
Wann ist der Cannabis-Entzug am stärksten: und wie du es überlebst
ist ein Thema, bei dem viele erst anfangen zu suchen, wenn es schon unangenehm geworden ist. Vielleicht bist du gerade mitten im Konsum, mitten im Entzug...
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Was beruhigt beim Cannabis-Entzug? Die Frage stellst du dir meistens um 22 Uhr im Sessel, wenn du nicht runterkommst und genau das Gefühl hast, das ein Joint früher in ein paar Minuten weggemacht hat. Die meisten Ratgeber werfen dann Magnesium, CBD und Atemübungen in einen Topf. Dabei gibt es im Entzug drei verschiedene Arten von Unruhe, und bei jeder hilft etwas anderes.
Das Wichtigste in Kürze
Wenn du in den ersten Wochen genau hinschaust, merkst du, dass „unruhig“ jedes Mal etwas anderes bedeutet. Wer die drei Arten auseinanderhält, greift im richtigen Moment zum richtigen Mittel.
Sie kommt plötzlich und heftig, oft mit Herzklopfen, flachem Atem und Druck auf der Brust. Manchmal löst sie ein Ort oder ein Gedanke aus, manchmal kommt sie scheinbar aus dem Nichts.
Die gute Nachricht: Sie ebbt von allein wieder ab, meistens schneller, als es sich anfühlt. Bis dahin brauchst du etwas, das innerhalb von Minuten wirkt.
Du bist nicht panisch, aber auch nicht entspannt. Die Schultern sind oben, der Kiefer ist fest, und du bist schnell gereizt. Dein Körper hat jahrelang mit THC runtergeregelt und läuft jetzt ohne diese Bremse eine Stufe höher.
Gegen diese Grundanspannung helfen keine Notfallmittel. Hier hilft das, was du jeden Tag machst.
Oft sind es genau die Stunden, in denen du früher gekifft hast, zum Beispiel zwischen 19 und 23 Uhr. Dein Körper erwartet um diese Zeit seinen Joint und soll sich gleichzeitig auf den Schlaf vorbereiten.
Was abends hilft, ist etwas anderes als das, was dich tagsüber stabil hält. Und wenn der Abend nicht klappt, zieht sich das oft in den nächsten Tag:
Wie die Unruhe am Abend sich selbst nährt
Diesen Kreis durchbrichst du an jeder Stelle: mit Ruhe am Abend, mit besserem Schlaf oder mit einem Tag, der dich weniger auslaugt. Was an welcher Stelle hilft, kommt jetzt.
Wenn die Welle gerade durchgeht, hast du keine Zeit für Kapseln oder Tropfen. Magnesium oder Baldrian brauchen Stunden bis Tage. Du brauchst etwas, das deinen Körper sofort umschaltet.
Halt dein Gesicht eine halbe Minute unter richtig kaltes Wasser und leg dir danach einen kalten, nassen Waschlappen seitlich an den Hals. Kälte an diesen Stellen bremst den Puls und weckt den Nerv, der deinen Körper beruhigt.
In einer Studie mit 61 Teilnehmern senkte ein Kältereiz am seitlichen Hals messbar die Herzfrequenz. Das klingt banal, hilft aber oft dann, wenn sonst nichts greift.
Raus aus der Wohnung und eine Viertelstunde zügig gehen. Bewegung gibt der Anspannung ein Ziel, und du bist weg von dem Ort, an dem der Drang hochkam.
Wer im Sessel sitzen bleibt und die Welle einfach aushalten will, macht es sich oft schwerer. Warum Bewegung im Entzug so viel bringt, liest du in Sport im Cannabis-Entzug.
Atme zweimal kurz hintereinander durch die Nase ein und dann lange durch den Mund aus. Mach das ein paar Minuten lang. Wenn dir das schwerfällt, geht auch die Box-Atmung: 4 Sekunden ein, 4 halten, 4 aus, 4 halten.
In einer Studie aus Stanford hob schon fünf Minuten Atemübung am Tag die Stimmung, am stärksten die Variante mit langem Ausatmen. Sie wirkte dabei besser als eine Achtsamkeitsmeditation gleicher Länge, und die Atmung wurde insgesamt ruhiger.
Du musst nicht über den Entzug reden, irgendein Thema reicht. Ein Gespräch holt dich aus der Schleife in deinem Kopf.
Leg dir dafür vorher zwei, drei Namen fest, die du auch abends anrufen kannst. In der Welle selbst fällt dir sonst niemand ein.
