Wie lange wirkt Cannabis? Onset und Dauer erklärt

Wanduhr in einer hellen Küche

Wie lange dauert es, bis Cannabis wirkt, und wann ist es wieder vorbei? In Foren liest du dazu alles von 15 Minuten bis zum ganzen Tag, und meistens stimmt beides irgendwie.

Der Grund ist die Konsumform. Ein Joint und ein Keks wirken komplett unterschiedlich, und die Wirkung ist noch einmal etwas anderes als die Zeit, in der THC im Drogentest auftaucht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Geraucht oder verdampft spürst du THC nach Sekunden bis wenigen Minuten. Am stärksten ist es nach 15 bis 30 Minuten, nach 2 bis 3 Stunden lässt die Wirkung nach.
  • Gegessen setzt die Wirkung erst nach 30 bis 90 Minuten ein, ist nach 2 bis 3 Stunden am stärksten und kann 4 bis 12 Stunden anhalten.
  • Zum Autofahren reicht das Abklingen des Highs nicht. Nach dem Rauchen waren in Studien die meisten Fähigkeiten erst nach etwa 5 Stunden wieder da, nach dem Essen dauert es länger.
  • Wie lange THC wirkt und wie lange es im Drogentest auftaucht, sind zwei verschiedene Fragen. Nachweisbar ist es deutlich länger.

Wirkungseintritt und Wirkdauer: zwei verschiedene Fragen

Wenn du wissen willst, wie lange Cannabis wirkt, stecken eigentlich zwei Fragen darin. Wann geht es los? Und wann ist es wieder vorbei? Das Erste nennen Fachleute Onset, also den Wirkungseintritt.

Beides hängt vor allem davon ab, auf welchem Weg das THC in dein Blut kommt. Über die Lunge geht es schnell. Über den Magen dauert es, weil das THC erst durch die Leber muss.

Dazu kommen die Menge, der THC-Gehalt und wie sehr dein Körper an Cannabis gewöhnt ist. Wo THC im Körper überhaupt andockt, steht im Artikel Das Endocannabinoid-System einfach erklärt.

Eine große Übersichtsarbeit zur Wirkung von Cannabis hat die typischen Zeiten für Rauchen und Essen zusammengetragen. So sehen sie aus:

Wie lange Cannabis wirkt, je nach Konsumform

KonsumformWirkungseintrittHöhepunktDauer
Geraucht oder verdampftnach Sekunden bis wenigen Minutennach 15 bis 30 Minutenlässt nach 2 bis 3 Stunden nach
Gegessen oder getrunkennach 30 bis 90 Minutennach 2 bis 3 Stundenetwa 4 bis 12 Stunden

Das sind Durchschnittswerte. Bei dir können sie je nach Menge und Gewöhnung früher oder später liegen.

Geraucht oder verdampft: schnell da, schnell weg

Beim Rauchen oder Verdampfen geht das THC über die Lunge direkt ins Blut. Messbar ist es dort schon nach dem ersten Zug, die höchsten Werte kommen nach wenigen Minuten. Deshalb merkst du einen Joint oder eine Bong fast sofort.

Am stärksten ist das High nach etwa 15 bis 30 Minuten. Danach lässt es langsam nach, und nach 2 bis 3 Stunden ist der größte Teil vorbei. Bei einer hohen Menge dauert es entsprechend länger.

Ob Joint, Bong oder Vaporizer, entscheidet vor allem darüber, wie viel THC du in kurzer Zeit aufnimmst. Das Grundmuster bleibt gleich: schnell rein und nach ein paar Stunden wieder runter.

Gegessen: spät da, lange da

Bei Keksen, Brownies, Fruchtgummis oder Öl zum Schlucken läuft es ganz anders. Das THC wird im Darm aufgenommen und geht zuerst durch die Leber. Dort wird ein Teil zu 11-Hydroxy-THC umgebaut, einem Abbauprodukt, das selbst berauscht.

Insgesamt kommt beim Essen nur ein kleiner Teil des THC im Blut an, geschätzt 6 bis 20 Prozent. Die Wirkung setzt erst nach 30 bis 90 Minuten ein und ist nach 2 bis 3 Stunden am stärksten. Dafür hält sie lange, je nach Menge 4 bis 12 Stunden.

Genau hier passiert der klassische Fehler. Nach einer halben Stunde merkst du nichts, also isst du noch ein Stück. Eine Stunde später wirkt beides gleichzeitig, und zurückdrehen kannst du dann nichts mehr.

