Keine Energie nach dem Kiffen aufhören: Warum du so platt bist

Warum du nach dem Kiffen so platt bist

Keine Energie nach dem Kiffen aufhören zu haben, fühlt sich unfair an. Man denkt ja eigentlich: Wenn ich nicht mehr kiffe, müsste ich doch wacher, klarer und motivierter sein. Und dann sitzt du da, bist nüchtern, aber fühlst dich trotzdem platt.

Vielleicht kommst du morgens schwer raus. Vielleicht ist der Kopf langsam. Vielleicht fühlt sich selbst Duschen, Einkaufen oder eine kurze Nachricht wie Arbeit an. Und dann kommt schnell der Gedanke: War ich mit Cannabis vielleicht doch leistungsfähiger?

Wahrscheinlich nicht. Aber dein Körper ist gerade in einer Zwischenphase. Die alte künstliche Anschubhilfe ist weg, und die eigene Energieproduktion läuft noch nicht wieder rund.

Das Wichtigste in Kürze

  • Platt und müde zu sein ist in den ersten Wochen nach dem Aufhören häufig. Schlechter Schlaf, ein Kopf, der ohne THC neu lernen muss, und ein Alltag ohne die gewohnte Belohnung kommen zusammen.
  • Der Entzug beginnt meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Joint. Die meisten Beschwerden sind zwischen Tag 2 und Tag 6 am stärksten, in dieser Zeit ist die Energie oft am niedrigsten.
  • In der Fokus-Phase, etwa ab Woche 3 oder 4 bis Woche 7, kommt bei vielen der Antrieb zurück. Nach langem, starkem Konsum kann es bis etwa 3 Monate dauern.
  • Wird die Erschöpfung über Wochen nicht besser oder kommen Gedanken, dir etwas anzutun, hol dir Hilfe: 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.

Warum die Energie in den ersten Wochen so niedrig ist

Wenn du regelmäßig gekifft hast, hat Cannabis mehr gemacht, als dich high zu machen. Es hat mitbestimmt, wie du schläfst, wann du Hunger hast, wie stark dich Stress trifft und was sich gut anfühlt. Dein Körper hat sich darauf eingestellt, dass dieser Anschub jeden Tag von außen kommt.

Fällt das THC weg, muss er das alles wieder selbst hinbekommen. Bis das klappt, fühlt sich der Alltag flach an. Aufstehen, arbeiten, aufräumen, Leute treffen: Alles kostet mehr Kraft als sonst.

Müdigkeit und Schwäche stehen nicht bei den offiziellen Hauptzeichen des Entzugs, werden in Studien aber beschrieben. Vor allem hängen sie mit dem zusammen, was ganz oben steht: schlechter Schlaf, Unruhe und wenig Appetit.

Was in den ersten Tagen auf dich zukommt, steht im Artikel Die ersten 3 Tage im Cannabis-Entzug.

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Der Schlaf ist oft der größte Energieräuber

Mit Cannabis bist du vielleicht schneller eingeschlafen, aber erholsam war der Schlaf deshalb nicht unbedingt. Beim Aufhören kommt beides zusammen: Der alte Schlaf war nicht gut, und der neue muss sich erst einpendeln.

In den ersten Nächten wachst du öfter auf, liegst lange wach oder träumst so heftig, dass du morgens wie gerädert bist. Kein Wunder, dass am nächsten Tag keine Energie da ist. Schlafprobleme gehören zu den häufigsten Entzugszeichen und können bei starkem Konsum mehrere Wochen anhalten.

Dazu kommt ein Kreislauf, den viele kennen. Du bist müde, legst dich nachmittags aufs Sofa und scrollst. Abends bist du dann nicht müde genug, schläfst schlecht ein, und der nächste Tag startet noch zäher:

Wie Müdigkeit und schlechter Schlaf sich hochschaukeln

Du bist müde und kommst nicht hoch
→
Du landest auf dem Sofa und am Handy
↑
↓
Am nächsten Morgen bist du noch müder
←
Abends kommst du nicht runter und schläfst schlecht

Der Kopf deutet die Müdigkeit dann schnell als Scheitern. Dabei ist es meist einfach zu wenig Schlaf, plus Entzug, plus Umstellung. Jede Nacht, die etwas besser läuft, gibt dir am nächsten Tag ein Stück Kraft zurück.

Wenn der Schlaf bei dir das Hauptproblem ist, lies Ohne Cannabis schlafen: Was im Entzug wirklich hilft.

Dein Belohnungssystem braucht Zeit

Cannabis hat deinem Kopf schnell ein gutes Gefühl gegeben. Nicht immer als großes High, oft einfach als: Jetzt ist es okay, jetzt ist Ruhe, jetzt ist der Abend gerettet.

Fällt das weg, wirkt der normale Alltag erst mal blass. Ein gutes Essen, ein Spaziergang, eine erledigte Aufgabe: Das kommt alles langsamer an als vorher. Dein Körper ist nicht kaputt, er ist nur daran gewöhnt, dass die Motivation von außen angeschoben wurde.