Wenn dein Körper den ganzen Tag auf erhöhter Stufe läuft, hilft keine einzelne Maßnahme. Du brauchst ein paar feste Gewohnheiten, die den Grundpegel senken.
Geh gleich nach dem Aufstehen 20 bis 30 Minuten raus. Das Tageslicht stellt deine innere Uhr, die Bewegung nimmt Druck raus. Viele werden dadurch abends auch leichter müde.
Du musst dafür nicht trainieren, ein zügiger Spaziergang reicht. Wichtig ist, dass du ihn jeden Morgen machst, auch an den Tagen, an denen du keine Lust hast.
Wer im Entzug seinen gewohnten Kaffee weitertrinkt, gibt einem Körper, der ohnehin schon hochfährt, noch mehr Gas. Halbier in den ersten zwei Wochen die Menge.
Koffein bleibt viele Stunden im Körper. Trink deine letzte Tasse spätestens am frühen Nachmittag, sonst zahlst du in der Nacht dafür.
Iss dreimal am Tag zu festen Zeiten, auch wenn du wenig Appetit hast. Wer im Entzug lange nichts isst, fühlt sich schnell zittrig und gereizt, und das ist von echter Unruhe kaum zu unterscheiden.
Ein Brot oder eine Banane zwischendurch reicht schon. Es geht um Regelmäßigkeit, perfekt essen musst du nicht.
Lavendelöl in Kapseln, in Deutschland zum Beispiel als Lasea in der Apotheke, gehört zu den wenigen pflanzlichen Mitteln mit ordentlichen Studien. In einer Auswertung von fünf Studien bei Menschen mit Angststörungen wirkte es ungefähr so gut wie das Antidepressivum Paroxetin.
Es wirkt allerdings nicht sofort, in den Studien wurde es mehrere Wochen lang jeden Tag eingenommen. Für die Anspannung über die Wochen des Entzugs kann es eine echte Stütze sein. Einnahme, Wirkung und Nebenwirkungen findest du im Artikel Lavendel: das günstige Hilfsmittel für den Cannabis-Entzug.
Magnesium wird im Entzug oft empfohlen, gerade bei Muskelzucken, Anspannung und schlechtem Schlaf. Die Studien zu Angst und Stress sind allerdings dünn. Eine Übersichtsarbeit fand Hinweise auf eine Wirkung, die meisten Studien waren aber von schwacher Qualität.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, über Nahrungsergänzungsmittel höchstens 250 mg Magnesium am Tag zusätzlich zu nehmen. Was du bei Form und Einnahme beachten solltest, liest du in Magnesium im Cannabis-Entzug.

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Die Stunden vor dem Schlafen sind im Entzug die heikelsten. Hier zieht das alte Muster am stärksten, und hier brauchst du einen klaren Ablauf.
Bildschirm aus, Licht runter, nichts Aufregendes mehr. Das klingt nach Standard, ist im Entzug aber besonders wichtig, weil deinem Körper das gewohnte Runterfahren fehlt und er nach Reizen sucht.
Für viele ist ein Buch der einfachste Weg in den Schlaf. Das Handy im Bett macht es dir in den ersten Wochen unnötig schwer.
Am besten ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen, schon zehn Minuten bei etwa 40 Grad reichen. Danach kühlt dein Körper ab, und genau das ist für ihn das Zeichen, dass Schlafenszeit ist.
Eine Auswertung von 17 Studien ergab, dass Menschen nach so einem Bad oder einer Dusche schneller einschlafen und ihren Schlaf besser bewerten.
Baldrian ist das bekannteste pflanzliche Schlafmittel. Die Studienlage ist gemischt: In einer Auswertung von 16 Studien schliefen viele mit Baldrian besser, aber viele der Studien waren schlecht gemacht.
Baldrian ist kein Notfallmittel für die akute Welle. Nimm ihn regelmäßig am Abend, die Menge steht auf der Packung. Welche Präparate sich lohnen, steht in Baldrian im Cannabis-Entzug.
Manche nehmen abends CBD-Öl, um das innere Brummen vor dem Einschlafen zu dämpfen. Bei einigen hilft das, bei anderen gar nicht, und gute Studien zum Entzug fehlen noch.
Wenn du es testen willst, nimm CBD als Öl und achte auf ein Produkt mit Laborbericht, damit kein THC drin ist. Mehr dazu in Kiffen aufhören mit CBD.
Viele greifen im falschen Moment zum falschen Mittel und denken dann, es wirkt nicht. Diese Übersicht zeigt, wann du von welchem Mittel etwas merken kannst und wie gut es untersucht ist.