Zu viel THC zeigt sich oft als Herzrasen, Angst oder Panik. Fettiges Essen kann außerdem dafür sorgen, dass mehr THC aufgenommen wird, weil es sich in Fett löst. Edibles sind also nicht milder als ein Joint, sie sind nur schwerer zu steuern.

Öl unter der Zunge und Mundspray

Manche Öle und das Medikament Sativex werden über die Mundschleimhaut aufgenommen. So umgeht ein Teil des THC die Leber. Feste Zeiten wie beim Joint oder beim Keks gibt es dafür kaum, weil dieser Weg wenig untersucht ist. Cannabisblüten zahlt die gesetzliche Krankenkasse inzwischen nicht mehr, und was es bedeutet, dass Blüten keine Kassenleistung mehr sind, erklären wir ausführlich.

Wie schnell es wirkt, hängt davon ab, wie viel du wirklich unter der Zunge behältst und wie viel du am Ende doch schluckst. Diese Form spielt vor allem bei Cannabis auf Rezept eine Rolle, mehr dazu im Artikel Medizinisches Cannabis in Deutschland.

Warum es bei dir anders wirken kann

Zwei Leute rauchen denselben Joint, und der eine ist nach einer Stunde wieder klar, während der andere den ganzen Abend drauf ist. Das hat vor allem drei Gründe.

1. Gewöhnung

Wer regelmäßig kifft, merkt weniger. In einer großen Auswertung von Fahr- und Konzentrationstests waren regelmäßige Kiffer deutlich weniger eingeschränkt als Leute, die nur ab und zu kiffen.

Das heißt nicht, dass bei dir nichts mehr passiert. Dein Körper hat sich nur an mehr THC gewöhnt und braucht mehr für dasselbe Gefühl. Wie das entsteht, steht im Artikel Cannabis-Toleranz.

2. Menge und THC-Gehalt

Je mehr THC du aufnimmst, desto stärker und länger wirkt es. Das gilt beim Rauchen genauso wie beim Essen. Die Spanne von 4 bis 12 Stunden bei Edibles kommt genau daher.

Dieselbe Menge Gras kann je nach Sorte sehr unterschiedlich viel THC enthalten. Wer die Sorte wechselt, weiß deshalb vorher nicht genau, wie lange er drauf sein wird.

3. Alkohol und Medikamente

In einer Studie mit verdampftem Cannabis hatten die Teilnehmer mehr THC im Blut, wenn sie vorher ein wenig Alkohol getrunken hatten. Alkohol und Kiffen zusammen verstärken sich also.

THC wird in der Leber von denselben Enzymen abgebaut, die auch viele Medikamente verarbeiten. Manche Medikamente können diesen Abbau deshalb verlangsamen oder beschleunigen. Wenn du regelmäßig Tabletten nimmst, frag in der Apotheke nach.

Was nach einem Joint passiert

  1. Nach Sekunden bis MinutenDas THC ist im Blut, die Wirkung beginnt.
  2. Nach 15 bis 30 MinutenDas High ist am stärksten.
  3. Nach 2 bis 3 StundenDie Wirkung lässt deutlich nach.
  4. Nach etwa 5 bis 7 StundenIn Studien sind fast alle Fähigkeiten, die man zum Fahren braucht, wieder zurück.
  5. DanachAbbauprodukte bleiben noch lange im Körper und können im Drogentest auftauchen.

Was am nächsten Tag noch nachwirkt

Viele haben am Morgen nach einem Abend mit Joint das Gefühl, dass der Kopf langsamer arbeitet. Die Studien dazu sind weniger eindeutig, als oft behauptet wird. Eine Übersicht über 20 Studien fand bei den meisten Tests am nächsten Tag keine messbare Einschränkung mehr.

Das akute High ist also meistens nach Stunden vorbei, nicht erst nach Tagen. Beim Schlaf sieht es anders aus. THC kann das Einschlafen beschleunigen, auf Dauer aber den Schlaf verschlechtern.

Wenn du abends kiffst und morgens trotzdem gerädert aufwachst, kann genau das dahinterstecken. Mehr dazu liest du im Artikel Cannabis und Tiefschlaf.

