Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust im Cannabis-Entzug

Leerer Teller als Symbol für Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust im Cannabis-Entzug

Vor kurzem hast du vielleicht noch nach dem Kiffen den halben Kühlschrank leer gemacht. Jetzt stehst du vor Essen und bekommst kaum etwas runter. Appetitlosigkeit im Cannabis-Entzug ist häufig, und sie fühlt sich für viele erstmal beunruhigend an.

Der wichtigste Punkt: Dein Körper stellt gerade um. THC hat lange in Hunger, Belohnung, Übelkeit, Schlaf und Stress eingegriffen. Wenn dieser Einfluss wegfällt, muss dein natürlicher Appetit wieder anspringen. Das dauert etwas.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenig Hunger gehört zu den häufigsten körperlichen Zeichen eines Cannabis-Entzugs. Er beginnt meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Joint und ist bei vielen zwischen Tag 2 und Tag 6 am stärksten.
  • Ab Tag 6 oder 7 kommt der Appetit bei vielen zurück. Nach starkem Konsum kann es bis zu zwei bis drei Wochen dauern.
  • Etwas Gewicht zu verlieren ist in dieser Zeit häufig. Kleine Portionen zu festen Zeiten, genug Trinken und kurze Spaziergänge helfen dir durch die ersten Tage.
  • Wenn du nichts bei dir behältst, schnell abnimmst oder schon einmal eine Essstörung hattest, lass dich ärztlich beraten. Den Bereitschaftsdienst erreichst du unter 116117, im Notfall rufst du die 112.

Warum du im Cannabis-Entzug keinen Hunger hast

THC macht Hunger. Viele kennen den Fressflash nach dem Joint: Essen riecht intensiver, schmeckt stärker und fühlt sich nach dem Kiffen besonders gut an.

Wenn du regelmäßig gekifft hast, hat dein Körper gelernt, dass der Hunger mit dem Joint kommt. Fällt das THC weg, fehlt plötzlich der gewohnte Startschuss. Der Magen ist vielleicht leer, aber dein Kopf sagt trotzdem: Ich will nichts essen.

Dazu kommen Stress, schlechter Schlaf, innere Unruhe und bei manchen ein flauer Magen oder leichte Übelkeit. Das alles zusammen drückt den Appetit in den ersten Tagen deutlich. Du sitzt vor deinem Lieblingsessen und schiebst es nach drei Gabeln zur Seite.

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Ist Gewichtsverlust im Entzug normal?

Ja, etwas Gewicht zu verlieren kommt im Cannabis-Entzug häufig vor. Weniger Appetit und weniger Gewicht stehen in den Diagnosekriterien für den Cannabis-Entzug sogar ausdrücklich drin. Wenn du weniger isst und der nächtliche Gang zum Kühlschrank wegfällt, nimmst du automatisch weniger zu dir.

Für manche ist das einfach die Rückkehr zu einem normaleren Essverhalten. Für andere wird es belastend, besonders wenn sie ohnehin schlank sind, schnell abnehmen oder sich kraftlos fühlen. Wichtiger als die Zahl auf der Waage ist, wie es dir insgesamt geht.

Frag dich deshalb: Hast du noch Energie für den Tag? Kannst du genug trinken? Kommst du im Alltag zurecht? Oder wirst du von Tag zu Tag schwächer, zittriger und erschöpfter?

Wie lange dauert die Appetitlosigkeit?

Der Hunger lässt meist in den ersten 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Joint nach. Zwischen Tag 2 und Tag 6 ist er bei vielen am schwächsten. Ab Tag 6 oder 7 kommt der Appetit bei den meisten langsam zurück. Nach jahrelangem, starkem Konsum kann das bis zu zwei bis drei Wochen dauern.

So sieht das im Verlauf unserer drei Phasen aus:

Wann der Hunger meist zurückkommt

  1. Reset: Tag 1 bis 5Der Hunger lässt meist in den ersten 24 bis 48 Stunden nach. Zwischen Tag 2 und Tag 6 ist er bei vielen am schwächsten, oft mit flauem Magen.
  2. Resilienz: Tag 5 bis Woche 3 oder 4Ab Tag 6 oder 7 kommt der Appetit bei vielen zurück und der Magen beruhigt sich. Nach starkem Konsum kann es zwei bis drei Wochen dauern.
  3. Fokus: bis Woche 7Bei den meisten läuft das Essen wieder normal. Das Gewicht pendelt sich bei vielen wieder ein.
  4. DanachNach langem, starkem Konsum zieht sich die Umstellung bis etwa 3 Monate. Das betrifft dann vor allem Schlaf und Stimmung.

Der Hunger kommt selten auf einen Schlag zurück. Erst klappt morgens ein Smoothie. Ein paar Tage später isst du mittags eine kleine Portion auf. Und irgendwann merkst du, dass du abends wieder ganz normal Hunger hast.

Wenn du den ganzen Verlauf besser einordnen willst, lies den Beitrag über die 3 Phasen des Cannabis-Entzugs.