Was wann wirkt und was die Studien sagen
| Mittel | Wann du etwas merkst | Was die Studien sagen |
|---|---|---|
| Kälte an Gesicht und Hals | nach Sekunden | senkt den Puls, eine Studie mit 61 Teilnehmern |
| Lange ausatmen | nach wenigen Minuten | fünf Minuten am Tag heben die Stimmung |
| Warmes Bad oder Dusche | in derselben Nacht | schneller eingeschlafen, besser geschlafen, 17 Studien |
| Lavendel-Kapseln | bei täglicher Einnahme über Wochen | weniger Angst, mehrere gute Studien |
| Baldrian | bei regelmäßiger Einnahme | gemischt, viele Studien schwach |
| Magnesium | bei regelmäßiger Einnahme | Hinweise auf weniger Angst, Studien schwach |
Lavendel, Baldrian, Magnesium und CBD bekommst du ohne Rezept. Trotzdem gilt: Wenn du Vorerkrankungen hast, schwanger bist, stillst oder andere Medikamente nimmst, sprich vorher mit deinem Arzt oder in der Apotheke.
Manche Mittel tauchen in Foren immer wieder auf. Bei ihnen fehlt die Wirkung, oder das Risiko ist größer als der Nutzen.
Wenn Anspannung, Angst oder Panikattacken nach drei bis vier Wochen nicht weniger werden oder schlimmer werden, bleib damit nicht allein. Die Beratungsstellen für Cannabiskonsumenten sind anonym und kostenlos.
Wenn du an Selbstmord denkst oder die Panik nicht mehr abklingt, hol dir sofort Hilfe, beim Hausarzt, über die 112 oder bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, rund um die Uhr und kostenlos.
Was dich im Entzug beruhigt, hängt davon ab, welche Unruhe gerade da ist. Akute Wellen brauchen etwas für den Körper, das in Minuten wirkt. Die Anspannung über den Tag sinkt mit Bewegung, Licht und weniger Kaffee, und abends helfen eine feste Routine, Wärme und bei Bedarf ein pflanzliches Mittel.
Hilfsmittel nehmen dir einen Teil des Drucks ab, einen Plan ersetzen sie nicht. Unser Online-Programm begleitet dich durch den ganzen Entzug, auch durch die Abende, an denen nichts davon zu reichen scheint.
Kaltes Wasser, langes Ausatmen und zügiges Gehen wirken in Minuten. Ein warmes Bad hilft noch in derselben Nacht. Lavendel-Kapseln, Baldrian und Magnesium brauchen regelmäßige Einnahme über Tage bis Wochen und sind keine Notfallmittel.
Die Beschwerden beginnen meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Joint, sind zwischen Tag 2 und Tag 6 am stärksten und klingen über etwa vier Wochen ab. In der Resilienz-Phase bis Woche 3 oder 4 schwankt die Stimmung noch stark, in der Fokus-Phase bis Woche 7 wird es bei den meisten deutlich ruhiger.
Bewegung, Licht, weniger Kaffee, eine Abendroutine und ein warmes Bad kannst du problemlos kombinieren. Bei pflanzlichen Mitteln fängst du besser mit einem an und schaust, ob es dir hilft. Wenn du mehrere zusammen nehmen willst oder andere Medikamente nimmst, frag in der Apotheke.
Manchen hilft CBD-Öl am Abend, anderen gar nicht, und gute Studien zum Entzug fehlen noch. Wenn du es probierst, nimm es als Öl und achte darauf, dass kein THC drin ist. Geraucht hält es das alte Ritual am Leben.
Greif nicht zum Handy. Atme ein paar Minuten lang lange aus, und wenn du nach einer Weile immer noch wach liegst, steh kurz auf, setz dich bei gedimmtem Licht hin und geh erst wieder ins Bett, wenn du müde wirst.
Wenn Anspannung, Angst oder Panikattacken nach drei bis vier Wochen nicht abklingen oder schlimmer werden, hol dir Unterstützung bei einer Suchtberatung oder deinem Arzt. Ein kurzes Gespräch reicht oft, um einzuordnen, was als Nächstes sinnvoll ist.

Über den Autor
Sabrina S. · Gesundheitscoach
Sabrina S. ist Gesundheitscoach und wurde vom AZK-Team engagiert. Sie kennt sich mit Gesundheit aus und mit allem, was aktive Bewegung betrifft. Deshalb schreibt sie über Themen, bei denen Gesundheit und Bewegung zusammenkommen.
Mehr über das AZK-Team →
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