
Der Moment wo mein Körper beim Training Nein gesagt hat
klingt nach einem großen Satz. In Wahrheit beginnt so eine Veränderung meistens kleiner: mit einem Morgen, an dem du merkst, dass du nicht mehr dieselbe…
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Ich war Dauerkiffer, am Ende habe ich schon morgens gekifft. Über ein Jahr lang habe ich versucht aufzuhören und bin immer wieder zurückgefallen. Diesmal hält es seit acht Monaten. Das hier ist kein Heldenbericht, es ist das, was wirklich passiert ist.
Mit 16 habe ich das erste Mal gekifft, mit 18 regelmäßig, mit 22 jeden Abend. Mit 26 kam der Joint am Morgen dazu. Ich habe das nie so entschieden, es hat sich einfach ergeben.
Ich bin 28, arbeite in einer Werkstatt und lebe in einer Stadt mit einer halben Million Einwohnern. Meine Freundin kifft nicht, wir sind seit drei Jahren zusammen. Sie hat es lange ausgehalten, irgendwann wurde es zwischen uns zum Thema.
Vor dem Versuch, der gehalten hat, gab es vier andere. Alle liefen gleich ab: Am Sonntagabend habe ich mich entschieden, am Montagmorgen bin ich ohne Vorrat aufgewacht, und am Dienstag oder Mittwoch habe ich wieder gekauft.
Der Grund war jedes Mal ein anderer. Mal war es Stress auf der Arbeit, mal eine schlechte Nacht, mal Streit mit meiner Freundin oder ein Wochenende, auf das ich ohne Joint keine Lust hatte.
Gleich war bei allen vier Versuchen nur eins: Ich hatte mich nicht vorbereitet. Ich dachte, das geht mit Willen. Das ging es nicht.
Beim fünften Versuch habe ich mir zwei Wochen Zeit zur Vorbereitung genommen. Ich habe den Vorrat aufgeraucht, statt ihn einfach wegzuwerfen, und mit meiner Freundin besprochen, was wir machen, wenn ich rückfällig werde.
Dazu habe ich Magnesium, Baldrian-Dragees und neue Bettlaken gekauft, weil ich wusste, dass ich schwitzen würde. Das klingt übertrieben. Genau das hat den Unterschied gemacht. Wie so eine Vorbereitung aussehen kann, steht hier: Vorbereitung auf den Cannabis-Entzug.
Tag eins ging, Tag zwei auch. Tag drei war hart: Ich habe geschwitzt, kaum geschlafen, war morgens leicht zittrig und mein Magen hat verrückt gespielt. Ich habe den Tag im Bett verbracht und Filme geschaut, und das war in Ordnung so.
Tag vier und fünf waren körperlich der Tiefpunkt. Ich bin schweißnass aufgewacht und habe nur eine Mahlzeit am Tag runterbekommen. Trotzdem war es nicht so schlimm wie befürchtet, weil ich diesmal wusste, was kommt.
Das passt zu dem, was man über den Entzug weiß: Er beginnt meist ein bis zwei Tage nach dem letzten Joint und ist zwischen Tag 2 und Tag 6 am stärksten. Eine ehrliche Übersicht findest du in den 12 häufigsten Entzugserscheinungen durch Cannabis.
An Tag sieben ging es mir körperlich gut. Der Schlaf war noch nicht gut, aber Magen, Schwitzen und Gereiztheit waren so gut wie weg. Ich dachte, das war’s. Das war es nicht. Wie diese Zeit nach den ersten Tagen bei einem anderen Aussteiger lief und was nach dem Aufhören wirklich kam, erzählt er in seinem Bericht.
Woche zwei bis vier waren emotional mies. Ich war nicht traurig in dem Sinne, dass ich den ganzen Tag geheult hätte. Ich hatte eher wenig Energie, alles fühlte sich gedämpft an und ich hatte auf nichts Lust.
Meine Freundin hat das gemerkt. Ich wusste nicht, wie ich es ihr erklären sollte.
Später habe ich gelesen, dass sich das Belohnungssystem in dieser Zeit neu einstellen muss. Jahrelang hat das Kiffen meine Gefühle gedämpft. Fällt das weg, schlagen die Wellen erst mal höher und tiefer aus, als man es kennt. Das gibt sich.
Am meisten genervt hat mich, dass kleine Sachen groß wurden. Ein dummer Kommentar auf der Arbeit hat mich drei Tage beschäftigt.
Als mein Vater anrief, war ich nicht in Stimmung und habe kurz und genervt geantwortet. Danach hatte ich drei Tage lang Schuldgefühle. Früher hätte ich so etwas abends mit einem Joint weggemacht, jetzt war es da und blieb.
Geholfen hat mir, jeden Morgen rauszugehen: 20 Minuten zu Fuß vor der Arbeit, egal wie ich mich gefühlt habe. Ich habe keine drei Tassen Kaffee mehr getrunken und keinen Alkohol. Den hatte ich beim ersten Versuch als Ersatz genommen, und das war Mist.
Ich habe mich auf den Job konzentriert und nicht auf das, was ich nicht mehr habe.
Mit meiner Freundin habe ich abgemacht, dass sie mich nicht motivieren muss. Sie hat einfach normal weitergelebt, und ich war dabei. Das war besser als jeder Spruch und für mich entscheidend.