Wer jeden Tag kifft, kommt aus diesem Kreis kaum noch raus. Dann lautet die ehrliche Frage nicht mehr, wie lange ein Joint wirkt, sondern wann du zuletzt einen ganzen Tag ohne warst.

Autofahren nach dem Kiffen

Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum. Wer darüber fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Wer zusätzlich Alkohol trinkt, riskiert ein noch höheres Bußgeld.

Die Auswertung der Fahrstudien empfiehlt nach dem Rauchen mindestens 5 Stunden Pause, nach dem Essen eher länger. Bei regelmäßigem Konsum kann THC im Blut auch dann noch messbar sein, wenn du dich längst nüchtern fühlst.

Wirkdauer ist nicht Nachweisbarkeit

Dass die Wirkung nach ein paar Stunden weg ist, heißt nicht, dass THC aus dem Körper raus ist. Ein Teil wird im Fettgewebe gespeichert und nur langsam wieder abgegeben. Die Abbauprodukte tauchen deshalb im Urin noch auf, wenn du längst nichts mehr spürst.

Bei Gelegenheitskiffern geht es eher um Tage, bei Dauerkiffern um deutlich längere Zeiträume. Wie lange genau, steht im Artikel Nachweisbarkeit von THC einfach erklärt.

Kann man die Wirkung verkürzen?

Das geht leider nicht. Dein Körper baut THC in seinem eigenen Tempo ab. Für Wasser, Kaffee, kalte Duschen oder Sport gibt es keinen Beleg, dass sie das High schneller beenden.

Wenn es zu viel ist, hilft ein ruhiger Ort, etwas zu trinken und jemand, der bei dir bleibt. Bei Brustschmerzen, Atemnot oder wenn jemand nicht mehr ansprechbar ist, ruf den Notruf 112.

Wenn du merkst, dass du deinen Tag inzwischen danach planst, wann die Wirkung einsetzt und wann sie nachlässt, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf deinen Konsum. Unser Online-Programm begleitet dich Schritt für Schritt durch die ersten Wochen ohne Cannabis.

Häufige Fragen

Wie lange hält ein Joint an?

Das High ist nach 15 bis 30 Minuten am stärksten und lässt nach 2 bis 3 Stunden deutlich nach. Bei einer hohen Menge oder wenig Gewöhnung dauert es länger, bei Dauerkiffern ist es oft kürzer und schwächer.

Warum ist Nachlegen bei Edibles so riskant?

Am stärksten wirken Edibles erst nach 2 bis 3 Stunden. Wer nach einer halben Stunde nachlegt, weil er noch nichts merkt, nimmt meistens zu viel. Die volle Wirkung zeigt sich erst nach Stunden, und dann lässt sie sich nicht mehr zurückdrehen.

Wirkt Cannabis länger, wenn ich vorher esse?

Bei Edibles kann fettiges Essen dafür sorgen, dass mehr THC aufgenommen wird. Dann wirkt es stärker. Beim Rauchen spielt eine Mahlzeit nach heutigem Wissen kaum eine Rolle.

Warum spüre ich kaum noch etwas, obwohl ich viel rauche?

Dein Körper hat sich an THC gewöhnt. Bei regelmäßigem Konsum wirkt dieselbe Menge schwächer und kürzer. Das THC ist trotzdem im Blut, und auch die Gewöhnung selbst zeigt, dass dein Körper sich auf Cannabis eingestellt hat.

Wann kann ich nach dem Kiffen wieder Auto fahren?

Die Fahrstudien sprechen nach dem Rauchen für mindestens 5 Stunden Pause, nach Edibles für mehr. Entscheidend für das Gesetz ist aber der Grenzwert im Blut. Bei regelmäßigem Konsum kann er auch Stunden später noch überschritten sein.

Kann ich am nächsten Tag noch high sein?

Nach einem normalen Joint am Abend meistens nicht. Die meisten Studien finden am nächsten Tag keine messbare Einschränkung mehr. Nach einer großen Menge Edibles kann die Wirkung aber bis in die Nacht oder den Morgen reichen, und womöglich hast du trotzdem schlecht geschlafen.

Jan G., High-Performance- und Motivationscoach

Über den Autor

Jan G. · High-Performance- und Motivationscoach

Jan G. ist High-Performance- und Motivationscoach. Er arbeitet für viele bekannte Leute und weiß, wie sich Leistungsfähigkeit und Motivation verbessern lassen. Sein Schwerpunkt liegt auf allem Mentalen.

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