Dafür gibt es auch einen Grund im Gehirn. Die Andockstellen, an denen THC wirkt, werden bei regelmäßigem Konsum unempfindlicher. Nach dem Aufhören erholen sie sich, und nach etwa 4 Wochen arbeiten sie laut Studien wieder normal. Das passt dazu, dass viele genau um diese Zeit merken, dass es aufwärts geht.

Was du nicht falsch verstehen solltest

Keine Energie zu haben bedeutet nicht, dass Aufhören nichts bringt. Dein Leben ohne Cannabis bleibt auch nicht für immer leer.

Erst mal bekommst du gerade die Rechnung für eine lange Gewöhnung. War Cannabis über Monate oder Jahre Teil deines Alltags, stellt sich dein Körper nicht in ein paar Tagen komplett um.

Gefährlich wird es, wenn du denkst: Ohne Kiffen bin ich nutzlos. Das ist kein ehrliches Urteil über dich, das ist ein Entzugsgedanke aus einem müden Körper. Ein Beispiel: Du schaffst an einem Samstag nur Einkaufen und Wäsche. Früher hättest du dafür einen Joint gebraucht. Heute hast du es ohne geschafft, auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Wie lange dauert es, bis die Energie zurückkommt?

Rechne damit, dass deine Energie in den ersten Tagen sogar noch weiter sinkt. Am ersten Tag trägt dich oft noch der Schwung der Entscheidung. Ab Tag 2 oder 3 kommen schlechter Schlaf, ein unruhiger Magen und Konzentrationsprobleme dazu. Das ist der Anfang, nicht das Endergebnis.

Der Entzug beginnt meist ein bis zwei Tage nach dem letzten Joint, am stärksten ist er bei vielen zwischen Tag 2 und Tag 6. So sieht das im Verlauf unserer drei Phasen aus:

Wann die Energie zurückkommt

  1. Reset: Tag 1 bis 5Der Entzug beginnt meist nach 24 bis 48 Stunden. Du schläfst schlecht, isst wenig, und die Energie ist oft am niedrigsten.
  2. Resilienz: Tag 5 bis Woche 3 oder 4Die Energie schwankt. Klare Tage wechseln sich mit Tagen ab, an denen du wieder völlig platt bist.
  3. Fokus: bis Woche 7Bei vielen kommt der Antrieb zurück. Die Vormittage werden klarer, und nach der Arbeit bleibt wieder Kraft übrig.
  4. DanachNach langem, starkem Konsum kann es bis etwa 3 Monate dauern, bis Schlaf und Energie sich ganz eingependelt haben.

In der Resilienz-Phase ist das Auf und Ab typisch. An einem Tag bist du erstaunlich klar, am nächsten liegst du wieder schwer auf dem Sofa. Ein schlapper Tag in Woche drei ist kein Rückschritt.

In der Fokus-Phase merken viele zum ersten Mal eine andere Grundlinie. Du hast nicht plötzlich jede Menge Energie, bist aber weniger erschöpft. Woran du das merkst:

  • du wachst auf, ohne dass die ersten Stunden im Nebel liegen
  • der Vormittag wird produktiver
  • nach der Arbeit bleibt noch Kraft für einen Spaziergang oder ein Treffen
  • du brauchst weniger Kaffee, um durchzukommen
  • Bewegung fühlt sich nicht mehr wie Quälerei an

Viele beschreiben danach nicht mehr Energie als früher, sondern ihre eigene Energie, die jahrelang gedämpft war. Den ganzen Verlauf findest du hier: Die 3 Phasen des Cannabis-Entzugs.

Was du gegen die Energielosigkeit tun kannst

Fang kleiner an, als dein Ego will. Viele wollen sofort beweisen, dass sie jetzt ein neuer Mensch sind: früher aufstehen, trainieren, perfekt essen, alles auf einmal erledigen.

Das geht oft nach hinten los. Wenn du ohnehin erschöpft bist, brauchst du keinen Druck, sondern einen einfachen, gleichmäßigen Tag. Das hilft vielen:

  • jeden Morgen zur ähnlichen Zeit aufstehen
  • morgens Tageslicht bekommen
  • 20 Minuten spazieren gehen
  • kleine Mahlzeiten essen
  • genug trinken
  • Kaffee nur bis zum frühen Nachmittag
  • abends nicht endlos am Handy hängen
  • eine kleine Aufgabe pro Tag erledigen

Das klingt nicht nach großem Neustart. Aber genau solche einfachen Dinge geben deinem Körper wieder einen Rhythmus, und der Rhythmus bringt den Schlaf zurück.

Was dich eher Energie kostet

Energydrinks und viel Kaffee. Sie schieben die Müdigkeit nur nach hinten und machen die Nacht schlechter. Am nächsten Tag brauchst du dann noch mehr davon.

Am Wochenende lange ausschlafen. Das bringt deinen Rhythmus durcheinander, und die Nacht auf Montag wird oft schlechter.

Lange Mittagsschläfe. Wer tagsüber zwei Stunden schläft, liegt nachts eher wach. Wenn du tagsüber schlafen musst, dann lieber kurz, etwa 20 Minuten.

