
Wann ist der Cannabis-Entzug am stärksten: und wie du es überlebst
ist ein Thema, bei dem viele erst anfangen zu suchen, wenn es schon unangenehm geworden ist. Vielleicht bist du gerade mitten im Konsum, mitten im Entzug...
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Jeden Tag kiffen und dann aufhören ist eine andere Nummer als gelegentlich mal eine Pause zu machen. Wenn Cannabis jeden Abend, jedes Wochenende oder sogar jeden Morgen dabei war, entfernst du nicht nur eine Substanz. Du veränderst deinen ganzen Tagesablauf.
Genau deshalb scheitern viele nicht am Willen. Sie scheitern daran, dass sie ohne Plan in ein Leben starten, in dem Cannabis vorher an 20 Stellen eine Funktion hatte.
Die gute Nachricht: Täglicher Konsum bedeutet nicht, dass du feststeckst. Es bedeutet nur, dass du den Ausstieg ernst genug vorbereiten musst.
Das Wichtigste in Kürze
Wenn du jeden Tag gekifft hast, war Cannabis dein Regler für vieles gleichzeitig. Für Stress, für den Schlaf, für den Hunger, gegen Langeweile und vielleicht sogar, um unter Leuten lockerer zu sein.
Hörst du auf, fallen all diese Regler auf einmal weg. Deshalb fühlt sich der Anfang oft chaotisch an. Du bist nicht zu schwach, du baust gerade mehrere Gewohnheiten gleichzeitig um.
Dazu kommt der Körper. Er hat sich an das THC gewöhnt und muss jetzt ohne auskommen. Bei Menschen, die jeden Tag kiffen, sind Entzugsbeschwerden laut einer Auswertung von 47 Studien häufiger. So sieht das im Alltag aus:
Was der Joint bisher für dich erledigt hat
| Moment | Mit Joint | In den ersten Tagen ohne |
|---|---|---|
| Nach der Arbeit | Du schaltest sofort ab | Der Kopf läuft weiter, du bist unruhig |
| Im Bett | Du wirst müde und schläfst ein | Du liegst wach oder wachst oft auf |
| Beim Essen | Du bekommst Hunger | Du hast kaum Appetit |
| Bei Stress oder Streit | Der Ärger wird gedämpft | Du bist schneller gereizt |
| Am freien Abend | Der Abend ist gefüllt | Der Abend fühlt sich leer an |
Jede Zeile davon ist eine Stelle, an der du jetzt eine neue Lösung brauchst. Das klingt nach viel. Dafür weißt du jetzt genau, wo du ansetzen kannst. Die typischen Symptome findest du hier gesammelt: Die 12 häufigsten Entzugserscheinungen durch Cannabis.
In einer Studie mit starken Kiffern begannen die Beschwerden meist an Tag 1 bis 3. Am stärksten waren sie zwischen Tag 2 und Tag 6, die meisten hielten 4 bis 14 Tage an. Schlechter Schlaf und Stimmungstiefs können länger bleiben als der Rest.
Nach der ersten Woche geht es weniger um den Körper und mehr um Stress, Leere, alte Auslöser und die Frage: Was mache ich jetzt mit meinem Abend? So sieht der Verlauf in unseren drei Phasen aus:
So läuft der Ausstieg nach täglichem Kiffen meistens ab
Wer jahrelang jeden Abend mehrere Joints geraucht hat, liegt eher am langen Ende dieser Zeiten. Den Verlauf erklären wir ausführlicher in So laufen die 3 Phasen des Cannabis-Entzugs ab.
Viele sagen sich: Ich muss einfach nur stark bleiben. Willenskraft funktioniert aber am besten, wenn du ausgeruht, satt und ausgeglichen bist. Genau das bist du im Entzug oft nicht.
Dazu kommt ein fieser Punkt: Ein Joint würde die Beschwerden sofort lindern. Laut einer Übersichtsarbeit ist genau das ein Hauptgrund, warum viele im Entzug wieder anfangen.
Wenn du jeden Tag gekifft hast, brauchst du deshalb neue Abläufe statt Ersatzdrogen: einen klaren Abend, eine Schlafroutine, Essen im Haus, Bewegung, Menschen, die Bescheid wissen, und einen Plan für den Suchtdruck.
Sonst stehst du irgendwann müde, hungrig und gestresst vor derselben alten Entscheidung. Dann gewinnt nicht dein Ziel, sondern dein Autopilot.

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Mach den Ausstieg nicht unnötig kompliziert. Bereite ihn aber so vor, dass dein schwächster Moment nicht alles entscheiden muss.
Such dir einen Tag aus, an dem nicht gerade die stressigste Woche des Jahres beginnt. Ein Starttag in zwei, drei Tagen ist besser als „irgendwann bald“.
Am Abend davor kommt alles raus: Vorräte, Papers, Grinder, Bong. Was nicht im Haus ist, kannst du um 23 Uhr auch nicht mehr rauchen.
Sag mindestens einem Menschen, der dich ernst nimmt, dass du aufhörst. Das kann der Partner sein, ein Freund oder deine Schwester.
Du brauchst keine Aufpasserin. Es hilft schon, dass jemand Bescheid weiß, wenn du an Tag 4 schlecht drauf bist.
