Du hast aufgehört zu kiffen und bemerkst dass dein Herz schneller schlägt als sonst, oder du misst deinen Blutdruck und er ist höher als erwartet. Das ist kein Zufall. Erhöhter Blutdruck und erhöhter Puls sind im Cannabis-Entzug bekannte Reaktionen des autonomen Nervensystems. Meistens vorübergehend. Aber es gibt Situationen wo genaueres Hinschauen sinnvoll ist.

Warum Cannabis den Blutdruck beeinflusst

Akut erhöht Cannabis den Blutdruck kurzzeitig, dann senkt es ihn. Bei regelmäßigem Langzeitkonsum reguliert der Körper das Blutdrucksystem auf den dauerhaften THC-Einfluss ein. Wenn das THC wegfällt, fehlt dieser regulierende Einfluss und das autonome Nervensystem reagiert mit einer Überaktivierung: erhöhter Herzschlag, verengte Blutgefäße, höherer Blutdruck.

Das ist die gleiche Mechanik die auch Schwitzen und Reizbarkeit im Entzug erklärt: Das Nervensystem hat gelernt mit THC zu arbeiten und muss sich jetzt ohne es neu kalibrieren.

Wie stark und wie lange?

Bei den meisten ist der erhöhte Blutdruck in den ersten fünf bis vierzehn Tagen am stärksten. Werte von 140/90 mmHg oder etwas darüber sind im Entzug nicht ungewöhnlich. Bei Menschen die schon vor dem Entzug Bluthochdruck hatten kann es stärker sein. Nach zwei bis drei Wochen normalisiert sich der Blutdruck bei den meisten wieder.

Wann zum Arzt?

Wenn der Blutdruck über mehrere Tage über 160/100 mmHg liegt, ist ein Arztbesuch sinnvoll. Wenn Kopfschmerzen, Sehstörungen, starkes Herzrasen oder Brustschmerzen hinzukommen sofort zum Arzt. Das sind mögliche Zeichen für hypertensive Krisen die medizinische Behandlung brauchen.

Wer bereits vor dem Cannabis-Entzug Herzprobleme oder unkontrollierten Bluthochdruck hatte sollte den Entzug ohnehin ärztlich begleiten lassen.

Was den Blutdruck im Entzug stabilisiert

Stress reduzieren: Stress und Blutdruck sind direkt verknüpft. Was den Entzug stressiger macht — Konflikte, schlechter Schlaf, zu viel Koffein — erhöht auch den Blutdruck. Eine ruhigere Umgebung in den ersten zwei Wochen ist keine Luxus, sondern medizinisch sinnvoll.

Koffein reduzieren: Kaffee und Energydrinks stimulieren das Herz-Kreislauf-System. Im Entzug wo das Nervensystem ohnehin überaktiviert ist, kann Koffein den Blutdruck zusätzlich erhöhen. Temporär reduzieren.

Kein Nikotin: Zigaretten erhöhen den Blutdruck kurzfristig nach jeder Zigarette. Für jemanden der ohnehin erhöhten Entzugs-Blutdruck hat ist das zusätzliche Belastung.

Ausdauertraining: Klingt paradox, aber regelmäßiges moderates Ausdauertraining senkt den Ruhepuls und den Blutdruck über Zeit. Den Entzug mit täglichem Spazierengehen oder leichtem Laufen begleiten ist eine der wirksamsten Maßnahmen für das Herz-Kreislauf-System.

Magnesium: Magnesium entspannt Blutgefäße und kann den Blutdruck moderat senken. Im Entzug wo Mineralstoffe durch Schwitzen verloren gehen ist Magnesium-Supplementierung doppelt sinnvoll.

Alkohol meiden: Alkohol erhöht den Blutdruck, besonders wenn er als Entspannung im Entzug genutzt wird. Im Entzug ist er ein schlechter Begleiter für das Herz-Kreislauf-System.

Langfristig: Positiver Effekt des Aufhörens

Nach dem Entzug normalisiert sich der Blutdruck meistens auf ein Niveau das unter dem der aktiven Konsumphase liegt. Regelmäßiger Cannabis-Konsum ist mit erhöhtem Herzkreislaufrisiko assoziiert. Wer aufhört, tut seinem Herz langfristig etwas Gutes, auch wenn die ersten Wochen das Gegenteil suggerieren.

Alle Entzugserscheinungen im Überblick: Die 12 häufigsten Entzugserscheinungen.

Häufige Fragen

Mein Blutdruck ist seit dem Aufhören erhöht. Ist das gefährlich?

Mäßig erhöhter Blutdruck (bis 150/95) für zwei bis drei Wochen im Entzug ist bekannt und meistens nicht gefährlich. Wenn er darüber liegt oder Beschwerden hinzukommen, Arzt aufsuchen. Langfristig wird sich der Blutdruck bei den meisten auf normalem oder besserem Niveau einpendeln als vor dem Aufhören.

Hatte Cannabis meinen Blutdruck gesenkt?

Möglicherweise. Chronischer Cannabis-Konsum hat komplexe Effekte auf das Herz-Kreislauf-System. Bei manchen Menschen wirkt es kurzfristig blutdrucksenkend. Wer diese dämpfende Wirkung gewohnt war, spürt den Wegfall stärker.

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