Erhöhter Blutdruck im Cannabis-Entzug

Blutdruckmessgerät als Symbol für erhöhten Blutdruck im Cannabis-Entzug

Wenn du mit dem Kiffen aufhörst und plötzlich Herzklopfen, inneren Druck oder höhere Blutdruckwerte bemerkst, kann das verunsichern. Gerade nach langem, täglichem Konsum reagiert das Nervensystem in den ersten Tagen oft spürbar.

Ein erhöhter Blutdruck im Cannabis-Entzug kann vorkommen. Trotzdem solltest du Blutdruck ernst nehmen. Es gibt harmlose Schwankungen, aber auch Werte und Beschwerden, die medizinisch abgeklärt werden müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ob der Blutdruck im Cannabis-Entzug steigt, ist kaum erforscht. Eine kleine Studie fand bei einem Teil der Kiffer deutlich höhere Werte, eine andere keine Veränderung.
  • Ein einzelner hoher Wert nach Kaffee, Zigarette, Streit oder einer schlechten Nacht sagt wenig. Wichtig ist der Schnitt über mehrere Tage, zu Hause liegt die Grenze bei 135/85 mmHg.
  • Hast du schon Bluthochdruck, Herzprobleme oder nimmst Blutdruckmittel, sprich vor dem Aufhören mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
  • Sehr hohe Werte zusammen mit Brustschmerz, Atemnot, Lähmung, Seh- oder Sprechstörung sind ein Notfall. Dann rufst du sofort die 112.

Warum der Blutdruck im Cannabis-Entzug steigen kann

Dein Körper hat sich an THC gewöhnt. THC hat mitgeregelt, wie du schläfst, wie stark du auf Stress reagierst und wie schnell du abends runterkommst. Fällt das THC weg, muss dein Körper das alles wieder selbst hinbekommen. Das dauert ein paar Tage.

In dieser Zeit läuft vieles auf Alarm. Du liegst abends auf dem Sofa, eigentlich ist nichts los, und trotzdem bist du unruhig. Du schwitzt, schläfst schlecht und spürst dein Herz deutlicher als sonst. Bei manchen zeigt das Messgerät dann auch höhere Werte.

Der Blutdruck hängt stark an Stress. Die Deutsche Hochdruckliga zählt Stress, Koffein, Nikotin und Drogen zu den Dingen, die ihn hochtreiben können. Ein Entzug ist für den Körper Stress, auch wenn du ihn im Kopf gut wegsteckst. Was das Kiffen selbst mit Puls und Druck macht, erklärt Cannabis und Blutdruck.

Was die Studien wirklich zeigen

Zum Blutdruck im Cannabis-Entzug gibt es erstaunlich wenig Forschung. Die bekannteste Studie kommt von der Johns Hopkins University. Dort lebten 13 Männer und Frauen, die jeden Tag kifften, elf Tage auf einer Station. Mal durften sie kiffen, mal mussten sie ein paar Tage Pause machen.

In den Pausen lag der Blutdruck im Schnitt höher als an den Tagen mit Gras. Bei sechs der 13 war der Anstieg deutlich. Eine spätere Studie aus Deutschland mit 39 Menschen im stationären Entzug fand dagegen keine nennenswerte Veränderung bei Blutdruck und Puls.

Zwei Studien zu Blutdruck im Entzug

StudieWer gemessen wurdeBlutdruckPuls
Vandrey und Kollegen, 2011, USA13 Menschen, die jeden Tag kifften, elf Tage auf StationIn den Pausen höher, bei 6 von 13 deutlich: oben bis zu 22,8 und unten bis zu 12,3 mmHg mehrMorgens leicht höher, aber ohne medizinische Bedeutung
Bonnet, 2016, Deutschland39 Menschen mit Cannabis-Abhängigkeit im stationären EntzugKeine deutliche VeränderungKeine deutliche Veränderung

Beide Studien sind klein. Ehrlich gesagt heißt das: Ein höherer Blutdruck im Entzug kann vorkommen, er betrifft aber nicht jeden. Die Forscher von Johns Hopkins raten trotzdem, den Blutdruck beim Aufhören im Blick zu behalten, vor allem wenn er schon vorher zu hoch war.

Wie lange hält erhöhter Blutdruck im Entzug an?

Für den Blutdruck kann dir das niemand seriös sagen. Selbst die Johns-Hopkins-Forscher schreiben, dass der zeitliche Verlauf noch unbekannt ist. Jede feste Zahl wäre hier geraten.

Für den Entzug insgesamt sieht es klarer aus. In einer Studie mit 45 Tagen ohne Konsum begannen die Beschwerden meist an Tag 1 bis 3. Am stärksten waren sie zwischen Tag 2 und Tag 6, die meisten hielten 4 bis 14 Tage an.

Das passt zur Reset-Phase, also den ersten fünf Tagen nach dem letzten Joint. Wenn dein Blutdruck mit der Unruhe zusammenhängt, sollte er mit ihr auch wieder ruhiger werden. Bleiben die Werte nach zwei, drei Wochen hoch, steckt vermutlich etwas anderes dahinter, und das gehört abgeklärt.