Was passiert, wenn du zu wenig isst?

Zu wenig Essen macht den Entzug schwerer. Wenn deinem Körper Energie fehlt, werden Reizbarkeit, Schwäche, Schwindel, Frieren und schlechte Laune stärker. Auch die Konzentration leidet.

Daraus entsteht schnell ein Kreis, der sich selbst antreibt:

Wie wenig Essen den Entzug verstärkt

Du isst kaum etwas
→
Du wirst schlapp und gereizt
↑
↓
Der Hunger bleibt noch länger weg
←
Du schläfst schlechter und der Stress steigt

Gerade in den ersten Wochen brauchst du keine perfekte Ernährung. Du brauchst eine verlässliche Grundversorgung. Dein Körper soll merken, dass regelmäßig etwas reinkommt, auch wenn der Hunger noch nicht richtig funktioniert.

Was du konkret essen kannst

Warte nicht auf großen Hunger, denn der kommt im Entzug oft zu spät. Plane lieber kleine, einfache Mahlzeiten, bei denen du nicht lange überlegen musst.

Iss nach der Uhr, nicht nach dem Hunger

Stell dir im Handy alle drei bis vier Stunden eine Erinnerung. Wenn sie klingelt, isst du etwas Kleines, egal ob du Hunger hast. Eine Banane, ein Joghurt oder ein halbes Brot reichen.

Das klingt nach wenig. Über den Tag verteilt kommt so aber deutlich mehr zusammen als bei einer großen Mahlzeit, die du nach drei Bissen stehen lässt.

Smoothies

Trinken fällt vielen leichter als Kauen. Banane, Haferflocken, Joghurt oder Quark, Nussmus, Beeren und etwas Milch oder Pflanzendrink reichen schon.

So bekommst du in fünf Minuten Energie, Eiweiß und Nährstoffe, ohne einen vollen Teller vor dir zu haben. Viele schaffen morgens einen Smoothie, obwohl ein Frühstück noch nicht geht.

Suppen

Suppen sind warm, weich und schonen den Magen. Kartoffelsuppe, Linsensuppe, Hühnersuppe oder eine Brühe mit Nudeln funktionieren oft gut, wenn feste Mahlzeiten dich gerade abschrecken.

Koch am besten einen großen Topf und frier Portionen ein. Dann musst du an schlechten Tagen nur noch aufwärmen.

Kleine Snacks

Nüsse, Bananen, Joghurt, Käsebrot, Eier, Müsliriegel oder Trockenfrüchte sind besser als gar nichts. Am Anfang zählt vor allem, dass regelmäßig etwas reinkommt.

Leg dir die Snacks dorthin, wo du sowieso vorbeikommst: auf den Schreibtisch, in die Jackentasche, neben das Sofa. Was du sehen kannst, isst du eher.

Eiweiß

Eiweiß hilft, wenn du durch weniger Essen schnell abnimmst. Eier, Quark, Joghurt, Hülsenfrüchte, Fisch, Fleisch, Tofu oder ein Eiweißshake sind in dieser Zeit praktisch.

Ein Quark mit Obst geht auch dann noch, wenn ein warmes Essen zu viel ist. Und ein gekochtes Ei aus dem Kühlschrank ist in einer Minute gegessen.

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Vergiss das Trinken nicht

Wenn der Appetit weg ist, vergessen viele auch das Trinken. Zu wenig Flüssigkeit macht Kopfschmerzen, Schwindel, Schwäche und Unruhe stärker. Stell dir eine volle Flasche Wasser auf den Tisch und trink über den Tag verteilt immer wieder ein paar Schlucke.

Wenn dir Wasser schwerfällt, probier Tee, verdünnten Saft, Brühe oder Wasser mit Zitrone. Eine warme Brühe zählt doppelt, weil sie Flüssigkeit und etwas Salz bringt.

Bewegung kann den Hunger anschieben

Ein Spaziergang reicht oft. Bewegung beruhigt den Kopf, bringt den Kreislauf in Gang und kann den Appetit später am Tag anstoßen. Hartes Training brauchst du dafür nicht.

Leichte Bewegung ist bei wenig Hunger besser, als den ganzen Tag auf dem Sofa zu liegen. Viele merken nach zwanzig Minuten an der frischen Luft, dass ein Brot plötzlich doch geht.

Was im Entzug sonst noch passiert

Wenig Hunger kommt selten allein. Oft sind Schlafprobleme, Schwitzen, innere Unruhe, Gereiztheit oder Suchtdruck dabei. Das alles verstärkt sich gegenseitig, und es klingt auch nicht alles gleich schnell ab.

