
Jugendlicher kifft: So sprichst du es an ohne ihn zu verlieren
Du willst ihn schützen, aber nicht spießig wirken. So sprichst du das Kiffen an, ohne dass er dichtmacht oder sofort auf Abwehr geht.
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Du hast gerade erfahren, dass dein Kind kifft. Vielleicht durch den Geruch im Zimmer, ein Gespräch oder einen Anruf aus der Schule. Was du als Mutter oder Vater jetzt tun kannst, hängt vor allem von zwei Fragen ab: Wie redest du mit deinem Kind, ohne den Draht zu verlieren, und geht es ums Ausprobieren oder schon um mehr?
Das Wichtigste in Kürze
Die meisten Eltern reagieren in den ersten Stunden auf eine von zwei Arten. Entweder gibt es einen großen Krach mit Verboten und knallenden Türen. Oder alle tun so, als wäre nichts gewesen, und hoffen, dass es sich von allein erledigt.
Beides ist verständlich, und beides bringt dich selten weiter. Was besser klappt: eine Nacht darüber schlafen und dann mit klarem Kopf reden.
Schreib dir in dieser Zeit auf, was du gesehen hast, was du fragen willst und was du noch nicht weißt. Wer sofort losschimpft, redet aus dem ersten Schreck heraus. Dein Kind merkt den Unterschied.
Wichtiger als jedes einzelne Wort ist, wie sich dein Kind im Gespräch fühlt. Fühlt es sich wie vor Gericht, geht es in die Verteidigung, und du erfährst nichts Echtes.
Setz dich in Ruhe hin, sag konkret, was du beobachtet hast, und frag offen nach. Hör mehr zu, als du redest, gerade am Anfang. Drohungen, die du selbst nicht durchziehen würdest, und Vergleiche mit anderen Kindern lässt du weg.
Wie du das Gespräch Schritt für Schritt aufbaust und welche Sätze sich für den Einstieg eignen, liest du hier: Jugendlicher kifft: So sprichst du es an.
Nicht jeder Jugendliche, der kifft, wird abhängig. Von allen, die Cannabis probieren, wird laut einer Übersicht der US-Suchtforscherin Nora Volkow etwa jeder Elfte abhängig. Wer schon als Teenager anfängt, bei dem ist es etwa jeder Sechste.
Wichtiger als ein einzelner Joint ist das Muster dahinter. Hellhörig solltest du werden, wenn mehrere dieser Punkte über Wochen zusammenkommen.
Was du bemerkst und was dahinterstecken kann
| Was du bemerkst | Was es bedeuten kann |
|---|---|
| Dein Kind kifft mehrmals pro Woche, auch allein | Cannabis ist mehr geworden als Spaß mit Freunden |
| Die Noten fallen ab, Hobbys werden aufgegeben | Das Kiffen nimmt den Platz ein, der vorher anderem gehört hat |
| Es kommt morgens kaum aus dem Bett | Der Tag richtet sich nach dem Kiffen |
| Ohne Joint ist es gereizt, unruhig oder schläft schlecht | Der Körper hat sich an THC gewöhnt |
| Geld verschwindet, die Erklärungen werden vage | Es wird mehr gekauft, als du denkst |
| Der Freundeskreis wechselt zu Leuten, die viel kiffen | Weniger zu kiffen wird im Umfeld schwer |
Ein einzelner Punkt sagt wenig, viele Jugendliche schlafen zum Beispiel ohnehin lange. Kommen aber mehrere davon zusammen und halten an, geht es nicht mehr ums Ausprobieren.
Dann ist ein zweites, ruhigeres Gespräch fällig, und ein Termin bei einer Beratungsstelle lohnt sich. Je früher du hinschaust, desto mehr kannst du noch bewegen.
Um richtig zu reagieren, hilft es zu wissen, wofür dein Kind das Kiffen gerade braucht. Meistens steckt einer von vier Gründen dahinter, oft auch mehrere.
Im Freundeskreis kiffen alle, und wer mitmacht, gehört dazu. So fängt es bei vielen an.
Ein Verbot zu Hause ändert daran wenig, solange die Abende mit den Freunden genauso weiterlaufen. Es hilft, wenn dein Kind auch Leute und Orte hat, bei denen Kiffen keine Rolle spielt.
Cannabis dämpft Angst, Stress und Grübeln und hilft beim Einschlafen. Wer mit Schulangst, Streit zu Hause oder Überforderung kämpft, findet im Joint schnell Erleichterung.