Abwarten, ohne etwas zu ändern. Wer nur aufhört und sonst alles lässt, wie es ist, sitzt abends an derselben Stelle auf dem Sofa wie früher. Da fehlt dann nur der Joint, und die Müdigkeit bleibt.

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Warum Sport hilft, aber nicht als Strafe

Bewegung hilft vielen im Entzug. In einer Studie senkten 30 Minuten Joggen am Tag den Suchtdruck und den Konsum deutlich. Viele schlafen nach einem aktiven Tag außerdem besser.

Sport sollte aber kein Programm sein, mit dem du dich bestrafst. Bist du komplett platt, reicht ein Spaziergang. Kannst du mehr, mach leichtes Training. Hast du früher Sport gemacht, taste dich langsam wieder ran.

In den ersten Wochen ist es wichtiger, regelmäßig etwas zu machen, als dich auszupowern. Drei kurze Runden in der Woche bringen mehr als ein hartes Training, nach dem du zwei Tage flachliegst.

Wann du genauer hinschauen solltest

Müdigkeit und wenig Energie sind im Entzug häufig. Genauer hinschauen solltest du, wenn es über Wochen gar nicht besser wird, wenn du sehr niedergeschlagen bist oder körperliche Warnzeichen dazukommen.

Nicht alles muss vom Cannabis kommen, nur weil du gerade aufgehört hast. Auch Eisenmangel, die Schilddrüse, ein Vitaminmangel, eine Depression oder eine Schlafstörung können dir Energie rauben. Ein Bluttest in der Hausarztpraxis bringt da oft schnell Klarheit.

Hast du Gedanken, dir etwas anzutun, ruf sofort die 112. Reden kannst du jederzeit und kostenlos mit der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.

Was sich in deinem Körper sonst noch umstellt, steht hier: Das passiert, wenn du nicht mehr kiffst. Alles Wichtige für den Anfang findest du im Cannabis-Entzug Guide.

Fazit

Keine Energie nach dem Kiffen aufhören ist frustrierend, gehört aber bei vielen zur Umstellung. Schlaf, Belohnung und Alltag müssen wieder ohne Cannabis laufen. Die Müdigkeit ist kein Beweis, dass du Cannabis brauchst.

Bis der Antrieb in der Fokus-Phase zurückkommt, helfen die einfachen Dinge: Tageslicht, Spaziergänge, kleine Mahlzeiten, genug Wasser und weniger Handy am Abend. Wenn du die platten Wochen nicht allein durchstehen willst, begleitet dich unser Online-Programm Schritt für Schritt vom letzten Joint bis in den neuen Alltag.

Häufige Fragen

Ist es normal, nach dem Kiffen aufhören keine Energie zu haben?

Ja. Viele fühlen sich in den ersten Wochen erschöpft und antriebslos. Schlechter Schlaf, wenig Appetit und ein Kopf, der ohne THC neu lernen muss, kommen zusammen.

Wie lange dauert die Energielosigkeit?

Am niedrigsten ist die Energie meist in den ersten Tagen. In der Resilienz-Phase bis Woche 3 oder 4 schwankt sie, in der Fokus-Phase bis Woche 7 kommt bei vielen der Antrieb zurück. Nach langem, starkem Konsum kann es bis etwa 3 Monate dauern.

Wann kommt der erste Energieschub?

Bei vielen in der Fokus-Phase, also etwa ab Woche 3 oder 4. In den ersten Tagen ist die Energie oft sogar niedriger als vorher.

Hilft Kaffee gegen die Müdigkeit?

Kurz schon, aber viel Kaffee verschiebt das Problem nur. Wenn du abends schlechter schläfst oder nervöser wirst, kostet dich der Kaffee am Ende mehr Energie, als er bringt.

Sollte ich mich trotz Müdigkeit bewegen?

Ja, aber fang klein an. Spaziergänge, Tageslicht und leichte Bewegung helfen oft mehr als hartes Training. Es geht darum, regelmäßig etwas zu machen, nicht um Höchstleistung.

Brauche ich Nahrungsergänzungsmittel für mehr Energie?

Meistens brauchst du keine. Sinnvoll sind sie vor allem bei einem nachgewiesenen Mangel, etwa an Vitamin D oder Eisen. Das kann deine Hausarztpraxis mit einem Bluttest prüfen. Produkte, die schnelle Energie versprechen, sind ihr Geld selten wert.

Was, wenn aus der Müdigkeit Niedergeschlagenheit wird?

In den ersten Wochen kommt das vor. Wird die Niedergeschlagenheit über Wochen nicht besser oder schlimmer, sprich mit einer Suchtberatung oder deiner Hausarztpraxis. Mehr dazu: Depression nach dem Kiffen aufhören.

Mike R., Texter im AZK-Team

Über den Autor

Mike R. · Texter im AZK-Team

Mike R. schreibt als Texter im AZK-Team. Er hat zwölf Jahre lang jeden Tag konsumiert, wurde über eine Suchtberatung clean und hat später selbst dort gearbeitet. Heute lebt er im Ausland.

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