So misst du sinnvoll

Ein guter Messwert braucht Ruhe. Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt, sich vorher hinzusetzen und ein paar Minuten nichts zu tun: kein Handy, kein Fernseher, kein Reden. In der halben Stunde davor solltest du dich nicht anstrengen und nicht aufregen.

Setz dich angelehnt an den Küchentisch, beide Füße auf dem Boden, den Unterarm flach auf dem Tisch. Ein Gerät mit Oberarm-Manschette sitzt so automatisch auf Herzhöhe. Lass in der halben Stunde vorher auch Kaffee und Zigarette weg, beides kann den Wert hochtreiben.

Miss zweimal mit einer Minute Abstand und schreib den zweiten Wert auf. Am besten morgens und abends, jeweils etwa zur gleichen Zeit. Öfter hintereinander zu messen verfälscht die Werte, das sagt auch die Hochdruckliga.

Notier dir neben den Werten kurz, was los war: wenig geschlafen, drei Kaffee, Streit, Spaziergang. Nach einer Woche siehst du, wohin die Werte im Schnitt gehen. Bei Messungen zu Hause liegt die Grenze zum Bluthochdruck bei 135/85 mmHg, gemittelt über sieben Tage. In der Praxis gelten die Werte aus dieser Tabelle:

Blutdruckwerte einordnen (Messung in der Praxis)

BereichOberer WertUnterer Wert
Optimalunter 120unter 80
Normal120 bis 12980 bis 84
Hochnormal130 bis 13985 bis 89
Bluthochdruck Grad 1140 bis 15990 bis 99
Bluthochdruck Grad 2160 bis 179100 bis 109
Bluthochdruck Grad 3ab 180ab 110

Es reicht, wenn einer der beiden Werte im höheren Bereich liegt. 150/85 zählt also schon als Grad 1. Zu Hause gemessene Werte liegen meist etwas niedriger als beim Arzt, weil viele in der Praxis nervös sind.

Wann du medizinische Hilfe brauchst

Hast du schon Bluthochdruck, Herzprobleme, eine Nierenerkrankung, Diabetes oder nimmst du Blutdruckmittel? Dann sprich vor dem Aufhören mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Gerade bei dir lohnt es sich, in den ersten Wochen regelmäßig zu messen.

Liegen deine Werte zu Hause über mehrere Tage im Schnitt über 135/85, lass das in der Hausarztpraxis anschauen. Je höher die Werte, desto früher. Bei Werten im Bereich von Grad 2, also ab 160/100, wartest du nicht erst wochenlang ab.

Misst du mehr als 180/110, bleib erst einmal ruhig. Die ärztliche Leitlinie zu Bluthochdruck rät, sich hinzusetzen, an etwas anderes zu denken und nach etwa 30 Minuten noch einmal zu messen. Ist der Wert dann nicht besser oder hast du Beschwerden, ruf deine Praxis oder den Bereitschaftsdienst unter 116117 an.

Kommen zu sehr hohem Blutdruck Atemnot, starke Enge oder Schmerz in der Brust, Lähmungen, Seh- oder Sprechstörungen, Verwirrtheit, ein Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit dazu, rufst du sofort die 112. Das kann ein Notfall wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall sein.

Was den Blutdruck im Entzug stabilisieren kann

Weniger Kaffee und Energy Drinks

Viele trinken im Entzug mehr Kaffee, weil sie nachts schlecht schlafen und tagsüber durchhängen. Kaffee, Energy Drinks und viel Mate machen aber zusätzlich unruhig und können den Blutdruck hochtreiben.

Gerade in den ersten Tagen fühlt sich weniger Koffein für viele spürbar ruhiger an. Eine Tasse am Morgen reicht, ab dem Nachmittag lieber Wasser oder Tee ohne Koffein.

Zigaretten im Blick behalten

Viele rauchen im Entzug mehr Zigaretten, weil die Hand etwas zu tun braucht. Nikotin kann den Blutdruck aber ebenfalls hochtreiben.

Wenn du weiter rauchst, schau in deinen Notizen nach, wie deine Werte nach einer Zigarette aussehen. Und miss nie direkt nach dem Rauchen, sonst misst du vor allem die Zigarette.

Locker bewegen

Ein Spaziergang nach dem Abendessen, lockeres Radfahren oder leichtes Training bauen Anspannung ab und helfen beim Einschlafen. Du musst dich dafür nicht auspowern.

Bei sehr hohen Werten, Brustschmerz, Atemnot oder Schwindel lässt du den Sport weg. Dann kommt zuerst die ärztliche Abklärung.

Abends runterfahren statt zum Bier greifen

Wenn der Joint am Abend fehlt, liegt das Bier nahe. Alkohol kann den Blutdruck aber ebenfalls hochtreiben, macht den Schlaf schlechter und ist im Entzug ein riskanter Ersatz.

Besser helfen feste Schlafzeiten, Licht am Morgen und ein ruhiger Abend ohne Bildschirm im Bett. Wer besser schläft, ist tagsüber weniger angespannt, und genau das merkst du auch beim Messen.