Genau darin liegt die Falle. Kifft dein Kind, weil es schlecht schläft oder Angst hat, löst ein Verbot das eigentliche Problem nicht. Es verschiebt es nur.
Kiffen kann zu einer Rolle werden: So bin ich jetzt, das gehört zu mir. Oft steckt auch der Wunsch dahinter, sich von Eltern oder Schule abzugrenzen.
Je lauter du dagegen anredest, desto besser passt diese Rolle. Ruhige, klare Worte nehmen ihr mehr Kraft als ein großer Streit.
Leere Nachmittage ohne echte Aufgabe und ohne Ziel sind ein guter Boden fürs Kiffen. Der Joint füllt die Leere mit einem Gefühl, als würde wenigstens irgendetwas passieren.
Hier lohnt sich die Frage, was deinem Kind gerade fehlt. Ein Hobby, ein Nebenjob oder ein Verein ersetzen keinen Joint. Aber sie füllen die Zeit, in der sonst einer angezündet wird.
Das Gehirn reift bis etwa Mitte 20. Laut Bundesgesundheitsministerium kann THC in dieser Zeit die Entwicklung stören. Je früher und je mehr jemand kifft, desto eher leiden Schule und Ausbildung.
Das ist kein Grund für Panik, aber ein Grund, nicht wegzuschauen. Was das für Gedächtnis, Antrieb und Psyche bedeutet, steht in Kiffen in der Jugend: 8 Risiken.
Der größte Fehler ist meistens nicht, zu streng oder zu locker zu sein. Er liegt darin, die eigene Angst zum Plan zu machen. Wer aus Angst handelt, kontrolliert entweder alles oder schaut gar nicht mehr hin.
Kontrollieren heißt: Zimmer durchsuchen, Handy lesen, ständig nachbohren. Das klappt ein paar Wochen. Dann lernt dein Kind vor allem, besser zu verstecken.
Wie Kontrolle und Heimlichkeit sich hochschaukeln
Das andere Extrem ist Wegschauen: das Thema nicht mehr ansprechen und hoffen, dass die Phase vorbeigeht. Dann kann sich über Monate ein festes Muster einschleifen.
Der Weg dazwischen ist anstrengender. Du bleibst im Kontakt, sagst, was dir Sorgen macht, setzt Grenzen und hörst zu. Du hast Einfluss, aber keine volle Kontrolle mehr, und wer das annimmt, kommt weiter.

Ratgeber für Eltern
Dein Kind kifft, und du kommst nicht mehr an es heran?
Unser kostenloser Ratgeber für Eltern zeigt dir, was im Kopf deines Kindes passiert, welche Sätze die Lage verschärfen und wie du ein Gespräch führst, das nicht im Streit endet. Trag deine E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihn dir kostenlos zu.
Nach dem ersten Gespräch kommt der Alltag. Jetzt entscheidet sich, ob sich etwas ändert oder alles wieder einschläft. Diese fünf Schritte haben sich bei vielen Familien bewährt.
Legt gemeinsam fest, was okay ist, was nicht und was passiert, wenn eine Absprache nicht eingehalten wird. Schreibt es auf, damit es später keinen Streit über den Wortlaut gibt.
Eine Absprache, die dein Kind einhalten kann, hält besser als eine Maximalforderung. „Unter der Woche nicht“ ist ein Anfang, auf dem ihr aufbauen könnt.
Schule, Schlafenszeiten, gemeinsame Mahlzeiten: Ein fester Tagesablauf bringt mehr als jede Predigt. Er gibt deinem Kind Halt, gerade wenn es weniger kifft.
Du musst dafür nicht jede Stunde planen. Ein gemeinsames Abendessen oder ein fester Termin am Wochenende reicht oft schon.
Manches erzählt dein Kind lieber dem Onkel, der Trainerin oder der Schulsozialarbeiterin als dir. Das ist kein Vertrauensbruch.
Hauptsache, es gibt einen Erwachsenen, mit dem dein Kind ehrlich reden kann. Du kannst so jemanden ins Spiel bringen, ohne alles mitbekommen zu müssen.
Wer jede Woche denselben Streit führt, dringt irgendwann nicht mehr durch. Kurze, ruhige Fragen wie „Wie lief deine Woche?“ bringen mehr.
So bleibt das Thema auf dem Tisch, ohne dass jedes Gespräch zur Verhandlung wird. Und dein Kind merkt, dass es zwischen euch nicht nur noch um Cannabis geht.