Nach unserer Erfahrung ist der Suchtdruck in der ersten Woche abends am stärksten, genau zu der Uhrzeit, zu der sonst der Joint kam. Dazu kommt ein Kreislauf, den viele kennen:
Wie der Abend-Joint sich festsetzt
Plane deshalb die ersten sieben Abende vor. Was machst du um 20 Uhr, was um 22 Uhr? Kochen, Sport, ein Anruf, eine Serie mit jemandem zusammen, früh ins Bett.
Nach unserer Erfahrung ebbt eine Welle Suchtdruck oft nach etwa 20 Minuten wieder ab, wenn du ihr nicht nachgibst. Du musst nicht den ganzen Abend durchhalten, nur die nächsten 20 Minuten.
In den ersten Tagen ist der Appetit oft schwach. Kauf Dinge ein, die du auch ohne Hunger runterbekommst: Brot, Joghurt, Bananen, eine fertige Suppe.
So musst du dir abends, wenn du ohnehin wenig Kraft hast, nicht auch noch Gedanken übers Kochen machen.
Geh jeden Tag raus, am besten morgens. Ein Spaziergang reicht, es muss kein Training sein.
Viele schlafen nach einem Tag mit Licht und Bewegung etwas besser. In Studien hing Bewegung im Entzug auch mit weniger Suchtdruck zusammen.
Schreib dir drei Gründe auf, warum du aufhörst. Nimm deine eigenen, ganz konkret: das Geld, dein Kopf am Morgen, das Gespräch mit deiner Tochter.
Wenn der Suchtdruck kommt, lies sie. Dein Kopf verhandelt in diesen Momenten gern, und dann hilft es, schwarz auf weiß zu sehen, worum es dir eigentlich geht.
Du musst nicht dein ganzes Leben in einer Woche neu bauen. Die ersten Tage sollen nur so laufen, dass dein Körper eine Chance bekommt, ruhiger zu werden. Danach beginnt die eigentliche Arbeit: herausfinden, warum Cannabis so viel Platz bekommen hat. Wenn dein Kopf verhandelt, lies auch Rückfall beim Kiffen aufhören.
Die meisten hören zu Hause auf, eine Klinik ist selten nötig. Bei starker Angst, anhaltender Depression, Suizidgedanken, Stimmenhören oder schweren körperlichen Beschwerden hol dir aber professionelle Hilfe. Das gilt auch, wenn du zusätzlich Alkohol, Beruhigungsmittel oder andere Drogen nimmst.
Das ist kein Scheitern. Es ist Unterstützung an der richtigen Stelle. Hast du Gedanken, dir etwas anzutun, ruf die 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.
Für den größeren Überblick ist außerdem wichtig: was passiert, wenn man aufhört zu kiffen. Einen strukturierten Plan für die ersten Wochen findest du im Cannabis-Entzug Guide.
Nach täglichem Kiffen aufzuhören ist schwer. Cannabis war nicht nur in deinem Körper, es steckte in deinem ganzen Alltag. Deshalb brauchst du mehr als einen guten Vorsatz.
Mach den Start konkret: Räum auf, plan die ersten Abende, sag jemandem Bescheid und rechne nicht damit, dass sich alles sofort gut anfühlt. Wenn du diesen Weg nicht allein gehen willst, begleitet dich unser Online-Programm Schritt für Schritt vom letzten Joint bis in den neuen Alltag.
Ja, die meisten schaffen das zu Hause, eine Klinik ist selten nötig. Es braucht aber Vorbereitung. Nimmst du zusätzlich andere Substanzen oder hast du eine psychische Erkrankung, hol dir ärztliche oder therapeutische Begleitung dazu.
Oft ist er das. Entzugsbeschwerden sind bei Menschen, die jeden Tag kiffen, häufiger. Wer abhängig ist, hat laut Fachliteratur meist auch stärkere und längere Beschwerden.
Körperlich sind die ersten Tage am härtesten, am stärksten zwischen Tag 2 und Tag 6. Schlaf, Stimmung und Suchtdruck brauchen länger, bei vielen bis etwa Woche 7. Nach langem, starkem Konsum kann sich die Umstellung bis etwa 3 Monate ziehen.
Beides kann klappen. Langsames Reduzieren über mehrere Wochen kann die Beschwerden abschwächen, ist aber wenig erforscht. Wichtig ist, dass daraus kein endloses Verschieben wird. Leg dir deshalb auch beim Reduzieren ein festes Enddatum fest.
Der Abend war jahrelang mit dem Joint verknüpft. Dein Kopf erwartet ihn zur gewohnten Zeit. Nach unserer Erfahrung wird das ab der zweiten oder dritten Woche schwächer, wenn du die Abende anders füllst.
Ein Ausrutscher macht die bisherigen Tage nicht wertlos. Schau dir an, in welcher Situation es passiert ist, und plan genau diese Situation beim nächsten Mal anders. Mehr dazu liest du im Artikel über den Rückfall beim Kiffen aufhören.

Über den Autor
Ben C. · Texter im AZK-Team
Ben C. hat sechs Jahre konsumiert. Er hat in einer Entzugsklinik gearbeitet und dort auch seinen eigenen Entzug gemacht. Dadurch kennt er Cannabis-Entzug aus eigener Erfahrung und aus dem Klinikalltag.
Mehr über das AZK-Team →
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