Wie lange was meist dauert

BereichWie lange es meist dauert
Appetit und MagenAb Tag 6 oder 7 besser, nach starkem Konsum bis zu zwei bis drei Wochen
Schwitzen und HitzewellenAb Ende der ersten Woche weniger, nach drei bis vier Wochen meist vorbei
Lebhafte Träume und unruhiger SchlafMehrere Wochen, manchmal länger
Stabiler, erholsamer SchlafBei vielen bis etwa Woche 7, nach langem, starkem Konsum bis zu drei Monate

Für den Überblick hilft dir der Artikel die 12 häufigsten Entzugserscheinungen durch Cannabis. Wenn du einen konkreten Plan für die ersten Tage brauchst, lies 15 Tipps für den Cannabis-Entzug.

Wann du ärztliche Hilfe brauchst

Lass dich ärztlich untersuchen, wenn du sehr schnell viel Gewicht verlierst oder nichts bei dir behältst. Das gilt auch, wenn du kaum trinken kannst, dich oft übergibst, starke Bauchschmerzen hast oder von Tag zu Tag schwächer wirst. Ein Warnzeichen ist auch, wenn dir die Hose nach zwei Wochen sichtbar zu weit ist, obwohl du nicht abnehmen wolltest.

Hattest du früher schon eine Essstörung oder große Probleme mit dem Essen, sag das deiner Ärztin oder deinem Arzt gleich zu Beginn. Dasselbe gilt, wenn Essen bei dir mit starker Angst oder Kontrollverlust verbunden ist. Dann ist der fehlende Hunger nur ein Teil des Themas und braucht mehr Aufmerksamkeit.

Auch wenn sich der Appetit nach drei Wochen noch gar nicht bessert, gehört eine Abklärung dazu. Außerhalb der Praxiszeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Bei Ohnmacht, Verwirrtheit oder wenn du Blut erbrichst, rufst du sofort die 112.

Fazit

Wenig Hunger im Cannabis-Entzug ist unangenehm, aber er passt zu dem, was in deinem Körper gerade passiert. Ab Tag 6 oder 7 wird es bei vielen besser, nach starkem Konsum kann es zwei bis drei Wochen dauern.

Bis dahin helfen dir kleine Portionen nach der Uhr, genug Trinken und ein Spaziergang am Tag. Wenn Warnzeichen dazukommen oder sich nach Wochen nichts bessert, lass es abklären.

Wenn du die ersten Wochen nicht allein durchstehen willst, begleitet dich unser Online-Programm Schritt für Schritt vom letzten Joint bis in den neuen Alltag.

Häufige Fragen

Warum habe ich nach dem Kiffen aufhören keinen Hunger?

Dein Körper ist an den Hunger gewöhnt, den THC auslöst. Fällt das THC weg, muss sich der natürliche Hunger erst wieder einspielen. Stress, schlechter Schlaf und ein flauer Magen drücken den Appetit in den ersten Tagen zusätzlich.

Wie lange dauert die Appetitlosigkeit im Cannabis-Entzug?

Sie beginnt meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Joint und ist zwischen Tag 2 und Tag 6 am stärksten. Ab Tag 6 oder 7 kommt der Appetit bei vielen zurück. Nach starkem, langjährigem Konsum kann es bis zu zwei bis drei Wochen dauern.

Wie lange nimmt man im Cannabis-Entzug ab?

Viele verlieren in den ersten ein bis zwei Wochen etwas Gewicht. Sobald Appetit, Schlaf und Alltag stabiler werden, pendelt sich das Gewicht bei den meisten wieder ein. Starken oder anhaltenden Gewichtsverlust solltest du ärztlich abklären lassen.

Was soll ich essen, wenn ich keinen Hunger habe?

Starte mit kleinen, einfachen Dingen wie Smoothie, Suppe, Banane, Joghurt, Brot, Eiern, Nüssen oder Brühe. Was du trinken kannst, fällt oft leichter als eine große feste Mahlzeit. Iss lieber alle drei bis vier Stunden etwas Kleines, als auf großen Hunger zu warten.

Wann muss ich mit der Appetitlosigkeit zum Arzt?

Wenn du schnell viel abnimmst, nichts bei dir behältst, kaum trinken kannst oder schon einmal eine Essstörung hattest. Auch wenn sich nach drei Wochen nichts bessert. Außerhalb der Praxiszeiten hilft der Bereitschaftsdienst unter 116117, bei Ohnmacht oder Verwirrtheit rufst du die 112.

Kann Cannabis medizinisch Appetit steigern?

Ja, cannabinoidhaltige Medikamente werden in bestimmten medizinischen Situationen zur Behandlung von Übelkeit oder Appetitverlust eingesetzt. Das erklärt, warum Appetit und THC so eng zusammenhängen. Beim Entzug geht es aber darum, dass dein Körper wieder ohne diesen Reiz essen lernt.

Sabrina S., Gesundheitscoach

Über den Autor

Sabrina S. · Gesundheitscoach

Sabrina S. ist Gesundheitscoach und wurde vom AZK-Team engagiert. Sie kennt sich mit Gesundheit aus und mit allem, was aktive Bewegung betrifft. Deshalb schreibt sie über Themen, bei denen Gesundheit und Bewegung zusammenkommen.

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