Du musst nicht warten, bis dein Kind so weit ist. Suchtberatungsstellen beraten auch Eltern allein. Eine Stelle in deiner Nähe findest du über die Beratungsstellen für Cannabiskonsumenten.
Anonym und kostenlos geht es auch beim Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550 oder in der Online-Elternberatung der bke. Gute Infos für Eltern findest du außerdem auf cannabispraevention.de.
Will dein Kind aufhören, sind die ersten Tage oft zäh. Der Entzug beginnt meist ein bis zwei Tage nach dem letzten Joint und ist zwischen dem zweiten und sechsten Tag am stärksten. Gereiztheit, schlechter Schlaf und wenig Hunger sind dann normal.
Das heißt nicht, dass es schiefgeht, der Körper stellt sich gerade um. In Hirnscans erholen sich die Andockstellen für THC nach dem Aufhören wieder. Nach etwa vier Wochen waren sie in Studien weitgehend wieder auf normalem Stand.
Wie du dein Kind in dieser Zeit begleitest, ohne zum Aufpasser zu werden, liest du in Beim Cannabis-Entzug helfen: So unterstützt du richtig.
Manchmal kommst du als Mutter oder Vater an deine Grenzen. Das ist keine Schwäche. Spätestens in diesen Fällen solltest du dir Unterstützung holen:
Ein Sonderfall sind Anzeichen einer Psychose: Dein Kind hört Stimmen, fühlt sich verfolgt oder hält stur an Dingen fest, die nicht stimmen können. Dann gehst du sofort mit ihm zum Arzt oder in die Notaufnahme.
Wer täglich kifft, hat laut einer großen europäischen Studie ein etwa dreimal so hohes Risiko für eine Psychose wie jemand, der nie gekifft hat. Woran du erste Zeichen erkennst, steht in Cannabis-Psychose: Anzeichen.
Wenn dein Kind kifft, ist das kein Beweis dafür, dass du versagt hast. Es ist eine Lage, in der du jetzt entscheiden kannst: über deinen Ton, deine Grenzen und deine Unterstützung.
Die Phase geht vorbei, die Beziehung zu deinem Kind bleibt. Spürt dein Kind, dass du da bist und klar bleibst, kommt es eher zu dir, wenn es Probleme hat.
Und wenn dein Kind aufhören will und dabei mehr Halt braucht, als du allein geben kannst, begleitet unser Online-Programm es Tag für Tag durch die ersten Wochen ohne Cannabis.
Nein. Das Risiko steigt aber, je häufiger und je jünger jemand kifft. Von denen, die täglich kiffen, wird laut der Übersicht von Volkow jeder Vierte bis jeder Zweite abhängig. Entscheidend ist die Frage, ob dein Kind ohne Cannabis noch gut zurechtkommt.
Im Normalfall nicht. Du gewinnst kurz eine Information und verlierst auf Dauer Vertrauen, und genau das brauchst du jetzt am meisten. Anders ist es bei akuter Gefahr, etwa wenn du Hinweise auf harte Drogen oder Selbstverletzung hast.
Das kommt häufig vor und macht es schwieriger. Klärt eure Linie erst unter euch, bevor ihr mit eurem Kind redet, sonst spielt es euch gegeneinander aus. Kommt ihr nicht zusammen, holt euch als Eltern zuerst gemeinsam Rat bei einer Beratungsstelle.
Ganz falsch ist das vielleicht nicht. Lass dich davon trotzdem nicht in die Ecke drängen. Du kannst sagen: „Mag sein. Aber ich mache mir Sorgen um dich, nicht um die anderen.“ Das ist klar, ohne dass du predigst.
Nein. Auch nach dem Cannabisgesetz von 2024 sind Kauf, Besitz und Anbau unter 18 verboten. Wird dein Kind mit Cannabis erwischt, informiert die Polizei dich und bei ernsten Sorgen um das Kind auch das Jugendamt. Was an der Schule gilt, steht in Mein Kind kifft in der Schule.
Nein. Das Gesetz verbietet, in unmittelbarer Gegenwart von Menschen unter 18 zu kiffen. Dazu kommt: Wer selbst kifft oder abends regelmäßig zum Glas greift, um runterzukommen, ist im Gespräch mit dem eigenen Kind wenig glaubwürdig.

Über den Autor
Jan B. · Emotionscoach
Jan B. arbeitet seit vielen Jahren als Emotionscoach. Er war selbst abhängig, nicht nur von Cannabis, sondern auch von Pornografie. Deshalb kennt er Abhängigkeit aus der eigenen Geschichte und aus seiner Arbeit mit Emotionen.
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