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Drei meiner engsten Kumpels kiffen weiter. Das war meine größte Sorge: Wer bist du im Freundeskreis, wenn du das, was ihr gemeinsam gemacht habt, nicht mehr machst?
Die Antwort war: derselbe Mensch, nur nüchtern. Ich habe nicht versucht, sie zu bekehren, und bin ihnen auch nicht aus dem Weg gegangen.
Die ersten Treffen waren komisch. Sie haben gekifft, ich war dabei und habe Tee getrunken. Beim ersten Mal war es seltsam, beim zweiten Mal weniger, beim dritten Mal normal.
Einer hat irgendwann selbst angefangen, weniger zu kiffen. Der zweite hat es nie kommentiert, war aber okay damit. Der dritte hat eine Zeit lang Sprüche gemacht und damit aufgehört, als er gemerkt hat, dass ich nicht darauf einsteige.
Wenn in deinem Umfeld weiter gekifft wird, bei Freunden oder in der Beziehung, findest du hier Gedanken dazu: Was tun, wenn jemand in der Umgebung kifft.
Zwischen Woche fünf und sieben habe ich gemerkt, dass es kein Kampf mehr war. Ich musste abends nicht mehr aktiv versuchen, nicht an einen Joint zu denken. Der Gedanke war einfach nicht mehr da. Erst war das seltsam, dann normal.
Ab Woche sechs wurde der Schlaf gut, und die Träume kamen zurück. Manche waren heftig, manchmal waren es Albträume, die meisten aber einfach lebendig. Ich erinnere mich wieder an Träume, das war jahrelang weg.
Ab dem zweiten Monat war Cannabis nicht mehr im Kopf. Auslöser gab es noch, etwa ein alter Kumpel, der kifft, ein bestimmter Geruch auf der Straße oder ein Wochenende ohne Pläne. Sie waren aber nicht mehr stark: Die Welle dauerte 20 Minuten, dann war sie weg.
Im Rückblick passt mein Verlauf ziemlich genau zu den drei Phasen, in denen ein Entzug meist abläuft:
So lief mein Entzug
Ich bin jetzt seit acht Monaten ohne. An die ersten Wochen erinnere ich mich wie an eine ganz andere Person, auch wenn das nicht dramatisch gemeint ist.
Was mir damals wichtig war, das Ritual am Abend, dieser eine bestimmte Kumpel und die Routine, ist weg. Ich vermisse es nicht.
Meine Freundin hat irgendwann gesagt, dass ich anders bin. Sie meinte nicht „endlich ein guter Partner“, sondern: präsenter. Ich höre besser zu, vergesse weniger und bin auf Familienfeiern nicht mehr nach einer Stunde müde. Dass dabei auch das Selbstbewusstsein nach dem Aufhören wächst, merken viele erst nach ein paar Monaten.
Ich habe abgenommen, ohne es zu wollen, und habe Geld, das ich vorher nicht hatte. Ich schlafe besser als seit zehn Jahren und trainiere wieder, was ich mit 20 aufgegeben hatte.
Ob ich nie wieder kiffe, weiß ich nicht. Acht Monate sind kein ganzes Leben. Ich weiß aber, dass der Gedanke „ein Joint am Wochenende wäre doch kein Problem“ nicht so harmlos ist, wie er klingt. Genau dort habe ich schon einmal angefangen.
Mehr Erfahrungen anderer mit ähnlichem Hintergrund liest du in den Erfahrungsberichten zum Cannabis-Entzug.
Wenn du deinen nächsten Anlauf nicht wieder ohne Vorbereitung und allein machen willst, begleitet dich unser Online-Programm Schritt für Schritt durch genau diese Wochen.
Die Beschwerden beginnen meist ein bis zwei Tage nach dem letzten Joint und sind zwischen Tag 2 und Tag 6 am stärksten. Der größte Teil ist nach etwa vier Wochen vorbei. So lange brauchen auch die Andockstellen für THC im Gehirn, um sich zu erholen. Schlaf und Träume brauchen oft etwas länger.
Ja. Schwitzen, vor allem nachts, gehört zu den häufigen körperlichen Entzugszeichen, zusammen mit Unruhe, schlechtem Schlaf und wenig Appetit. Die meisten dieser Beschwerden lassen nach ein bis zwei Wochen deutlich nach.
Schlafprobleme gehören zu den hartnäckigsten Beschwerden und können mehrere Wochen oder länger anhalten. Viele träumen in dieser Zeit sehr lebhaft, manchmal auch schlecht. Das ist unangenehm, gehört aber zur Umstellung.
Der Entzug ist in den ersten Tagen am stärksten, und genau dann fehlt oft ein Plan. Wer vorher klärt, was er bei schlechtem Schlaf, Suchtdruck und Stress macht, und sein Umfeld einweiht, steht in diesen Tagen nicht allein da.

Über den Autor
Ben C. · Texter im AZK-Team
Ben C. hat sechs Jahre konsumiert. Er hat in einer Entzugsklinik gearbeitet und dort auch seinen eigenen Entzug gemacht. Dadurch kennt er Cannabis-Entzug aus eigener Erfahrung und aus dem Klinikalltag.
Mehr über das AZK-Team →
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