Cannabis und Schlaganfall: Was die neue US-Studie wirklich zeigt

Cannabis und Schlaganfall: Was die neue US-Studie wirklich zeigt
Von Jan G.
Veröffentlicht am · Aktualisiert am

Eine neue US-Studie sorgt für Schlagzeilen: Menschen, die im letzten Monat an nur 1 bis 5 Tagen Cannabis konsumiert hatten, berichteten mit 40 Prozent höheren Odds, schon einmal einen Schlaganfall gehabt zu haben, als Menschen ohne Cannabiskonsum. Vorgestellt wird die Studie auf der Tagung der American Heart Association in Chicago (6. bis 9. November 2026). Hier erfährst du, was dahintersteckt, was die Zahlen nicht beweisen und warum die Ergebnisse trotzdem für dich relevant sein können.

Was die Forschenden gemacht haben

Die Studie stammt von Aabha Divya von der Tulane University School of Medicine. Dafür wurden Daten des Behavioral Risk Factor Surveillance System der US-Gesundheitsbehörde CDC aus den Jahren 2020 bis 2024 ausgewertet. Die Daten umfassen 442.906 Erwachsene, die im Schnitt 49 Jahre alt waren. Je nachdem, an wie vielen Tagen sie in den letzten 30 Tagen Cannabis konsumiert hatten, wurden sie in drei Gruppen eingeteilt: wenig (1 bis 5 Tage), mittel (6 bis 15 Tage) und viel (16 bis 30 Tage).

Jede dieser Gruppen wurde mit Menschen verglichen, die kein Cannabis konsumierten. Dabei rechneten die Forschenden weitere Faktoren heraus, darunter Tabakkonsum, Alkohol, Übergewicht, Diabetes, Nierenerkrankungen, Bewegung, Bildung und Einkommen.

Die Zahlen

  • Schlaganfall: 40 Prozent höhere Odds bei wenig Konsum und 25 Prozent bei viel Konsum.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen insgesamt: 23 Prozent bei wenig Konsum und 21 Prozent bei viel Konsum.
  • Herzinfarkt: Hier gab es keinen signifikanten Zusammenhang.

Die mittlere Konsumgruppe wird in der Mitteilung nicht erwähnt. Divya sagte selbst, dass man erwartet hatte, dass die Wahrscheinlichkeit mit häufigerem Konsum schrittweise steigt. „Aber das war nicht der Fall.“

Was diese Studie nicht beweist

Das ist der wichtigste Punkt: Die Studie zeigt einen Zusammenhang. Sie beweist nicht, dass Cannabis Schlaganfälle auslöst.

  • Es handelt sich um einen vorläufigen Abstract. Er wurde noch nicht begutachtet und ist in keiner Fachzeitschrift erschienen.
  • Die Daten stammen aus einer Querschnittsbefragung. Sie zeigen einen einzelnen Zeitpunkt, aber nicht, wie sich etwas über die Zeit entwickelt.
  • Alle Angaben beruhen auf Selbstauskunft. Das gilt sowohl für den Cannabiskonsum als auch für die Schlaganfall-Diagnose.
  • Menge und Wirkstärke sind unbekannt. Ein Joint pro Woche kann sehr Unterschiedliches bedeuten.
  • Manche Menschen haben nach einem Gesundheitsschreck möglicherweise ihren Konsum reduziert. Dadurch könnten Gelegenheitskonsumierende riskanter erscheinen, als sie tatsächlich sind. Außerdem können ehemalige Konsumierende in der Gruppe ohne aktuellen Konsum gelandet sein.

Außerdem sind „Odds“ nicht dasselbe wie Risiko. 40 Prozent höhere Odds bedeuten nicht, dass deine persönliche Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall um 40 Prozentpunkte steigt. Ein Schlaganfall ist in den meisten Altersgruppen selten. Deshalb bleiben auch die absoluten Zahlen für die meisten Menschen niedrig.

Aus diesem Grund solltest du Schlagzeilen wie „Cannabis erhöht das Risiko um 40 Prozent“ mit Vorsicht lesen. Die Studie sagt das so nicht.

Warum sie trotzdem Beachtung verdient

Es ist kein Einzelfall. Eine vom NIH geförderte Auswertung aus dem Jahr 2024 mit 434.104 Erwachsenen fand bei täglichem Cannabiskonsum 42 Prozent höhere Schlaganfall-Odds und 25 Prozent höhere Herzinfarkt-Odds. Die neue Studie deutet darauf hin, dass dieser Zusammenhang möglicherweise schon bei seltenem Konsum auftritt. Der externe Experte Robert L. Page II von der University of Colorado empfahl laut AHA, Cannabis für die Herzgesundheit ähnlich ernst zu nehmen wie Tabak.

Viele reden sich ein, dass gelegentliches Kiffen am Wochenende automatisch harmlos ist. Die Studie widerlegt das zwar nicht, liefert aber einen weiteren Grund, den eigenen Konsum nicht herunterzuspielen, nur weil man nicht täglich kifft.

Was das heißt, wenn du ans Aufhören denkst

Du musst nicht jeden Tag kiffen, um einen guten Grund zum Aufhören zu haben. Wenn du merkst, dass Cannabis deinen Schlaf, deine Ängste, deinen Antrieb oder deine Gesundheit beeinflusst, reicht das völlig aus. Hast du Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Schlaganfälle in der Familie, solltest du offen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über deinen Konsum sprechen.

Wer Cannabis raucht oder verdampft, atmet außerdem Verbrennungsprodukte ein und nicht nur THC. Weniger oder gar nicht zu konsumieren ist gut für die Lunge und den Blutdruck, unabhängig davon, wie diese Studie am Ende bewertet wird.

Mit dem Kiffen aufzuhören ist nicht leicht. Die ersten Wochen ohne Cannabis können hart sein. Aber es ist machbar, und du musst den Weg nicht allein gehen.

Fazit

Eine große Befragung bringt gelegentlichen Cannabiskonsum mit höheren Odds für einen selbst berichteten Schlaganfall in Verbindung. Die Ergebnisse sind vorläufig, beruhen auf Selbstauskunft und belegen keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang. Sie sind ein Signal, das man im Auge behalten sollte, aber kein Urteil. Gleichzeitig bieten sie Anlass, ehrlich auf den eigenen Konsum zu schauen.

Quelle: American Heart Association Newsroom, „Cannabis use linked to an increased risk of cardiovascular disease, especially strokes“, 2. November 2026.

Jan G., High-Performance- und Motivationscoach im AZK-Team

Über den Autor

Jan G. · High-Performance- und Motivationscoach

Jan G. ist High-Performance- und Motivationscoach. Er arbeitet für viele bekannte Leute und weiß, wie sich Leistungsfähigkeit und Motivation verbessern lassen. Sein Schwerpunkt liegt auf allem Mentalen.

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Häufige Fragen

Ich habe es schon oft versucht. Kann es trotzdem klappen?

Ja. Jeder Versuch zeigt dir, wo dein Plan noch Lücken hatte. Entscheidend ist, aus dem letzten Versuch konkrete Regeln für den nächsten zu machen.

Gibt es ein Mittel gegen Rückfall?

Ein Medikament, das Rückfälle beim Cannabis verhindert, gibt es nicht. Die verlässlichsten Hebel sind Strategie, Unterstützung, Schlaf, Umfeld und klare Routinen.

Wie lange dauert es, bis es leichter wird?

Die körperlichen Entzugserscheinungen werden bei vielen nach zwei bis vier Wochen deutlich schwächer. Psychische Gewohnheiten und alte Auslöser brauchen oft länger. Genau deshalb ist Struktur so wichtig.

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