Magnesium richtig einordnen

Manche nehmen Magnesium, weil es ihnen bei Anspannung, Schwitzen oder Muskelkrämpfen hilft. Das kannst du ausprobieren.

Ein Mittel gegen hohen Blutdruck ist es nicht. Bleiben deine Werte hoch, brauchst du trotzdem eine Abklärung in der Praxis.

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Warum Panik den Blutdruck zusätzlich hochtreiben kann

Du sitzt am Küchentisch, die Manschette pumpt, und auf dem Display steht 152/94. Sofort schießen dir Gedanken durch den Kopf: Ist das gefährlich? Liegt das am Entzug? Also misst du gleich noch einmal, und der Wert ist noch höher.

Das ist kein Zufall. Schon die Nervosität beim Arzt treibt bei vielen den Blutdruck hoch, das kennt die Hochdruckliga als Weißkitteleffekt. Dein Schreck vor dem Messgerät macht zu Hause genau dasselbe.

Was beim Messen oft passiert

Du bist unruhig und misst
→
Der Wert ist höher als gedacht
↑
↓
Die nächste Messung fällt noch höher aus
←
Du erschrickst und wirst noch angespannter

Aus diesem Kreis kommst du raus, wenn du dir feste Messzeiten setzt, morgens und abends, zweimal mit einer Minute Abstand. Dazwischen bleibt das Gerät in der Schublade. Eine Woche Notizen helfen dir und deiner Ärztin mehr als zehn hektische Messungen hintereinander.

Was das für deinen Entzug bedeutet

Höhere Werte im Entzug können ein Zeichen dafür sein, dass dein Körper gerade unter Strom steht. Das passt zur Reset-Phase mit schlechtem Schlaf, Schwitzen und innerer Unruhe. Beim Blutdruck nimmst du Warnzeichen trotzdem ernst und schiebst nicht alles auf den Entzug.

Alle häufigen Symptome findest du hier: Die 12 häufigsten Entzugserscheinungen durch Cannabis. Den Verlauf ordnen wir hier ein: Die 3 Phasen des Cannabis-Entzugs.

Wenn du die unruhigen ersten Wochen nicht allein durchstehen willst, begleitet dich unser Online-Programm Schritt für Schritt vom letzten Joint bis in den neuen Alltag.

Häufige Fragen

Ist erhöhter Blutdruck beim Kiffen aufhören normal?

Er kann vorkommen, vor allem nach täglichem Konsum. In einer Studie stieg der Blutdruck in den Pausen bei 6 von 13 Kiffern deutlich, eine andere Studie fand keine Veränderung. Bleiben deine Werte über Tage hoch oder hast du Beschwerden, lass es ärztlich prüfen.

Wie lange bleibt der Blutdruck im Entzug erhöht?

Das ist nicht erforscht. Die meisten Entzugsbeschwerden sind zwischen Tag 2 und Tag 6 am stärksten und lassen nach ein bis zwei Wochen nach. Sind deine Werte nach zwei, drei Wochen noch hoch, lass das in der Praxis abklären.

Ab welchem Wert muss ich zum Arzt oder die 112 rufen?

Liegt der Schnitt deiner Messungen zu Hause über mehrere Tage über 135/85, geh zur Hausarztpraxis. Bei mehr als 180/110 nach 30 Minuten Ruhe noch einmal messen und bei gleichem Wert oder Beschwerden die Praxis oder 116117 anrufen. Mit Brustschmerz, Atemnot, Lähmung, Seh- oder Sprechstörung rufst du sofort die 112.

Soll ich bei erhöhtem Blutdruck Sport machen?

Bei leicht erhöhten Werten tun Spaziergänge und lockere Bewegung den meisten gut. Bei sehr hohen Werten, Brustschmerz, Atemnot, Schwindel, Lähmungen oder Sehstörungen pausierst du den Sport und lässt dich zuerst ärztlich untersuchen.

Hat das Kiffen meinen Blutdruck vorher verändert?

Kurz nach dem Kiffen steigen Blutdruck und Puls. Wer viel kifft, gewöhnt sich an diesen Effekt. In der Johns-Hopkins-Studie lag der Blutdruck in den Pausen höher als an den Tagen mit Gras. Warum genau, ist noch nicht geklärt.

Ist Herzrasen im Entzug gefährlich?

Beim Puls fanden beide Studien kaum Veränderung, Herzklopfen spüren viele trotzdem durch die Unruhe. Rast dein Herz lange und beruhigt sich nicht oder schlägt es unregelmäßig, lass es abklären. Kommen Brustschmerz, Atemnot oder Ohnmacht dazu, rufst du die 112.

Sabrina S., Gesundheitscoach

Über den Autor

Sabrina S. · Gesundheitscoach

Sabrina S. ist Gesundheitscoach und wurde vom AZK-Team engagiert. Sie kennt sich mit Gesundheit aus und mit allem, was aktive Bewegung betrifft. Deshalb schreibt sie über Themen, bei denen Gesundheit und Bewegung zusammenkommen.

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