Mein Kind kifft in der Schule: Was Eltern jetzt tun

Eltern sprechen am Küchentisch miteinander

Ein Anruf aus der Schule, ein Gerücht unter Eltern oder ein Fund in der Schultasche: Wenn dein Kind in der Schule kifft, kommen erst Wut und Angst. Bevor du handelst, hilft es zu wissen, was das Gesetz sagt, was die Schule darf und wie du mit Lehrern und deinem Kind redest, ohne dass es eskaliert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Jugendliche unter 18 bleiben Kauf und Besitz von Cannabis verboten. An Schulen und bis 100 Meter vom Schuleingang darf niemand kiffen.
  • Wird dein Kind mit einer kleinen Menge erwischt, wird es nicht bestraft. Die Polizei informiert aber dich und bei ernsten Sorgen auch das Jugendamt.
  • Was die Schule an Maßnahmen verhängen darf, regelt das Schulgesetz deines Bundeslands. In Bayern zum Beispiel müssen Eltern vor schwereren Schritten angehört werden.
  • Geh ruhig in die Gespräche mit Schule und Kind. Dein Kind braucht jetzt klare Regeln und gleichzeitig dich an seiner Seite.

Erst klären, was eigentlich passiert ist

Wenn du hörst, dass dein Kind in der Schule kifft, kommen meistens zuerst Wut oder Angst. Das ist normal. Trotzdem lohnt es sich, nicht in der ersten Stunde zu entscheiden.

Bevor du etwas unternimmst, brauchst du ein klares Bild. Wie du davon erfahren hast, verändert, was als Nächstes sinnvoll ist.

1. Die Schule hat dich angerufen

Dann ist die Sache offiziell, und die Schule erwartet eine Reaktion von dir. Frag ruhig nach, was genau passiert ist: Wurde dein Kind beim Kiffen gesehen, hatte es etwas dabei oder gab es nur einen Hinweis?

Frag auch, ob eine Maßnahme geplant ist und ob es einen Termin gibt. Versprich noch nichts, bevor du mit deinem Kind gesprochen hast.

2. Du hast es selbst herausgefunden

Vielleicht hat dein Kind etwas erzählt, oder du hast etwas in der Schultasche gefunden. Dann weiß die Schule unter Umständen gar nichts davon.

In diesem Fall musst du nicht sofort die Schule einschalten. Kläre zuerst zu Hause, was los ist. Anders ist es, wenn andere Kinder betroffen sind, etwa weil dein Kind auf dem Schulhof Cannabis weitergibt.

3. Andere Eltern haben es dir erzählt

Gerüchte sind schwer einzuschätzen. Manchmal stimmt alles, manchmal ist es eine Verwechslung oder Gerede aus dem Klassenchat.

Sprich dein Kind offen darauf an und sag, woher du es hast. Wer ein Gerücht als Tatsache hinstellt, verliert schnell an Glaubwürdigkeit, wenn es nicht stimmt.

Was das Gesetz sagt

Seit April 2024 gilt in Deutschland das Konsumcannabisgesetz. Für Erwachsene ist seitdem einiges erlaubt, für Jugendliche hat sich wenig geändert. Unter 18 bleiben Kauf, Besitz und Anbau verboten.

Für die Schule gibt es eine eigene Regel: In Schulen und in deren Sichtweite darf niemand kiffen, auch kein Erwachsener. Das Gesetz sagt im Überblick:

Was das Gesetz für dein Kind regelt

SituationWas gilt
Kauf oder Besitz unter 18verboten, auch bei kleinen Mengen
Kiffen in der Schule oder in Sichtweitefür alle verboten, die Sichtweite endet 100 Meter vom Eingang
Dein Kind wird mit einer kleinen Menge erwischtdas Cannabis wird sichergestellt, die Polizei informiert die Eltern
Es gibt ernste Sorgen um das Wohl des Kindesdie Polizei informiert zusätzlich das Jugendamt
Weitergeben oder Verkaufen an Mitschülerstrafbar, auch für Jugendliche

Für dein Kind heißt das: Mit einer kleinen Menge erwischt zu werden, ist keine Straftat. Eine Meldung an dich gibt es trotzdem, und das Cannabis ist weg.

Schaltet die Polizei das Jugendamt ein, soll es gemeinsam mit dir darauf hinwirken, dass dein Kind ein Frühinterventionsprogramm besucht. Das ist eine Hilfe und keine Strafe. Solche Kurse sollen Jugendlichen helfen, ihr Kiffen ehrlich anzuschauen und aufzuhören.

