Cannabis-Psychosen: Klinikfälle in Victoria um 49 % gestiegen

Heller, leerer Klinikflur mit Pflanzen am Fenster
Von Jan G.
Veröffentlicht am · Aktualisiert am

Im australischen Bundesstaat Victoria kommen deutlich mehr Menschen wegen Cannabis ins Krankenhaus als noch vor zehn Jahren. Das zeigt eine Auswertung der Monash University, die am 11. Oktober 2026 im Fachblatt Addiction erschienen ist. Die Forscher haben dafür alle Klinikaufnahmen im Bundesstaat von Juli 2013 bis Juni 2023 untersucht. Das Ergebnis: Fälle, bei denen Cannabis der Hauptgrund für die Aufnahme war, kamen am Ende 49 Prozent häufiger vor als zu Beginn. Die häufigste Diagnose in diesen Fällen war eine Psychose.

Was die Studie genau untersucht hat

Die Studie basiert auf den Krankenhausdaten des Gesundheitsministeriums von Victoria. Darin ist jede stationäre Aufnahme im Bundesstaat erfasst. Das Team des Monash Addiction Research Centre hat daraus alle Fälle herausgefiltert, bei denen eine Cannabisvergiftung oder eine durch Cannabis ausgelöste psychische Störung dokumentiert war.

Insgesamt waren das 39.565 Aufnahmen innerhalb von zehn Jahren. Bei den meisten spielte Cannabis zwar eine Rolle, war aber nicht der eigentliche Grund für den Krankenhausaufenthalt. In 7.263 Fällen war Cannabis die Hauptdiagnose. Auf diese Fälle bezieht sich der Anstieg um 49 Prozent. Dabei wurden nicht die absoluten Zahlen verglichen, sondern die Fälle pro 100.000 Einwohner. Ein Anstieg, der nur durch mehr Einwohner entsteht, ist damit herausgerechnet.

Die wichtigsten Zahlen

  • Plus 49 Prozent: Um diesen Wert stieg die Rate der Klinikaufnahmen mit Cannabis als Hauptdiagnose zwischen 2013/2014 und 2022/2023.
  • 40 Prozent Psychosen: In 2.909 der 7.263 Fälle mit Cannabis als Hauptdiagnose lag eine cannabisbedingte Psychose vor. Keine andere Diagnose war so häufig.
  • Junge Menschen am stärksten betroffen: Die höchsten Raten gab es bei den 15- bis 24-Jährigen. Bei jungen Männern waren es 36,9 Fälle pro 100.000, bei jungen Frauen 20,5.
  • Frauen holen auf: Männer machen zwar den Großteil der Fälle aus. Bei Frauen und Mädchen stieg die Rate aber um 75 Prozent, bei Männern um 35 Prozent.
  • Höchststand 2020/2021: Der Anstieg verlief nicht gleichmäßig. Den höchsten Wert erreichte die Rate 2020/2021, danach ging sie wieder etwas zurück.

Wie man die Zahlen einordnen sollte

Die Studie zeigt, wie häufig Menschen mit Cannabisproblemen im Krankenhaus behandelt wurden. Warum die Zahlen gestiegen sind, lässt sich daraus aber nicht ablesen. Dafür kommen verschiedene Gründe infrage: mehr Cannabiskonsum in der Bevölkerung, stärkeres Cannabis mit höherem THC-Gehalt oder auch Ärzte, die genauer hinschauen und Cannabis häufiger in der Patientenakte dokumentieren. Die Forscher weisen selbst darauf hin, dass der Cannabiskonsum in Australien in den vergangenen zehn Jahren zugenommen hat, auch durch medizinisches Cannabis.

Wichtig ist auch, was die Zahlen nicht aussagen. Die allermeisten Menschen, die Cannabis konsumieren, landen nie im Krankenhaus. Außerdem ist Victoria nicht Deutschland. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht eins zu eins übertragen. Sie zeigen aber ein Muster, das Fachleute auch aus anderen Ländern kennen: Psychosen gehören zu den schwerwiegendsten Folgen von starkem Cannabiskonsum und betreffen vor allem junge Menschen.

Was eine Cannabis-Psychose ist

Bei einer Psychose verliert man den Bezug zur Realität, ganz oder teilweise. Typische Anzeichen sind das Gefühl, verfolgt zu werden, Stimmen zu hören oder fest davon überzeugt zu sein, dass andere einem schaden wollen. Eine durch Cannabis ausgelöste Psychose kann nach einigen Tagen abklingen, wenn man mit dem Konsum aufhört. Bei manchen Menschen bleibt sie aber bestehen oder tritt erneut auf. Ein Teil entwickelt später eine dauerhafte psychische Erkrankung wie Schizophrenie.

Das Risiko hängt vor allem von drei Dingen ab: wie oft du kiffst, wie stark dein Cannabis ist und wie früh du damit angefangen hast. Wer täglich starkes Cannabis konsumiert, hat das größte Risiko. Wenn es in deiner Familie bereits psychische Erkrankungen gibt, bist du zusätzlich gefährdet.

Was das für dich heißt, wenn du täglich kiffst

Niemand hat vor, irgendwann im Krankenhaus zu landen. Die meisten Fälle in der Studie haben nicht mit einer Psychose angefangen, sondern mit ganz normalem Cannabiskonsum, der mit der Zeit zugenommen hat. Deshalb lohnt es sich, auf erste Warnzeichen zu achten, bevor es ernst wird:

  • Du brauchst mehr Cannabis als früher, um die gleiche Wirkung zu spüren.
  • Du kiffst häufiger, auch tagsüber oder direkt nach dem Aufstehen.
  • Ohne Cannabis geht es dir schlechter: Du bist unruhig, gereizt oder kannst nicht schlafen.
  • Du wirst misstrauisch oder ängstlich, wenn du high bist, obwohl das früher nicht so war.

Vor allem der letzte Punkt ist ein Warnsignal. Wenn du beim Kiffen Angst bekommst, deine Gedanken ständig kreisen oder du das Gefühl hast, andere würden über dich reden, solltest du das ernst nehmen. Sprich mit einem Arzt oder einer Suchtberatung, bevor es schlimmer wird.

Was du jetzt tun kannst

Du musst nicht warten, bis du selbst Teil einer solchen Statistik wirst. Wenn du dich in einigen der Punkte wiedererkennst, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, deinen Konsum ehrlich zu hinterfragen. Schon eine Pause von ein paar Wochen kann dir zeigen, wie sehr Cannabis deinen Alltag bestimmt. Die ersten Tage sind meistens am schwierigsten. Schlafprobleme, Gereiztheit und Unruhe können dazugehören, lassen aber mit der Zeit nach.

Wenn du merkst, dass du es allein nicht schaffst, ist das kein Versagen. Es zeigt nur, dass du Unterstützung brauchst, und die kannst du bekommen.

Quelle: Graham M, Berecki-Gisolf J, Hayman J, Carter A, Arunogiri S, Nielsen S. A decade of cannabis-related hospital admissions in Victoria, Australia: A retrospective observational study. Addiction, 11. Oktober 2026. DOI: 10.1111/add.70601

Jan G., High-Performance- und Motivationscoach im AZK-Team

Über den Autor

Jan G. · High-Performance- und Motivationscoach

Jan G. ist High-Performance- und Motivationscoach. Er arbeitet für viele bekannte Leute und weiß, wie sich Leistungsfähigkeit und Motivation verbessern lassen. Sein Schwerpunkt liegt auf allem Mentalen.

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