten Woche aufeinander.

Ein Unterschied fällt beim Essen auf: Ohne Nikotin hast du oft mehr Hunger, ohne Gras oft weniger Appetit. Wundere dich nicht, wenn das in den ersten Tagen hin und her geht. So sieht der Verlauf in unseren drei Phasen aus:

Wie sich die zwei Entzüge überlagern

  1. Reset: Tag 1 bis 5Der Nikotinentzug ist nach 2 bis 5 Tagen am stärksten. Der Cannabis-Entzug beginnt nach 24 bis 48 Stunden, die schwersten Tage sind meist Tag 2 bis 6. In diesen Tagen treffen beide Entzüge zusammen.
  2. Resilienz: Tag 5 bis Woche 3 oder 4Nach 7 bis 10 Tagen ist der Nikotinentzug meist deutlich milder, Unruhe und Gereiztheit können noch 2 bis 4 Wochen dauern. Beim Cannabis kommen jetzt Gefühle und Stimmungsschwankungen stärker durch.
  3. Fokus: bis Woche 7Der Kopf wird klarer, der Suchtdruck kommt seltener. Der Schlaf braucht bei vielen bis etwa Woche 7.
  4. DanachNach langem, starkem Konsum zieht sich die Umstellung bis etwa 3 Monate. Auch der Schlaf kann so lange brauchen.

Ein einfacher Plan für die ersten 7 Tage

Tag 0: Vorbereitung

Räum alles weg, was mit Joints und Zigaretten zu tun hat. Entscheide, ob du Nikotinersatz nimmst, und kauf ihn vorher.

Schreib dir drei Dinge auf, die du machst, wenn der Druck kommt: rausgehen, duschen, jemanden anschreiben. Plan einfache Mahlzeiten und hab genug Wasser oder Tee da. Mehr dazu steht in der Vorbereitung auf den Cannabis-Entzug.

Tag 1 bis 3: die Drucktage

In diesen Tagen reicht ein kleines Ziel: die Welle vorbeiziehen lassen. Wenn der Drang kommt, diskutier so kurz wie möglich mit ihm.

Steh auf, wechsel den Raum, iss etwas Kleines oder geh zehn Minuten raus. Nach unserer Erfahrung ebbt so eine Welle oft nach etwa 20 Minuten ab, wenn du ihr nicht nachgibst.

Tag 4 bis 7: es wird wechselhaft

Einiges wird jetzt leichter, aber Stimmung, Schlaf und Gereiztheit können weiter schwanken. Genau dann denkst du schnell: „Jetzt müsste es doch besser sein.“

Gib dir Zeit. Der Nikotinentzug und der Cannabis-Entzug laufen in unterschiedlichem Tempo, und der zweite braucht länger.

Wann du dir Unterstützung holen solltest

Hol dir Hilfe, wenn du neben Cannabis und Nikotin regelmäßig Alkohol, Benzodiazepine, starke Schlafmittel oder andere Drogen nimmst. Das gilt auch bei Schwangerschaft, schweren Vorerkrankungen, starker Panik, Anzeichen einer Psychose oder schwerer Depression. Bei Gedanken, dir etwas anzutun, ruf die 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.

Für den Rauchstopp gibt es die kostenlose Telefonberatung unter 0800 8 31 31 31. Bei normalem Suchtdruck, Schlafproblemen oder Unruhe brauchst du vor allem einen guten Plan und Menschen, die dich aus dem alten Muster raushalten.

Wenn du dabei nicht allein sein willst: In unserem Online-Programm bringen wir zuerst den Körper zur Ruhe, ordnen dann die Gefühle ein und bauen ein Leben auf, in dem der Griff zu Joint und Zigarette immer weniger Macht hat.

Häufige Fragen

Ist es besser, erst mit dem Kiffen oder erst mit Zigaretten aufzuhören?

Wenn Cannabis dein Hauptproblem ist, hörst du meist besser zuerst mit dem Kiffen auf. Rauchst du fast nur zum Joint, ist der gemeinsame Stopp oft klarer. Erst die Zigaretten wegzulassen, ist bei Joints mit Tabak schwierig, weil das Nikotin über den Joint weiterläuft.

Ist der Entzug schlimmer, wenn ich beides gleichzeitig aufhöre?

In einer kleinen Studie war der Entzug von beidem zusammen stärker als von einem allein, aber nur für kurze Zeit. Einige Teilnehmer fanden den doppelten Stopp sogar leichter. Es kommt stark darauf an, wie du kiffst und rauchst.

Wie lange dauert der Nikotinentzug?

Am stärksten ist er nach etwa 2 bis 5 Tagen, nach 7 bis 10 Tagen meist deutlich milder. Unruhe, Gereiztheit und Schlafprobleme können 2 bis 4 Wochen anhalten. Der Cannabis-Entzug dauert länger, oft bis Woche 7.

Soll ich Nikotinpflaster benutzen, wenn ich mit Kiffen aufhöre?

Wenn du stark rauchst oder deine Joints immer mit Tabak gebaut hast, kann Nikotinersatz den Nikotinentzug abfedern. Dann kämpfst du in der ersten Woche nicht gegen zwei volle Entzüge auf einmal. Lass dich dazu in der Apotheke beraten.

Kann ich erstmal weiter Zigaretten rauchen?

Das kann ein Zwischenschritt sein. Leg aber gleich fest, wann der Rauchstopp kommt. In einer Laborstudie wurden Kiffer, die auch Zigaretten rauchten, deutlich häufiger rückfällig.

Warum habe ich nach dem Aufhören mal Heißhunger und mal gar keinen Appetit?

Ohne Nikotin bekommen viele mehr Hunger, ohne Cannabis oft weniger Appetit. Hörst du mit beidem auf, kann sich das abwechseln. Iss in den ersten Tagen regelmäßig kleine Mahlzeiten, auch wenn der Hunger fehlt.

Melli I., Texterin im AZK-Team

Über den Autor

Melli I. · Texterin im AZK-Team

Melli I. hat mit dreizehn angefangen zu kiffen und ist heute achtundzwanzig. Seit drei Jahren ist sie clean. Sie kennt den frühen Einstieg und den Abstand nach dem Ausstieg aus eigener Erfahrung.

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