Was die Schule darf

Welche Folgen das Kiffen an der Schule hat, regelt jedes Bundesland in seinem Schulgesetz. Die Schule kann erzieherische Maßnahmen und Ordnungsmaßnahmen verhängen.

In Bayern zum Beispiel reicht das vom schriftlichen Verweis über den Wechsel in eine Parallelklasse bis zum Ausschluss vom Unterricht. Vor dem Klassenwechsel und allem, was darüber hinausgeht, müssen dort die Eltern angehört werden.

Frag deshalb nach, was genau geplant ist, und nutze dein Recht auf ein Gespräch. Wie es in deinem Bundesland geregelt ist, kann dir die Schulleitung sagen.

Das Gespräch mit der Schule

Lehrer, Schulleitung und Schulsozialarbeit sind nicht deine Gegner. Viele haben solche Fälle schon erlebt und wollen, dass dein Kind seinen Abschluss schafft. Drei Dinge helfen im Gespräch.

1. Erst zuhören

Lass dir schildern, was die Schule beobachtet hat, auch schon vor dem Vorfall. Lehrern fallen Müdigkeit, Fehlzeiten oder schlechtere Noten oft früher auf als Eltern.

Schreib mit, was gesagt wird. Dann kannst du es später in Ruhe mit deinem Kind besprechen und musst dich nicht auf dein Gedächtnis verlassen.

2. Nach Unterstützung fragen

Frag, ob es an der Schule eine Schulsozialarbeit, eine Vertrauenslehrerin oder eine Beratungslehrkraft gibt. Ein Erwachsener an der Schule, dem dein Kind vertraut, kann viel bewirken.

Manche Schulen arbeiten mit einer Suchtberatungsstelle in der Nähe zusammen. Frag, ob es so einen Kontakt gibt und wie man ihn erreicht.

3. Gemeinsam einen Plan machen

Vereinbart, wie es weitergeht: Wer meldet sich bei wem, wenn wieder etwas auffällt? Gibt es einen Termin, an dem ihr gemeinsam schaut, wie es läuft?

Sag deinem Kind danach offen, was ihr besprochen habt. Sonst hat es schnell das Gefühl, dass hinter seinem Rücken über es entschieden wird.

Das Gespräch mit deinem Kind

Für das Gespräch zu Hause gilt: allein, ohne Zeitdruck und ohne Vorwurf zum Einstieg. Ein Satz wie „Die Schule hat angerufen. Ich will verstehen, wie es dir damit geht“ öffnet mehr als jede Anklage.

Verlange nicht alles auf einmal. „Nicht mehr in der Schule“ ist eine Absprache, die dein Kind einhalten kann. „Du hörst ab sofort auf“ wird dagegen oft einfach umgangen.

Wie du das Gespräch aufbaust und was du tust, wenn dein Kind alles abstreitet, steht ausführlich in Jugendlicher kifft: So sprichst du es an.

Was die Lage verschärft

Manche Reaktionen sind verständlich, machen es aber meistens schlimmer:

  • Pauschaler Hausarrest oder Handyverbot. Das trifft Dinge, die mit dem Kiffen nichts zu tun haben, und fühlt sich für dein Kind nach Rache an.
  • Heimliche Drogentests. Sie zeigen deinem Kind vor allem, dass du ihm nicht traust, und laden zum Tricksen ein.
  • Andere Eltern zur Rede stellen. Das bringt dein Kind im Freundeskreis in eine schwierige Lage, bevor du selbst alles weißt.
  • Im Gespräch mit der Schule ganz auf deren Seite gehen. Dann fühlt sich dein Kind von allen Erwachsenen allein gelassen.

Dein Kind braucht jetzt klare Regeln und gleichzeitig das Gefühl, dass du hinter ihm stehst. Beides schließt sich nicht aus.

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Wenn dein Kind aufhört: was das für die Schule heißt

Will dein Kind aufhören, merkt man das auch in der Schule. Der Entzug beginnt meist ein bis zwei Tage nach dem letzten Joint und ist zwischen dem zweiten und sechsten Tag am stärksten. In dieser Zeit schlafen viele schlecht und sind gereizt.

Die Konzentration kann deshalb in den ersten Tagen erst schlechter werden, bevor sie besser wird. Steht eine wichtige Prüfung an, sprich das ruhig mit den Lehrern ab.

Was im Entzug deines Kindes passiert

  1. Reset: Tag 1 bis 5Unruhe, Gereiztheit und schlechter Schlaf, am stärksten meist zwischen Tag 2 und 6. Konzentrieren fällt in diesen Tagen schwer.
  2. Resilienz: Tag 5 bis Woche 3 oder 4Der Körper wird ruhiger, dafür kommen Gefühle hoch, die das Kiffen gedämpft hat. Jetzt ist die Gefahr für einen Rückfall am größten.
  3. Fokus: bis Woche 7Gedächtnis und Konzentration kommen zurück, der Schlaf wird ruhiger.

