Cannabis legal: mehr Herzinfarkte in US-Kliniken?

Cannabis legal: mehr Herzinfarkte in US-Kliniken?
Von Jan G.
Veröffentlicht am · Aktualisiert am

Seit Cannabis in mehreren US-Staaten legal verkauft wird, kommen dort mehr Menschen mit Herzproblemen ins Krankenhaus. Das zeigt eine neue Studie im Fachjournal BMJ Open, die am 22. Oktober 2026 erschienen ist. Die Zahlen klingen alarmierend, doch um sie richtig einzuordnen, muss man genau hinschauen, was sie belegen und was nicht.

Was die Forscher untersucht haben

Das Team um Slavin SD hat Daten aus den Jahren 2012 bis 2018 ausgewertet, insgesamt rund 50 Millionen Entlassungsdatensätze aus US-Krankenhäusern. Die zugrunde liegende Datenbank, die National Inpatient Sample, deckt etwa 97 Prozent der US-Bevölkerung ab.

Verglichen wurden die 13 Staaten der Region West mit Regionen ohne Legalisierung. Im Westen, etwa in Colorado, Washington, Oregon und Kalifornien, begann der legale Verkauf für den Freizeitkonsum ab Januar 2014, etwa fünf Jahre früher als anderswo. Die Forscher haben untersucht, wie sich die Krankenhausaufnahmen im Westen im Vergleich zum Rest entwickelt haben. Als Ausgangspunkt dienten die Jahre 2012 und 2013, also die Zeit vor dem legalen Verkauf.

Die Ergebnisse im Überblick

Mit jedem Jahr, in dem Cannabis legal verkauft wurde, stiegen die Krankenhausaufnahmen im Westen nach Anpassung der Daten deutlich an:

  • Herzinsuffizienz: knapp 4 Prozent mehr pro Jahr
  • Herzinfarkt: gut 3 Prozent mehr pro Jahr
  • Vorhofflimmern und Vorhofflattern: gut 2 Prozent mehr pro Jahr

Auch bei Schlaganfällen, Venenthrombosen und Kammertachykardien zeigte sich ein Anstieg, der statistisch allerdings nicht belastbar war. Die Patienten im Westen waren im Durchschnitt jünger (51 gegenüber 55 Jahren) und kamen häufiger aus Postleitzahlgebieten mit höherem Einkommen.

Wichtig dabei: Die Prozentwerte gelten für jedes Jahr mit legalem Verkauf, nicht für den gesamten Zeitraum.

Was die Studie nicht beweist

Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Sie zeigt einen Zusammenhang, aber keine Ursache. Dabei bleiben einige Fragen offen:

  • Die einzelnen Staaten konnten nicht getrennt betrachtet werden.
  • Die Konsumform ist unbekannt: Rauchen, Verdampfen oder Esswaren.
  • Illegaler Konsum wurde nicht berücksichtigt.
  • Es wurde nicht erfasst, ob die Patienten selbst Cannabis konsumiert hatten.

Die Aussage „Legalisierung verursacht Herzinfarkte“ lässt sich aus diesen Daten also nicht ableiten. Die Autoren raten zu einem vorsichtigen Umgang mit den Ergebnissen und fordern, Daten zu den Folgen für Herz und Kreislauf systematisch zu erfassen.

Was das für dich bedeutet

Wenn du regelmäßig konsumierst, solltest du diese Nachricht nicht einfach beiseiteschieben. Die Studie kann nicht sagen, was bei dir persönlich passiert. Sie liefert aber einen weiteren Hinweis darauf, dass Cannabiskonsum den Körper belasten kann.

Wer Herzrasen, Druck auf der Brust oder Herzstolpern bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen und dabei offen über den eigenen Konsum sprechen. Das gilt besonders für junge Erwachsene, die sich bisher für gesund gehalten haben.

Außerdem bezieht sich die Studie auf die USA und nicht auf Deutschland. Die Zahlen lassen sich deshalb nicht einfach auf Deutschland übertragen. Die Frage, ob das eigene Herz bereits belastet ist, bleibt trotzdem berechtigt.

Mit dem Kiffen aufzuhören, liegt in deiner eigenen Hand. Damit nimmst du deinem Körper eine Belastung ab, unabhängig davon, wie die Zahlen am Ende eingeordnet werden.

Quelle

Slavin SD et al.: „Cannabis legalisation and cardiovascular hospitalisations in the United States: nationwide difference-in-differences analysis, 2012 bis 2018“, BMJ Open, 22. Oktober 2026, DOI 10.1136/bmjopen-2025-111050. Die Originalstudie war für uns nicht abrufbar. Deshalb haben wir die Angaben mit der Pressemitteilung des Journals und zwei übereinstimmenden Berichten abgeglichen.

Jan G., High-Performance- und Motivationscoach im AZK-Team

Über den Autor

Jan G. · High-Performance- und Motivationscoach

Jan G. ist High-Performance- und Motivationscoach. Er arbeitet für viele bekannte Leute und weiß, wie sich Leistungsfähigkeit und Motivation verbessern lassen. Sein Schwerpunkt liegt auf allem Mentalen.

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Häufige Fragen

Ich habe es schon oft versucht. Kann es trotzdem klappen?

Ja. Jeder Versuch zeigt dir, wo dein Plan noch Lücken hatte. Entscheidend ist, aus dem letzten Versuch konkrete Regeln für den nächsten zu machen.

Gibt es ein Mittel gegen Rückfall?

Ein Medikament, das Rückfälle beim Cannabis verhindert, gibt es nicht. Die verlässlichsten Hebel sind Strategie, Unterstützung, Schlaf, Umfeld und klare Routinen.

Wie lange dauert es, bis es leichter wird?

Die körperlichen Entzugserscheinungen werden bei vielen nach zwei bis vier Wochen deutlich schwächer. Psychische Gewohnheiten und alte Auslöser brauchen oft länger. Genau deshalb ist Struktur so wichtig.

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