Das Gehirn erholt sich schneller, als viele denken. In Hirnscans waren die Andockstellen für THC nach etwa vier Wochen ohne Cannabis weitgehend wieder auf normalem Stand. Eine Auswertung vieler Studien fand nach rund 25 Tagen Pause im Schnitt keine messbaren Nachteile beim Denken und Lernen mehr.

Wie die einzelnen Phasen genau verlaufen, steht in Cannabis-Entzug: Dauer, Phasen und Verlauf.

Wann du Hilfe von außen holen solltest

Manchmal reicht ein Gespräch zu Hause nicht mehr. Hol dir Unterstützung, wenn dein Kind täglich kifft, die Noten deutlich abrutschen, es andere Drogen nimmt oder sich zurückzieht und aggressiv wird.

Hört dein Kind Stimmen, fühlt es sich verfolgt oder hält es stur an Dingen fest, die nicht stimmen können, geh sofort mit ihm zum Arzt oder in die Notaufnahme. Das können Anzeichen einer Psychose sein, und die gehören in ärztliche Hände. Mehr dazu in Cannabis-Psychose: Anzeichen.

Der erste Schritt ist meist eine Suchtberatungsstelle. Sie berät auch dich allein, ohne dass dein Kind mitkommen muss. Eine Stelle in deiner Nähe findest du über die Beratungsstellen für Cannabiskonsumenten, anonym und kostenlos hilft auch das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550.

Was auf Dauer hilft

Ein einzelnes Gespräch löst selten etwas, das sich über Monate aufgebaut hat. Was hilft, ist Verlässlichkeit: Du bist da, du fragst nach und du hörst zu, ohne bei jeder Gelegenheit zu explodieren.

Rede mit deinem Kind nicht nur über Cannabis. Schule, Freunde, Pläne und Hobbys brauchen genauso Platz, sonst wird das Kiffen zum einzigen Thema zwischen euch.

Was du tun kannst, wenn dein Kind auch außerhalb der Schule kifft, liest du in Mein Kind kifft: Was Eltern jetzt tun können.

Und wenn dein Kind bereit ist aufzuhören und dabei Begleitung braucht, führt unser Online-Programm es Schritt für Schritt durch die ersten Wochen ohne Cannabis.

Häufige Fragen

Soll ich die Schule informieren, wenn sie noch nichts weiß?

Nicht aus dem ersten Reflex heraus. Kläre zuerst zu Hause, was los ist. Anders sieht es aus, wenn dein Kind Cannabis an Mitschüler weitergibt oder verkauft, denn dann sind andere Kinder betroffen, und das ist auch für Jugendliche strafbar.

Kann mein Kind wegen Kiffen von der Schule fliegen?

Die Entlassung von der Schule gehört zu den schwersten Maßnahmen. In Bayern steht davor zum Beispiel noch die Androhung der Entlassung. Wie es bei euch geregelt ist, steht im Schulgesetz deines Bundeslands.

Wie viel ist normales Ausprobieren, und wann wird es ernst?

Ein- oder zweimal auf einer Party ist bei Jugendlichen nicht ungewöhnlich. Kifft dein Kind mehrmals pro Woche oder schon vor und in der Schule, geht es nicht mehr ums Ausprobieren. Spätestens dann lohnt sich ein Termin bei einer Beratungsstelle.

Was, wenn mein Kind nicht aufhören will?

Das ist bei Jugendlichen häufig, viele sehen das Kiffen als ihre Sache. Dräng dann nicht auf sofortiges Aufhören, sondern trefft Absprachen, die dein Kind einhalten kann, zum Beispiel nicht in der Schule und nicht unter der Woche. Bleib dran, auch wenn es Monate dauert.

Wie sehr schadet Kiffen den Schulleistungen?

Laut Bundesgesundheitsministerium brechen Jugendliche, die kiffen, öfter die Schule ab und machen seltener einen Studienabschluss. Das gilt besonders, wenn sie früh und viel kiffen. Mehr dazu in Kiffen in der Jugend: 8 Risiken.

Jan B., Emotionscoach

Über den Autor

Jan B. · Emotionscoach

Jan B. arbeitet seit vielen Jahren als Emotionscoach. Er war selbst abhängig, nicht nur von Cannabis, sondern auch von Pornografie. Deshalb kennt er Abhängigkeit aus der eigenen Geschichte und aus seiner Arbeit mit Emotionen.

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